Sonntag, 1. Juli 2012

Zu Alan Turing, von Dietmar Dath

Ich bin ein Liebender der Wissenschaften. Ich bin dem Wissen sehr zugeneigt. Warum? Vielleicht, weil ich so leer bin? Voll von Gefühl, aber wenig Sicherheit und wenig Aussicht. Das Wissen verspricht da AbHilfe und hält sie bis Heute auch ein. Ich fülle in-m ich ein. Ich nehme nicht so sehr auf, wie ich einnehme, was so an Neuem erarbeitet, erschaffen und vor allem erspürt worden ist, also wahrgenommen, von allen Sensoren der Lebendigkeit: ertastet, erschmeckt, errochen, ersehen und erhört worden ist und, um ein wichtiges Teil nicht zu vergessen, was auch erahnt worden ist, von den vielen menschlichen Forsches und auch ganz winzigst und bescheiden von mir. Das Folgende ist von einem weiteren Liebenden des Wissens. Es ist eine schöne Entdeckung und hat mich deshalb sehr erfreut, ich möchte es noch öfter lesen und stelle es deshalb hier ein, vielleicht ist es auch für das Eine oder Andere von Ihnen interessant: Viel Freude beim Lesen.
Wie stets, habe ich ein paar {persönliche Anmerkungen} einfliessen lassen.
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Alan Turing
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Aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 23.06.2012.
Titel: Ausgerechnet: Die Grenzen der Wahrheit. Alan Turing, Denkgenie.
Untertitel:  Geboren wurde der britische Logiker und Mathematiker Alan Turing am 23. Juni 1912. Das abstrakte Prinzip des Computers und ein neuer Begriff von Intelligenz sind zwei der Schätze, die sein Erbe birgt.
Von Dietmar Dath

Noch in seinen letzten Wochen war Turing, den die gesetzliche Festschreibung einer krude, eng und grausam bestimmten biologischen Norm um Glück und Gesundheit brachte, damit beschäftigt, die Vielfalt des Biologischen besser zu verstehen. Gerade erst traten die Lebenswissenschaften aus dem beschreibenden ins exakte Stadium, und Turing half an der Universität von Manchester seit 1949 dabei mit. 1952, zwei Jahre vor seinem Tod und im Jahr des Beginns seiner Drangsalierung durch den britischen Staat, skizzierte er in seinem Aufsatz „The Chemical Basis of Morphogenesis“ eine Theorie über Instabilitäten in homogenen chemischen Medien, formgebende Wellenmuster und andere neue Einfälle, die zusammen die Umrisse ganzer Großbezirke heutiger Forschung, von den Nichtgleichgewichts-Phasenübergängen der Synergetik bis zur bioinformatischen Enträtselung der Genetik und Proteomik ahnen ließen.

Um ein abtötendes Reduzieren des Formenreichtums der lebendigen Welt, um normierende Vereindeutigung, ging es bei der Sorte Wissenschaft, für die Turing gelebt hat, keinen Augenblick. Die Grenzen reduktionistischer Zugriffsweisen auf Welt, Leben und Denken abgesteckt zu haben gehört vielmehr zu seinen Hauptverdiensten. Wie Kurt Gödel vor ihm gezeigt hatte, dass es niemals ein formallogisches System geben kann, das zugleich vollständig und widerspruchsfrei ist, fand Turing heraus, dass es notwendig Zahlen gibt, die sich nicht berechnen lassen. Seine Funde wiesen Nachfolgern wie Gregory Chaitin, dem Erfinder der algorithmischen Informationstheorie, den Weg. Chaitin konnte zeigen, dass es selbst tief in der Arithmetik, dem gewöhnlichen Zahlenrechnen mit zehn Fingern, Bleistift und Papier oder Kieselsteinen, irreduzible mathematische Information, also Zufälliges, auf keinen Determinismus zu Zwingendes gibt und dass man nie beweisen kann, dass ein Programm, das aus einer bestimmten Eingabe ein bestimmtes Resultat macht, notwendig das eleganteste, also kürzeste Programm für ebendiese Aufgabe ist.

Quasiphilosophische Überreaktionen

Egal, was du weißt, es bleibt ein Rest, den du ebendeshalb nicht wissen kannst. Rund zweihundert Jahre vergingen zwischen D’Alemberts Vorwort zur „Enzyklopädie“, dem großen Buch der Aufklärung, das dem großen Buch der christlichen Religion die Grenzen seines Gewissheitsanspruchs setzen sollte, und Turings epochalem Aufsatz „On Computable Numbers With an Application to the Entscheidungsproblem“ (1936). Die wertvollste Lektion, die der Menschheit in diesen zweihundert Jahren zugestoßen ist, lautet: Gewissheit ist unwissenschaftlich.

{Einspruch. Die Ungewissheit darf nur der Firnis auf der Gewissheit sein, denn alles DaSein baut auf Gewissheit auf: Etwas ist. Das ist gewiss. Wer aber NUR die Gewissheit sucht und will, wird kein Forscher, das ist auch klar, Forschen ist reiten auf der Firnis der Vergangenheit, Wissenschaft ist "Schaumschlägerei" auf den Blasen der Gewissheit, ich finde, soviel Genauigkeit ist wichtig, aber weiter ...}

Koryphäen der Wissenschaftstheorie des zwanzigsten Jahrhunderts wie Karl Popper, Imre Lakatos, Paul Feyerabend und einige besonders radikale Konstruktivisten zeigten sich von der bis zu dieser Einsicht zurückgelegten Lerngeschichte dermaßen beeindruckt, dass sie sich bei allen sonstigen Differenzen untereinander mit manchen Formulierungen gefährlich nah an einer törichten Idee entlangbewegten: „Wenn Gewissheit unwissenschaftlich ist, dann ist Ungewissheit wissenschaftlich.“ Dieses Fieber wird wohl im 21.Jahrhundert vorübergehen wie einige Exzesse der bürgerlichen, aber auch der forciert antibürgerlichen Wissenssoziologie des letzten Jahrhunderts, die den negativen Abdruck alter metaphysischer Gewissheitssehnsüchte als maßlosen Relativismus kultivierten.

Weil derlei Überreaktionen der quasiphilosophischen Schriftstellerei auf einen neuen Stand menschlicher Erfahrung zumindest kurzfristig erhebliche Verwirrung stiften, hängt das Fortschreiten über sie hinaus entscheidend davon ab, ob Köpfe mit Sinn fürs Abstrakteste die nötige definitorische Kleinarbeit leisten, aus der sich erst das scharf aufgelöste Bild des Neuen schälen kann. Das Doppeljahr 1936 und 1937 erlebte solch ein Fortschreiten mit zwei fast gleichzeitigen Schritten: Der Amerikaner Alonzo Church benutzte das Instrumentarium der sogenannten rekursiven Funktionen - mathematische Gegenstände aus Variablen, Konstanten und Pforten der Selbstreferentialität von Informationsverarbeitungsprozessen - zur präzisen Bestimmung dessen, was wir mit „Berechenbarkeit“ überhaupt meinen. Alan Turing wiederum fand ein geniales anschauliches Bild, das dieser Bestimmung als ihr physisches Modell äquivalent war (und sich daher bauen ließ - als Apparat, den wir heute Computer nennen).

Mathematik ist alles. Wirklich?

In diesem Augenblick kollabierte der Unterschied zwischen den seinerzeit diskutierten drei Sorten von Versuchen, die Mathematik selbst mit mathematischen Mitteln zu beschreiben, also sozusagen einen Knoten in sie zu drehen, der sie vor dem Zerfall bewahren, der ihre Letztbegründung in ihr selbst finden sollte: dem formalistischen Versuch (Mathematik ist alles, aber auch nur das, was mit mathematischen Zeichen nach mathematischen Verfahrensvorschriften gemacht werden kann), dem logizistischen Versuch (Mathematik ist alles, aber auch nur das, was in der Logik steckt) und dem intuitionistischen Versuch (Mathematik ist alles, aber auch nur das, was wir intuitiv erfassen können müssen, um zu rechnen - Beweise unter Berufung auf unendliche Größen scheiden dann zum Beispiel aus, denn die erfasst niemand intuitiv).

{Kann ich allein in und mit mir, allein im und mit dem Selbst, das Selbst gänzlich erfassen und beschreiben? Jeder Versuch eine Einzelheit im DaSein nur mit den Mitteln, Mássen, Formen, der Struktur und den (Bewegungs- und Entwicklungs-) Möglichkeiten dieser Einzelheit, ohne die Einbeziehung des Umfelds in das Jede Einzelheit eingebettet ist, mit der RaumZeit und den Bedingungen und Grössen des gesamten DaSeins und sogar noch etwas mehr, also ganz schön Viel, scheitert. Muss scheitern, weil ... Sie wissen warum? Das heisst, erst wenn die Mathematik das Umgebende des DaSein zur Begründung und Erklärung einbezieht, also die UnBerechenbarkeit, die ZahlenLosigkeit, die UnVerGleichlichkeit, die UnVerbundenheit, wird die Mathematik auf sicherem Grund aufsetzen. Das gilt für Jede Wissenschaft, wie es für Jede Einzelheit erst ein "klares Bild", eine stimmige Antwort auf die Frage: Was ist ich (Was (Sie + Er = Was) ist das einzelne ich, aber auch das allgemeine Ich?)?, ergibt, wenn das ich, das Ich und das drummherum in die Antwort[en] im richtigen Verhältnis einbezieht. Dauert also noch ein wenig ...}

Mit Staunen (und einem Schock, von dem sich manche bis heute nicht erholt haben) sahen die Verfechter der drei Schulen 1937 bei der Geburt einer vierten zu, der automatischen. War sie die als Apparat verwirklichte Erfüllung des alten Leibnizschen Traums von der lingua characteristica universalis, einer buchstäblichen Sprache der Wahrheit, deren Ausdrücke unabhängig von ihrem Inhalt schon äußerlich verraten, was stimmt und was nicht? Im Gegenteil: Sie war, als zivilisationsveränderndes Nebenprodukt von Turings Berechenbarkeitsforschung, der praktische Todesstoß für jede derartige theoretische Bestrebung.

Deren letzter, größter Vorkämpfer vor Gödels, Churchs und Turings dreifachem Vernichtungsschlag war David Hilbert gewesen, als er zunächst die Frage gestellt hatte, ob es ein eindeutiges Verfahren gibt, mit dem man beliebige diophantische Gleichungen, also bestimmte mathematische Ausdrücke mit gewissen Variablen und angenommenen ganzzahligen oder rationalen Lösungen, in jedem Fall lösen kann. 1928 erweiterte Hilbert die Frage zum sogenannten „Entscheidungsproblem“: Gibt es ein Verfahren, in das man einen beliebigen, in Abhängigkeit von einem System mit ein paar unumstößlichen Axiomen formulierten Satz nur einzuspeisen braucht, damit einem dieses Verfahren dann sagt, ob dieser Satz für alle Strukturen wahr oder falsch ist, die sich in derselben Abhängigkeit von denselben Axiomen jemals formulieren lassen? Church und Turing entschieden das Entscheidungsproblem: Nein, so ein Verfahren kann es nicht geben. Rund ein Menschenalter später, in den siebziger Jahren, wurde dann auch die Hoffnung auf einen Lösungsdetektor für diophantische Gleichungen beerdigt - von einer internationalen Gemeinschaft, zu der unter anderen der russische Mathematiker Juri Matjasewitsch, die amerikanische Mathematikerin Julia Bowman Robinson und ihr auch als Philosoph profilierter Kollege Hilary Putnam gehörten. Alle drei, und wer immer sonst noch half, benutzten dazu Turings begriffliche Vorrichtungen, die heute alle Welt als körperliche kennt, mit denen man sogar telefonieren kann.

Mitschüler hänselten den Rätselhaften

Ein Gerät, das einen Eingabetext lesen, nach Regeln manipulieren und so einen Ausgabetext schreiben kann, eignet sich dazu, alles zu berechnen, was wir überhaupt „berechenbar“ nennen dürfen: Diese Überlegung hatte Turing von einer geistigen, eben der Hilbertschen Fragestellung zu einer maschinellen Lösung geführt. Schon als Schulkind beschäftigte ihn das Übersetzen der Gegenstände scheinbar entgegengesetzter Gesichtskreise ineinander: Experimentell verdampfte er stumpfes Wachs zu raffinierten Farbspielen; aus robusten Regeln leitete er zur Verblüffung seiner Lehrer halsbrecherische Zahlenfolgen ab. Was vor seiner Nase lag, die zuhandene Konkretion, interessierte ihn wenig; mit Nachteilen für die Zensuren wie für die Anpassung - Mitschüler hänselten den Rätselhaften.

Die Frage, was Intelligenz eigentlich sei, musste ihn, der seiner eigenen Intelligenz Räusche wie Einsamkeiten verdankte, dazu verlocken, einen weiteren seiner funkensprühenden Kurzschlüsse zwischen dem Griffigen und dem Erhabenen zu riskieren. 1950 veröffentlichte Turing in der Zeitschrift „Mind“ den Aufsatz „Computing Machinery and Intelligence“, der das Wesen des Denkens nicht mehr im Innenraum der Psychologie, im mentalen Hinterland der Unterscheidung „denkend/materiell“ suchte, sondern an der Schnittstelle dieser beiden. Sein „Turing-Test“, mit dem sich sagen lassen sollte, ob eine Maschine denken kann, lebt - wie etwa auch der recht junge Begriff der „emotionalen Intelligenz“ von Peter Salovey und John Mayer - von Kommunikation: Wenn wir uns mit einem Rechner mit Zeichen-Waffengleichheit unterhalten und dabei nicht mehr erkennen können, dass unser Gegenüber kein Mensch ist, haben wir es mit einem denkenden Rechner zu tun.

Dies als reduktionistisches Modell des Mentalen missverstanden zu haben statt als eines, das die Begriffe öffnet und beweglicher macht, ist die Erbsünde, mit der die modernen Kognitionswissenschaften sich derzeit ins zweite Jahrhundert ihrer Existenz schleppen. Dass das Hirn womöglich „nur“ eine Maschine ist, geht als These auch dann, wenn allerlei aus der Physik oder der Neurobiologie zusammengeklaubte Zusatzannahmen über irgendwelche Unschärfen und evolutionäre Parameter als Girlanden darum herumgehängt werden, an Turings tiefem Respekt vor Maschinen vorbei. Was hielte man von einer Literaturwissenschaft, die den Satz als Entdeckung empfände, Gedichte seien „nur“ aus Wörtern gemacht?

Die Maschinen verstehen

Einwände gegen den Turing-Test als Eichmaß des Denkens verirren sich nach wie vor im alten mentalistischen „Innen“; Entgegnungen darauf aber graben sich allzuoft in vulgär-mechanistischen Feuerstellungen ein. Turing indes suchte seine Antworten weder im Subjekt noch im Apparat, sondern in ihrer beider Beziehung.

Als er im Zweiten Weltkrieg die deutsche Enigma-Codemaschine knackte und Geburtshilfe beim Computer-Prototyp Colossus leistete, beschäftigte ihn ein Theorietyp, der heute als „Bayesianismus“ von der Grundlagenphysik bis zur Finanzwelt seine Anwendungen findet.

Thomas Bayes, nach dem diese Denkweise benannt ist, ein Mathematiker des achtzehnten Jahrhunderts, war, während die französischen Enzyklopädisten sich gerade damit abmühten, die alten metaphysischen Gewissheiten durch neue naturwissenschaftliche zu ersetzen, bereits mit dem beschäftigt, was in der seither zu sich selbst gekommenen Wissenschaft den Popanz Gewissheit ersetzen sollte: Wahrscheinlichkeiten. Ihr Schillern, wie die Farben im Waschdampf, mit denen Turing als Junge spielte, vermittelt zwischen den Extremen 1 und 0, ja und nein.

Können wir diese Vermittlung lernen? Turing wollte wissen, ob Maschinen mit Sinn fürs Abstrakteste verstehen können, wie die Menschengemeinschaft denkt. Sein Erbe fordert, umgekehrt, von der Menschengemeinschaft, wenn sie denn eine Zivilisation bleiben will, die Maschinen zu verstehen, die er möglich gemacht hat.
Das wars.
Schön.

Freitag, 29. Juni 2012

Natürliche Heilung

VorRede:
Das "ich" im folgenden Abschnitt ist mehr ein allgemeines als ein besonderes ich.

Ich suche nach Einbettung.
Ich suche nach Einbettung in das: Was ist?
Also in die Uns umgebende Natur, in dieses DaSein, das Wir sind und das Uns quasi zusammengebaut hat, das Uns also geschaffen hat.
Ich suche nach der umfassendsten Einbindung im DaSein, nach der direktesten Verbindung mit der Umgebung, und ich suche es, OHNE dabei dieses winzige Selbst, welches "ich" bin, aufzugeben.
Einfach aufzugehen, verloren zu gehen, in der noch (oder "fast") unfassbaren Vielheit dieses DaSein, in der noch unglaublichen Farbigkeit des DaSein und in der noch unheimlicheren  enormen W e i t e  der Natur.
Ich suche also nach Emanzipation und Selbst-Erhalt eines winzigst kleinen, fast verschwindenden Bereichs, also auch in/von Oliver-August Lützenmir, innerhalb dieses ENORMEN, RIESIGEN, GIGANTISCHEN DaSein, da taucht die Frage auf:
Warum überhaupt? Warum bin ich nicht einfach zufrieden mit dem bisserl DaSein, lebe die paar Jahrzehnte und mache dann einen auf natürlichen Tod, auf leisen Abschied?
Tja?
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Erkenntnis: Von mir kommt dieser Wunsch oder auch dieser Wahn auf jeden Fall nicht, nicht alleine, das ist sicher. Es gibt ZuViele andere Menschen und Wesen, die danach suchen und fahnden, die wissen wollen und wissen möchten und nicht damit zufrieden sind, mit dem bisschen RaumZeit, das Uns kleinst-Lebewesen eingeräumt wird. Es sind SoViele, je mehr *ich lese und um m*ich herum spüre, mit allen Sinnen, umso mehr unruhige und unzufriedene Wesen, mit dem nackten blossen DaSein entdecke ich, GleichGesinnte.

Es kommt also nicht von mir, dieses Fragen und auch das Drängen und das Hereinholen und Herausfordern, es ist in Allem drinn, bei den Allermeisten ein wenig versteckt, bei wenigen ganz und gar offensiv, bis hin zur Selbst-Zerstörung. Ja, sogar soweit geht dieses Verlangen nach Beglaubigung, nach dem vollen Programm, statt nach der blossen AbFertigung.
Davon handelt auch der Prometheus-Mythos, ich habe Goethes Worte dazu bereits in diesem Monat hier in diesem Blog eingestellt.

Nebenbei: Die Leses der SprechLichtung werden einen Teil dieses Beitrags bereits kennen, mit dem Titel "HeilungsHilfe der Natur"; mir erscheint der Beitrag inzwischen hier besser aufgehoben. Und, ich habe den Text auch etwas erweitert, das erneute Lesen lohnt also vielleicht sogar für Sie.
Heute etwas, das *ich die vergangenen Tage gefunden habe und vorab auch eine Reaktion von mir auf einen Blog-Beitrag im FAZ-Blog. Mit Vorrede.
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Der Autor auf der SpurenSuche
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Es geht in erste Linie darum, dass ich eine grosse menschliche Angst spüre, vor der Natur um Uns (in Büchern, Filmen, der Philosophie, in vielen Bereichen der anderen Künste und Gesprächen) herum und vor dem Selbst ("vor" dem Selbst? In einem Selbst), also Uns, kein Wunder eigentlich bei der Aggressivität, die Wir auch Gegenseitig ausleben, aber wieviel hat die mit der Angst zu tun?

Je weiter *ich herum schaue, um so mehr entdecke ich auch Hilfs- und Heilungs-Angebote im Selbst und selbstverständlich auch um Uns herum, dabei nutze ich die Ergebnisse der Wissenschaften. Eines möchte ich im Anschluss an ein paar eigene Gedanken und Befürchtungen vorstellen.
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Es ist, denke ich, ein grosser Qualitätsunterschied, die Fertigkeiten {Fertigkeiten sind in meinem Sprachgebrauch, die zum Gebrauch ausgebauten Fähigkeiten eines Lebewesens, denn Fähigkeiten schlummern so einige in Allen Lebewesen, auch im Menschen, aber genutzt, oder auch gebraucht, werden sie oft nicht: Denken Sie nur an das Denken, oder auch an den FlicFlac, Jedes Mensch könnte enorme Fertigkeiten aufweisen, aber Wir brauchen sie meist nicht. Seien Sie bitte nicht böse, wenn ich so oft mit den unausgelebten Fähigkeiten eines Menschen hadere, aber das ist eine persönliche Haderung 〈jetzt wissen die Östereichen in der Leserschaft übrigens, warum einer ihrer besten Zeichner so heisst, was Er tut! Da passte der Mensch exakt zur Bezeichnung.〉 mit unausgelebter Freude und einer anmisshandelten Beherrschtheit, die Leses erinnern bestimmt den Beitrag "IntelligentenAngst", vom 22.05.2012, dort lasse ich etwas davon erkennen und stochere ein wenig in den Gründen herum. So, jetzt ist das doch eine etwas längere Klammer geworden, deshalb starte ich den VorSatz wohl besser noch einmal neu;-)}

Es ist, denke ich, ein grosser Qualitätsunterschied, die Fertigkeiten eines Lebewesens auf eine Maschine zu übertragen - {ein "digitales Wesen", das sehr beschränkt ist, denn "analoge Wesen" sind wesentlich komplexer, zerbrechlicher, also auch offener und verbundener und anpassungsfähiger (<-- da haben Sie eine Fähigkeit, die vielleicht etwas verkümmert ist?)} -, als die Fertigkeiten eines LebeWesens auf ein anderes LebeWesen zu übertragen, oder die Fertigkeiten eines LebeWesens für ein anderes LebeWesen zu nutzen.
Dieses Tun, also die Übertragung Unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Maschinen, empfinde ich als "Übersprungshandlung". Ein Begriff aus der Biologie, der beinhaltet, dass ein Lebewesen eine Reaktion an etwas Unbeteiligtem auslebt, an Etwas, das die Be-Handlung nicht veranlasst hat, aber nun die Reaktion darauf abbekommt. Als Beispiele: Ein Schwächeres wird von Eines Stärkeres bestraft und tritt daraufhin auf Etwas noch Schwächeres herum: ein Hund erhält eine Rüge und zerbeisst daraufhin voller Wut nicht das Es rügende/strafende, sondern z.B. einen Ast, Knochen oder sonst etwas, oder ein Kind wird von einem Elternteil bestraft und "bestraft" daraufhin ein anderes schwächeres Kind, im ungünstigsten Fall den kleinen Bruder oder Schwester, nur als Beispiel.

Die ÜbersprungsHandlung in Unserem Fall, ist eher ein Ausweichen vor dem Aufwand, die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Die ÜbersprungsHandlung erfolgt aus einem Bemerken des eigenen grossartigen und aussergewöhnlichen Potentials, aber dem daraufhin folgenden Erkennen, dass die Nutzung und der Ausbau des Potentials tiefgreifende, nämlich grundsätzliche Veränderungen im Selbst und im Umgang der Selbst im Miteinander bedarf. 
Das Mensch muss, um das Potential, das Es ist, radikale (von lat. 'radix' = "die Wurzel") Änderungen im Selbst (Körper) und in der Zusammenarbeit der Körper, also der Gesellschaft vornehmen; und das weckt eine ebenfalls tiefgreifende, also "radikale" Angst und Abwehr aus: daher lieber das Potential auslagern, es übertragen auf Anderes, in Unserem Fall auf Maschinen.

Das eine (von Lebewesen zu Lebewesen) ist eine Übertragung auf Gleichem - vielleicht sogar auf dem Selben - Niveau, das andere ist eine Übertragung auf ein niedrigeres Niveau, also im Grund eine Überforderung des Niederen durch das Höhere Niveau.
Das Mensch lagert seine Fähigkeiten auf die Maschinen aus und versucht sie dort zu Fertigkeiten nutzbringend auszubauen. Zum Beispiel programmieren Wir seit längerem schon Spracherkennungs-Programme in digitalen Maschinen - {ich betone das digitale, damit Ihnen bewusst bleibt, dass Wir analogen - also vielstimmig und vielfarbig basierten - Lebewesen, "UNS" auf eine zweistimmig basierte Lebensform auslagern} - und seit neuestem kommen auch Programme hinzu, die den Maschinen das "kreative" Schreiben beibringen wollen, es zumindest möglich machen wollen.
In einem FAZ-Blog, der dieses Thema des "maschinellen kreativen Schreibens" aufgriff, schrieb ich dazu folgendes: 
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Also, meine persönliche automatisierte Spracherkennungs- und Spracherzeugungs-SanftWare leistet erstaunliches und läuft ausgezeichnet, zwar noch weit entfernt von wirklich unbekümmerter Präzision und der garantierten Wucht bei der Verbreitung nach Innen, wie nach Draussen, aber ich arbeite täglich damit und dafür, sie zu verbessern und um Neues, an Wörtern und Sätzen und Wissenswertem, zu erweitern. Das klappt auch und ich bin oft genug erstaunt und hocherfreut, was dabei so an Texten entsteht, Sie kennen das ja inzwischen vielleicht, deswegen verstehe ich auch gar nicht so recht, warum ich oder auch Wir das auslagern wollen: dieses Vermögen in Maschinen stecken wollen?
Ein anderer Kommentator hat recht, mit der Feststellung, dass Wir jetzt nur noch die Maschinen brauchen, die das von Maschinen getextete auch noch lesen, dann ist das Mensch auch diesen "Auftrag" los. So, eins nach dem anderen, übertragen Wir Menschen unsere Fähigkeiten und Tätigkeiten auf Maschinen, ohne dass sie dort eine wirkliche Verbesserung oder bedeutende Weiterentwicklung erfahren. Ich komme da langsam nicht mehr mit? Das erscheint mir so zwanghaft. Wollen Wir Uns abschaffen, Uns überflüssig machen? Ist das ein Programm, das in Uns arbeitet, mit dem Auftrag des DaSeins: zuerst aufraffen, dann anschaffen und dann abschaffen?
Und das ganze bebildern Wir mit molliger Musik und bunten Bildchen, damit Wir gar nicht merken, was da so läuft in und mit Uns, oder besser, es wird Uns mit drolliger Musik und prolligen Bildchen schöngewellt, damit Wir brav Unseren Auftrag ausführen. Aber wozu braucht das DaSein "denkende", "komponierende", "schreibende", ... handelnde Maschinen?
Tja, da sehen Sie, was meine WeichZartWare wieder so alles erfunden hat, manchmal denke ich, wenn ich das so lese, ob ich dieser ZartSache vielleicht zuviel Fragezeichen zugemutet habe? Da, schon wieder eins, also wirklich? Sehen Sie, es kann gar nicht mehr auf hören, also ziehe ich jetzt mal den Stecker aus der Steckdo
Ende FAZ-Kommentar
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Um noch einmal zurückzukommen, auf den Anfang, es ist ein grosser Qualitätsunterschied, ob Wir etwas auf Maschinen auslagern, oder Uns etwas von Mit-Lebewesen aneignen; oder ob Wir die Fertigkeiten von Mit-Lebewesen für unsere noch unfertige Existenz nutzen.
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Ein wunderschönes Beispiel für die Nutzung von Fertigkeiten, die auf unserer Ebene vorhanden sind, und die Wir ohne weiteres zur Verbesserung, zur Erweiterung oder auch zur Gesundung für Uns, - für Uns natürliche Lebewesen -, nutzen können, ja sogar sollen!, habe ich die vergangenen Tage in der Beilage «Wissenschaft» der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, vom 16.05.2012, gefunden.
Für mich zeigt es, was in die richtige Richtung weist und was nur banale, also einfältige Spielerei ist. Maschinen zum verbesserten Lebewesen "hoch"-zu-züchten, fast schon zum Menschen-Ersatz ist, für mich, völlig verschwendete Energie und damit Geld, denn Geld ist unsere valide Energie, ein Englischer würde jetzt hinzufügen: isn't it?
Maschinen zur Unterstützung: Ja; aber so vieles läuft darauf hinaus, dass Wir quasi einen Ersatz für Uns schaffen, weil Einige anscheinend fühlen oder denken, dass das Mensch ein unfertiges Lebewesen ist (was ja stimmt!), aber vor allem, dass das Mensch es bleibt und Wir deshalb - weil die Evolution nun mal eine Weiterentwicklung "vorschreibt" -, einen Ersatz für Uns schaffen müssten.
Nein, ihr Mit-Menschen, Wir brauchen bloss die Erkenntnisse der Natur auch für Uns zu nutzen - u.a. die in der Bionik gefundenen -, um Rezepte zu finden und zu erhalten, wie Wir - für und in Uns - eine Weiterentwicklung so gestalten können, dass Wir dabei mitkommen  und dieser Entwicklung auch zustimmen können und wollen.
Darum geht es doch wohl, oder?
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Es geht doch wohl auch darum, dass Wir aus der unmündigen, aus der fremdbestimmten, Selbst-Entwicklung, die Uns bisher - ohne Unser Zutun und ohne Unsere Zustimmung - geprägt hat, weiterentwickeln, hin zu einer Selbst-Entscheidung für Unser DaSein und dessen weiterer Entwicklung im Allgemeinen DaSein.
Diesem allumfassenden Treiben der Natur im SEIN.
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Hier nun das Beispiel der HeilungsAngebote der Natur, aus der FAZ, vom 16.05.2012.
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Titel der PrintAusgabe:
Im Zeichen der Weber oder wie Spinnenseide die Chirurgie erobert. 
Lange war es vergessen, doch nun werden die Vorzüge der Spinnenseide wieder für die Medizin interessant. Hannoveraner Forscher fertigen künstliche Nervenbahnen und Hautimplantate auf Basis von Spinnenseide.
Von Anne Hardy
Nephila spec aus dem Senegal, Foto: Christina Allmeling
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Bereits die alten Griechen verwendeten Spinnenseide als Verbandmaterial, um Blutungen zu stillen und die Wundheilung zu fördern. Diese Praxis hielt sich bis ins Mittelalter, geriet dann aber in Vergessenheit. 1621 berichtete der italienische Arzt und Philosoph Epifanio Fernando in einem Brief, er habe Spinnenseide für medizinische Anwendungen gewebt. Wiederentdeckt wurde das Biomaterial vor einigen Jahren im „Spidersilk Laboratory“ der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort erkannten Forscher, dass Hautzellen die feinen Fäden besiedeln und sich darauf gut vermehren können. Anschließend löst sich das stützende Gerüst aus Spinnenfäden auf, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Ausgehend von diesen Erkenntnissen, ist es gelungen, mit Hilfe der biokompatiblen Spinnfäden zerstörte Nervenzellen zu regenerieren, künstliche Haut zu züchten sowie feines und zugfestes Nahtmaterial herzustellen.
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Aus Phobie wird Leidenschaft
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“Man müsste ein Material haben, so fein wie Spinnenfäden“ - dieser Wunsch eines Operateurs war für Christina Allmeling, Projektleiterin des „Spidersilk Laboratory“, der Anlass, sich eingehend mit Spinnenseide zu beschäftigen. Anfangs musste sie nicht nur ihre Angst vor Spinnen überwinden, sondern auch ihre Vorgesetzten davon überzeugen, dass ihre Phantasie bei diesem Vorhaben nicht mit ihr durchgegangen war. Nach einigen Besuchen in Zoos erwies sich die handtellergroße senegalesische Spinne Nephila als besonders geeignet, weil der Faden ihres Schleppseils immer ein Stück aus dem Unterleib herausschaut. Allerdings lässt sich Nephila nicht in Terrarien halten. Im Spidersilk Labor bewohnen die Spinnen inzwischen drei Räume, in denen sie, wenn ihre Seide nicht „geerntet“ wird, ungestört zwischen Ästen ihre Netze weben können.
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Die ersten Gehversuche
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Die ersten Erfahrungen zur Biokompatibilität der Spinnenseide sammelten die Forscher bei der Regeneration von Nervenzellen. Werden Nerven durch ein Trauma verletzt oder von einem Tumor infiltriert, versucht man Lähmungen der versorgten Areale zu verhindern, indem man den Defekt durch körpereigene Nerventransplantate überbrückt. Die Ergebnisse sind jedoch nicht immer zufriedenstellend, und zudem wird eine gesunde Körperregion durch die Entnahme des Transplantats geschädigt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Nervenzellen dazu zu bringen, von selbst nachzuwachsen. Allerdings muss ihr Wachstum durch eine Art Schiene in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Dazu verwendet man üblicherweise Röhrchen aus Kollagen oder Silikon, bei einer zu überbrückenden Strecke zwischen drei und fünf Millimetern auch Polymere wie Silikon oder Polyethylen, die im Körper verbleiben. Allerdings müssen diese Materialien oft durch eine zweite Operation wieder entfernt werden, weil sie auf lange Sicht entweder Schadstoffe freisetzen oder die nachwachsende Nervenfaser einengen.
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Ratten als Versuchskaninchen
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Ein anderes Verfahren zur Regeneration von Nervenzellen hat Allmeling gemeinsam mit Kollegen vom Labor für Regnerationsbiologie in Hannover ersonnen. Anstelle der künstlichen Röhrchen verwenden sie Stücke einer dezellularisierten Vene, die sie innen mit Spinnenseide auskleideten. Aus in vitro-Versuchen wussten sie, dass die Spinnenseide nicht nur bioverträglich ist, sondern auch eine gute Leitstruktur für nachwachsende Nervenzellen darstellt. Insbesondere die Schwann’sche-Zellen, die eine isolierende Schicht rund um den elektrisch leitenden Nervenzellfortsatz, das Axon, bilden, wachsen an den Spinnenfäden entlang. Die Forscher um Allmeling haben das Verfahren zunächst an Ratten getestet, bei denen sie eine Verletzung des Ischiasnervs durch eine Leitstruktur mit Spinnenseide überbrückten. Die Ergebnisse waren so ermutigend, dass sie es kürzlich bei Schwarzkopfschafen anwendeten. Die Forscher um Christine Radtke und Christina Allmeling entfernten ein sechs Zentimeter langes Stück des Tibialnervs aus der Kniekehle im Hinterbein der Tiere. Er versorgt und stimuliert die Wadenmuskulatur. Bei einigen Schafen wurde die Lücke mit Schweinevenen überbrückt, die man mit Spinnenseide ausgekleidet hatte. In den Venen waren zuvor alle Schweinezellen entfernt worden, damit diese nicht das körpereigene Immunsystem der Schafe aktivierten. Die Schafe einer Vergleichsgruppe erhielten Nerventransplantate aus dem eigenen Körper: ein sechs Zentimeter langes Nervenstück wurde umgedreht und wieder eingepflanzt. Das nennt man autologe Transplantation (“Plos One“, doi: 10.1371/journal.pone.0016990).
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Rückstandslose Nervenbahnen
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Die Schafe beider Gruppen zeigten unmittelbar nach dem Eingriff Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervs. Sie nahmen beim Gehen eine Schonhaltung ein. Nach etwa drei Wochen besserte sich das Gangbild der Tiere. Die Schafe mit dem Venen-Spinnenseiden-Konstrukt waren nach einem Monat schon wieder in der Lage, auf den Hinterbeinen zu stehen und die Füße koordiniert aufzusetzen. Als die nachgewachsenen Nerven nach zehn Monaten für eine histologische Untersuchung entnommen wurden, konnten die Forscher in beiden Gruppen alle für einen gesunden Nerven charakteristischen Strukturen nachweisen. Das Axon war von isolierenden Schwann’sche-Zellen umgeben, die in regelmäßigen Abständen von Ranvierschen Schnürringen unterbrochen wurden. Dieses Muster aus isolierenden und leitenden Stellen ermöglicht eine schnelle Reizleitung durch die sprunghafte Ausbreitung der Signale. Darüber hinaus war bei der Gruppe mit dem Spinnenseiden-Konstrukt das Fremdmaterial offenbar inzwischen abgebaut worden, denn die Forscher konnten keine Rückstände mehr finden. Auch zeigten sich keine Entzündungszeichen im Gewebe.
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Paradies für Hautzellen
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Ein zweites Anwendungsgebiet, in dem sich die Spinnenseide bewährt hat, ist die Herstellung künstlicher Haut. Bei Brandwunden sind Eigenhaut-Transplantationen noch immer das Mittel der Wahl, die allerdings bei großen Wunden an ihre Grenzen stoßen. Materialwissenschaftler erkunden daher schon seit einigen Jahren die Möglichkeit, Hautzellen auf einem Biomaterial aufwachsen zu lassen. Die Ansprüche an ein solches Material sind hoch, denn die Hautzellen sollten sich darauf nicht nur wohl fühlen und vermehren. Nach der Transplantation sollte sich das Gerüst zudem auflösen, ohne körperfremde Stoffe abzugeben oder das Immunsystem zu aktivieren. Spinnenseide erfüllt diese Bedingungen in einem hohen Maße. Doch wie verwebt man Spinnenfäden zu einer geordneten Struktur, auf der sich Hautzellen ansiedeln können?
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Weben nur für Könner
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Wissenschaftler des „Spidersilk Laboratory“ haben einen Miniaturwebrahmen aus dünnem Zahnarztdraht konstruiert, den sie mit dem Schleppseil einer lebenden, fixierten Radnetzspinne (Nephilia) bespannten. Die Spinne verwendet diesen Faden als Haltefaden und kann dessen Produktion nicht willentlich unterbrechen. Der Spinnfaden wird mit einer vom Institut für Technische Chemie an der Universität Hannover entwickelten Wickelmaschine auf den Webrahmen gespannt. Um eine Netzstruktur erhalten zu können, muss der Rahmen gekippt werden, so dass die Fäden ein schachbrettartiges Muster mit einer Maschenweite zwischen zehn und hundert Mikrometern bilden.
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Es zeigte sich, dass Bindegewebszellen (Fibroblasten) sich auf dieser Struktur besser vermehren können als auf Materialien wie Kollagen oder Fibronektin, die in Säugetieren als Strukturproteine dienen. Bereits nach fünf Tagen war der Spinnenseide-Webrahmen vollständig von Fibroblasten besiedelt. Die Zellen, die das Stützgerüst der Lederhaut bilden, betrieben Stoffwechsel und waren auch nach drei Wochen in Nährlösung noch lebendig.
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Haut aus zwei Schichten
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Durch diese Ergebnisse ermutigt, versuchte die Arbeitsgruppe um Hanna Wendt nun, den zweischichtigen Aufbau der Haut aus Lederhaut und Oberhaut im Labor zu rekonstruieren. Sie stellten für die spätere Oberhaut eine Fläche aus geordneten Spinnenfäden her und darunter eine Lage mit geknäulten Fäden, die der Struktur der Lederhaut ähnelt. An der Oberfläche säten sie Vorläuferzellen der Keratinozyten aus - die dominierenden Zellen der Oberhaut - und darunter Fibroblasten. Weil die Lederhaut-Zellen ein flüssiges Nährmedium benötigen, wurde der Webrahmen auf einen Silikonring gelegt. Die Oberhaut-Zellen konnten dann an der Grenzfläche zwischen Flüssigkeit und Luft wachsen. Dünne Polymerfasern sorgten für den Transport von Nährstoffen und Abfallprodukten des Stoffwechsels. Nach 35 Tagen hatten die beiden Hautzelltypen alle Lücken zwischen den Spinnenfäden ausgefüllt und zeigten im Lichtmikroskop eine deutlich sichtbare zweischichtige Struktur (“Plos One“, doi: 10.1371/journal.pone.0021833).
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Um die künstliche Haut auf Verbrennungsopfer transplantieren zu können, müsste die Zeit des Wachstums deutlich verkürzt werden. Eine Möglichkeit bestünde darin, Zellen des Patienten auf dem Webrahmen aus Spinnenseide auszusäen und schon nach einer kurzen Zeit zu transplantieren. Die Vermehrung der Zellen würde dann größtenteils im lebenden Organismus geschehen.
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Nadeln und Spinnenfäden
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Inzwischen ist es Allmeling und Jörn Kuhbier auch gelungen, aus Spinnenseide ein feines, biokompatibles und zugfestes Nahtmaterial zu entwickeln, mit dem man beispielsweise die feinen Nerven der Finger zusammennähen könnte. Üblicherweise verwendet man dafür Nylonfäden von zwanzig bis dreißig Mikrometern Stärke. Die Schleppfäden der Nephila sind allerdings nur etwa ein zwanzigstel Mal so dick. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelte Kuhbier eine Miniatur-Reepschlägerei. Ähnlich wie bei Schiffstauen werden zwei oder drei Bündel aus je zehn bis fünfzehn Fäden verdrillt. (“Journal of Biomedical Material Research“, doi: 10.1002/jbm.b.31825). Dieses Nahtmaterial, das derzeit getestet wird, hat nicht nur den Vorteil, dass es sich nach einiger Zeit im Körper ohne schädliche Rückstände auflösen würde, sondern es ist auch zweieinhalbmal so reißfest wie Nylon. Seine Dehnbarkeit ist dagegen eineinhalb Mal so groß, so dass es bei kleinen Spannungen in der Wunde nachgeben würde.
Ende Artikel.
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Ist das so?
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Es ist vielleicht ein Gleichgewicht in der Natur, einerseits die Auflösung und Zerstörung der vorhandenen Strukturen, um die Weiterentwicklung der Natur zu sichern (auch der Tod), und gleichfalls das Angebot der Weiterentwicklung der Natur auf langsamere aber ebenso durchgreifende Weise, mittels Bewusst-Heit und zuHilfenahme der Werkzeuge der Lebendigkeit (Bionik, Nano-Technik, Laser, Klein- und Grossmaschinen).
Ohne diese zum Ersatz für die Lebendigkeit auszubauen, oder ausbauen zu wollen, was meiner Meinung nach scheitern muss.
Die zweite, die friedliche Methode der Um- und WeiterGestaltung des DaSein, nenne ich:
Verantwortlichkeit.
Ich übe noch darin und daran.