Posts mit dem Label Rimbaud werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rimbaud werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 13. Februar 2013

Die Entwicklung des Sprache[n]

Vorwegg eine Bemerkung und schöne Herleitung des natürlichen Wissensdurstes und der Entdeckerlust, als gemeinsame (auch!) menschliche Eigenheit.
»Schon das Kind sehnt sich über die Hügel, die Gebirge, die Seen, die Meere hinaus, die seine enge Heimath umschliessen, und sich dann gleich wieder pflanzenartig zurück, wie das überhaupt das Rührende und Schöne im Menschen ist, dass Sehnsucht nach Erwünschtem und nach Verlorenem ihn immer bewahrt, ausschliesslich am Augenblicke zu haften. So, festgewurzelt in der innersten Natur des Menschen, und zugleich geboten durch seine höchsten Bestrebungen, ist jene wohlwollend menschliche Verbindung des ganzen Geschlechts eine der grossen leitenden Ideen in der Geschichte der Menschheit.«
Wilhelm von Humboldt, 1828, aus "Über die Verschiedenheiten des menschlichen Sprachbaues".

Das Sprache braucht Veränderung.
Es braucht Veränderung ebenso, wie ALLES Andere ebenso in Veränderung ist.
Eine platte "Weisheit": DaSein ist stetes AndersSein. Was ich eben war, bin ich Jetzt nicht mehr, oder wie Franz Beckenbauer mal gesagt hat (und er hat es auch nur übernommen): "Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern". Klar, die / das Sprache ist in Veränderung, Heute gibt es Wörter und Wortzusammenstellungen, die vor / in ? Jahren kaum ein-Es verstehen würde, aber ... Es gibt immer ein Aber.

Aber, ist das die richtige Richtung?
Immer mehr Bedeutungen und Farben in ein und dasSelbe Wort zu packen (siehe dazu auch den Beitrag: "Die Freiheit der Liebe", vom 02. März 2012, in diesem Blog)? Und somit, wie *ich meine, die Worte zu entsozialisieren.

Ein Wort wie: Wahrheit, hat bald keinen allgemein verständlichen Sinn und Inhalt. Jed-Es verwendet das Wort mit einem anderen Inhalt, einer anderen Aussage und einer anderen Färbung, wenn es dann beim ander-Es ankommt, füllt Jen-Es wiederum eine ganz eigene Bedeutung ein und somit sprechen und schreiben Zwei dasSelbe Wort, meinen aber jeweils etwas fast völlig verschiedenes.

Heute las *ich beim Spaziergang durch die Berliner Glinkastrasse folgendes Schild an einem Zaun:
"Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea".
Nun, was bedeutet zumindest für die Nord-Koreaner das Wort: Demokratie?:
»EinFamilienDynastie«Für Nordkorea ist in dem Wort "Demokratie" nur die Familie Kim enthalten und viel Militär, Hunger und unerschütterliche Folgsamkeit.

Was bedeutet den Leses das Wort "Demokratie"?

Ich denke, Wir sind von der ursprünglichen Bedeutung der Demokratie, nämlich, dass Alle Bürger / MitGlieder einer Gesellschaft gemeinsam entscheiden und abstimmen, was in und mit der Gesellschaft passiert, noch ein gutes Stück entfernt.
Das waren auch die Griechen, die dieses Wort gebildet hatten. Dort galten nur Männer und nur aus wenigen Familien als die Gesellschaft (Volk), der Rest der Menschen sollte Schweigen und Folgen, also eher das heutige Nord-Koreanische Modell.

Vielleicht geht es also bei der Weiterentwicklung der Sprache eher um Entschlackung, um Reduzierung, um Verdeutlichung von Begriffen, die mehr oder weniger Alles um einen kleinen Kern herum bedeuten können. So, wie in dem Begriff Demokratie auch die EinFamilienHerrschaft steckt, als sei das Volk nur eine Familie und der Rest sind "Sklaven" und "Frauen", also nicht-stimmberechtigte Menschen.

Dass die Beschäftigung mit der Genauigkeit und dem Inhalt von Sprache, schon mit dem Aufflammen der Sprache begonnen hat, zeigt mit anderem der Platonische Dialog "Kratylos" (weiteres dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kratylos); *ich möchte aber eine neuere Auseinandersetzung damit wieder vor Sie und m*ich hinstellen, eine von zweien meiner Vorbilder, aber zuerst ein passendes Gemälde:
.
Ort des Sprachen und des Denkens
.
Zitat: »Die Hauptelemente der Sprache, die Wörter, sind es vorzüglich, die von Nation zu Nation überwandern. Den grammatischen Formen wird dies schwerer, da sie, von feinerer intellektueller Natur, mehr in dem Verstände ihren Sitz haben, als materiell und sich selbst erklärend an den Lauten haften. Zwischen den ewig wechselnden Geschlechtern der Menschen und der Welt der darzustellenden Objekte stehen daher eine unendliche Anzahl von Wörtern, die man, wenn sie auch ursprünglich nach Gesetzen der Freiheit erzeugt sind, und immerfort auf diese Weise gebraucht werden, eben sowohl, als die Menschen und Objekte, als selbständige, nur geschichtlich erklärbare, nach und nach durch die vereinte Kraft der Natur, der Menschen und Ereignisse entstandene Wesen ansehen kann. Ihre Reihe erstreckt sich so weit in das Dunkel der Vorwelt hinaus, daß sich der Anfang nicht mehr bestimmen läßt; ihre Verzweigung umfaßt das ganze Menschengeschlecht, so weit je Verbindung unter demselben gewesen ist; ihr Fortwirken und ihre Forterzeugung könnte nur dann einen Endpunkt finden, wenn alle jetzt lebende Geschlechter vertilgt und alle Fäden der Überlieferung auf einmal abgeschritten würden. Indem nun die Nationen sich dieser schon vor ihnen vorhandenen Sprachelemente bedienen, indem diese ihre Natur der Darstellung der Objekte beimischen, ist der Ausdruck nicht gleichgültig und der Begriff nicht von der Sprache unabhängig. Der durch die Sprache bedingte Mensch wirkt aber wieder auf sie zurück, und jede besondere ist daher das Resultat drei verschiedener zusammentreffender Wirkungen: der realen Natur der Objekte, insofern sie den Eindruck auf das Gemüt hervorbringt, der subjektiven der Nation, und der eigentümlichen der Sprache durch den fremden ihr beigemischten Grundstoff und durch die Kraft, mit der alles einmal in sie Übergegangene, wenn auch ursprünglich ganz frei geschaffen, nur in gewissen Grenzen der Analogie Fortbildung erlaubt. Durch die gegenseitige Abhängigkeit des Gedankens und des Wortes von einander leuchtet es klar ein, daß die Sprachen nicht eigentlich Mittel sind, die schon erkannte Wahrheit darzustellen, sondern weit mehr, die vorher unerkannte zu entdecken. Ihre Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst. Hierin ist der Grund und der letzte Zweck aller Sprachuntersuchung enthalten. Die Summe des Erkennbaren liegt, als das von dem menschlichen Geiste zu bearbeitende Feld, zwischen allen Sprachen und unabhängig von ihnen in der Mitte; der Mensch kann sich diesem rein objektiven Gebiet nicht anders, als nach seiner Erkennungs- und Empfindungsweise, also auf einem subjektiven Wege, nähern. Gerade da, wo die Forschung die höchsten und tiefsten Punkte berührt, findet sich der von jeder besonderen Eigentümlichkeit am leichtesten zu trennende mechanische und logische Verstandesgebrauch am Ende seiner Wirksamkeit, und es tritt ein Verfahren der inneren Wahrnehmung und Schöpfung ein, von dem bloß so viel deutlich wird, daß die objektive Wahrheit aus der ganzen Kraft der subjektiven Individualität hervorgeht.«
Wilhelm von Humboldt in einem Vortrag, ca. 1830 gehalten, an der Universität Berlin, überliefert in 1927 von Hugo von Hofmannsthal, in einem Aufsatz mit dem Titel: "Wert und Ehre deutscher Sprache", in den Münchener Neuesten Nachrichten.

Signifikant: Das Bewusst-Sein spricht. Das Bewusst-Sein spricht in Worten. Sprache. Welch ein Wunder!? Einfach so entstanden? Ein so mächtiges Werkzeug! Das ist doch eine Frage wert. Seit Wir Menschen sprechen, ist die Entwicklungsgeschwindigkeit sowohl der gesellschaftlichen Verhältnisse, als auch der Technik exponentiell abgehoben. Abgeflogen, oder auch Aufgeflogen! Das Körper kommt dabei kaum mehr mit. Und bremmst.
Was verständlich ist. Denn, was versteht das Körper von Sprache? Nun, Es spricht und versteht Sprache, aber wie weit reicht das, in das Körper hinein? Lesen Sie der linken Hand, wahlweise auch dem linken Knie, das Sie auch sind, einmal folgende Zeilen vor:

"Also ist der Poet wahrhaftig ein Dieb des Feuers. Er ist beladen mit der ganzen Menschheit, sogar mit den Tieren. Er muss, was er erdichtet entdeckt, fühlbar machen, tastbar, hörbar, und wenn das, was er von da unten heraufholt, Form besitzt, so gibt er es als Form; ist es formlos, dann gibt er das Formlose. - Eine Sprache finden - und wenn schliesslich jedes Wort ein Gedanke ist, dann kommt auch die Zeit einer Universalsprache! Man muss schon Akademie-Mitglied sein - mehr tot als ein Fossil -, um ein Wörterbuch zu verfassen, in welcher Sprache auch immer. Wenn Schwächlinge anfangen, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, können sie ganz schnell dem Wahnsinn verfallen! Diese Sprache wird von der Seele kommen und zur Seele gehen und alles zusammenfassen: Düfte, Töne, Farben und den Gedanken, der dem Gedanken folgt und ihn weiterführt. Der Poet bestimmt dann das Ausmass des Unbekannten, das zu seiner Zeit in der Allseele erwacht: er gäbe mehr - als die Formel seines Gedankens, als die Aufzeichnung seines Weges zum Fortschritt! Indem er das Ungewöhnliche zum Gewöhnlichen macht und alle es aufnehmen in sich, würde er in der Tat zu einem Vervielfacher des Fortschritts!".
Arthur Rimbaud in einem Brief an Paul Demeny, vom 15.Mai 1871. 

Nun kommt ein ganz persönlicher "Shitstorm", eine Verzweiflungstat, die das Selbst genauso beklagt und das Andere anklagt, wie es hilflos ist, die passenden, weil verständnisvollen und hilfreichen Worte zu finden, aber es musste mal raus, egal, ob es *mir oder Ihnen gefällt:

Signifikat: Hat die Hand diese Gedanken ergriffen, hat sie sie gar begriffen, oder sind nur Regionen im Gehirn damit befeuert worden? Was weiss der Magen von der Welt, (von) ausser was Es isst? Wo bleibt da das Bewusst-Sein? DaDa! Das Mensch denkt, aber die Gedanken reichen meist wenig weit, nur nah und sind ebenso schnell oft genug vergessen. Den besten Wünschen mangelt es fast zu 100% an Übersetzung in Körperkraft. Was weiss das mehr zu würdigen? Das Leben oder mehr das Tod? Beide leuchtet das Sprache aus. Beide schätzen das bisher wenig. Der Funktionsraum (lat. "fungi" = 'verrichten, vollbringen') der Sprache, das Denken, wird an der sehr kurzen Leine gehalten.

Ein Klärungsversuch: "Unser Gehirn scheut das Denken, weil es eine wahnsinnig energieraubende Tätigkeit ist. Wer nachdenkt dessen Grosshirnrinde verbraucht ungeheuer viel Zucker und Sauerstoff. Deshalb versucht unser Hirn, möglichst wenig nachzudenken und alles Mögliche zu automatisieren. Das ist billiger."
Prof. Dr. Gerhard Roth, in 'Der Spiegel', 2/11 (Titel: "Die zerhackte Zeit").

Zitat: "Unser" Gehirn scheut {also} das Denken?"

Was sagt "Unser" Magen dazu?
Was "unsere" rechte Arschbacke?
"Unser" GeHirn unterliegt also der geringen Versuchung wenigstens zu denken, weil das eine wahnsinnig ungeheuer raubende Tätigkeit ist, das ist billiger. Geiz ist Geil. Weniger ist mehr. Jetzt ist alles klar, oder? Warum beschneiden Wir Menschen zuerst immer die Kunst- und Bildungsausgaben?
Es ist billiger.

Und es läuft einfach alles besser (voll-)automatisch. Die Wissenschaft hat also endlich bewiesen, was den Politikern und Potentaten schon lange Recht ist, oder? Nein. Keine Schelte der Po's, Wir Menschen sind Alle schnell dabei,
!Einschränkung!: fast Alle, schnell dabei, jegliche physischen Ausgaben für den Wissenserwerb, die Fremdenerfahrung, eine Erlebniseinordnung und die Verantwortungs-Erweiterung zu begrenzen oder zurückzunehmen, wenn gespart werden muss. Bisher kommt der Eigennutz weitgehend ohne das Fremde aus. Und gespart werden muss dauernd, oder?

Es lebe die Ignoranz!
Die Frage der Bewertung stellt sich dann gar nicht. Und die Huldigung der Intuition ist vergesslich, sie vergisst, dass die Intuition zwar im Augenblick des intuitiven Handelns ohne den Verstand auskommt, das Denken aber, in der Vorbereitung des "Handelns ohne Worte", sehr wohl braucht, ohne zu Vergessen, dass in der Intuition auch mehrere Millionen / Milliarden Jahre der Erfahrung stecken.

Intuition ohne Verstand schlägt (einfach) zu.

Und das ist noch Menschenweiter Normalzustand.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Zitate 01 »Von der Mühe des Fortschritts«

Noch ein wenig zitiererei, noch ein wenig ältere Worte, die *mir entweder gefallen haben, oder die *ich, naja, daneben fand, aber von denen Manche-Es behaupten, sie seien bestimmt ganz stimmig und wichtig.
Naja, vielleicht, vielleicht auch nicht.
Und dazu meine Meinung.

---

Von Quintus Septimius Florens Tertulianus:
Aus dessen: «Certum est, quia impossibile» = "Es ist sicher, weil es unmöglich ist" (gemeint ist damit die Auferstehung von Jesus Christus), wurde im Lauf der Jahrhunderte: «Credo quia absurdum est» = "Ich glaube, weil es unsinnig {eigentl. "misstönend"} ist".
.
Damit möchte ich den Glauben nicht etwa schmähen, Nein, gar nicht, damit möchte ich darauf aufmerksam machen, was schon Tertullian (um 200 nC) wusste, aber was Er ganz anders betonte, als Oliver-August Lützenich.
Ich betone die Vernunft, werte die Erkenntnis und Logik mehr, als den Glauben, allerdings ist *mir sehr wohl bewusst, dass die Vernunft aus dem Glauben kommt, daraus die Kraft erhält und sich daraus, mit dem Segen (= der Erlaubnis!) des Glaubens, emanzipiert und zur mit-entscheidenden Grösse im DaSein wird.

Mehr dazu auch in dem Beitrag: "Entscheidungs-Fertigkeit", vom 25.12.2011.

---

Von LaoTse (etwa vor 2600 Jahren?) und auch von François-Pierre-Gonthier Maine de Biran (1766-1824): "Die Mühe schafft sich das Hindernis".
.
Soll das bedeuten: Lass alles Bemühen, alles Arbeiten, um ein Ziel fallen, lass es einfach geschehen?

In solchen "Weisheiten" steckt jede Menge Arroganz und trotteliger Besserwisserei, denn ohne Mühe hat noch nie ein-Es, auch nur einen geringsten Fortschritt erreicht. Nur durch abwarten und stillhalten, wird ein-Es bestenfalls mitgezogen, dahin, wo die Entwicklung halt so hinentwickelt, dorthin, wo die Masse ein-Es so hinschiebt.
Ich vermute aber, Selbst zu sein und Selbst ein Ziel anzustreben, braucht die Vorbereitung, die Erkundung, die Auswahl und die Anstrengung (Mühe).
Schon die Auswahl und die Formulierung einer Richtung ist Mühe.

Allerdings kann es auch sein, dass dieser Spruch nur davor warnen möchte, ein Ziel mit allzustarkem Willen, mit Trotz, oder gar Gewalt zu erreichen, denn das erschwert oder verunmöglicht selbstverständlich einen jeden Schritt.

Aber dann sagt es doch auch Bitte so, und nicht in so einem verkürzten BlaBla, also zum Beispiel so: "Verkrampftheit, Trotz und/oder auch sture Beharrlichkeit behindern, oder sogar verhindern die Erreichung jeglichen schöpferischen Fortschritts", denn damit und mit Gewalt, erreicht Jed-Es nur Leid und bestenfalls vorzeitigen Verfall.
Und das wünschen Wir doch Alle nicht.
.
Dies ist das Ergebnis einer Supernova, 
also der Explosion eines Sterns von der
vielvielvielfachen Grösse der Sonne. Wenn
wir der Astrophysik glauben schenken, dann
ist auch unser Sonnensystem, mithin also auch
wir erdmondlichen EsLebeWesen, erst durch die
Elemente entstanden, die in den letzten Zuckungen
so eines Riesensterns und der darauf folgenden Explosion
entstehen ("gebacken werden"). So ist diese Bild vielleicht eine
Zygote, also eine erste Zelle, aus der nun langsam neues EsLeben
keimt? Danke der NASA und dem Hubble-Teleskop für die Aufnahme.
.
Denn:

Italo Svevo (1862 - 1928):
«Das Leben ist weder hässlich noch schön, es ist originell».
.
So ist es.
Für Jed-Es und AllEs. Ich würde das "Leben" nur mit "EsLebendigkeit" vertauschen, dann stimmte es für Oliver-August Lützenmich, denn das Leben gibt es nur mit dem Tod; und BEIDE zusammen begründen die »EsLebendigkeit«, und um die geht es doch wohl, bei der Originalität.
So viel Genauigkeit in der WortWahl ist doch wichtig.

Übrigens: Italo Svevo heisst: "schwäbischer Italiener", warum, das finden Sie sicher hier bei Wikipedia.

---

und nun ein ganz Grosser, ein Dichter und radikaler Mensch.
.
Arthur Rimbaud: "Also ist der Poet wahrhaftig ein Dieb des Feuers. Er ist beladen mit der ganzen Menschheit, sogar mit den Tieren. Er muss, was er erdichtet entdeckt, fühlbar machen, tastbar, hörbar, und wenn das, was er von da unten heraufholt, Form besitzt, so gibt er es als Form; ist es formlos, dann gibt er das Formlose. - Eine Sprache finden - und wenn schliesslich jedes Wort ein Gedanke ist, dann kommt auch die Zeit einer Universalsprache! Man muss schon Akademie-Mitglied sein - mehr tot als ein Fossil -, um ein Wörterbuch zu verfassen, in welcher Sprache auch immer. Wenn Schwächlinge anfangen, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, können sie ganz schnell dem Wahnsinn verfallen! Diese Sprache wird von der Seele kommen und zur Seele gehen und alles zusammenfassen: Düfte, Töne, Farben und den Gedanken, der dem Gedanken folgt und ihn weiterführt. Der Poet bestimmt dann das Ausmass des Unbekannten, das zu seiner Zeit in der Allseele erwacht: er gäbe mehr - als die Formel seines Gedankens, als die Aufzeichnung seines Weges zum Fortschritt! Indem er das Ungewöhnliche zum Gewöhnlichen macht und alle es aufnehmen in sich, würde er in der Tat zu einem Vervielfacher des Fortschritts!"
Aus einem Brief an Paul Demeny, 15.Mai 1871. 

Sie kennen dieses Zitat inzwischen bestimmt, ich habe es schon verwendet, aber spüren Sie auch, wie es langsam wahr wird?
Warum haben diese Worte Arthur Rimbaud gefunden? 
Weil Sie wahr werden möchten, weil Sie anwesend sein möchten, so spüre Oliver-August Lützenich das. Diese Worte, sind die Worte des vorletzten Jahrhunderts, aber in ihnen steckt ein Drang, etwas unbändiges, das gewahr werden möchte.
Das DaSein möchte mit ALLEM DaSein in die Wirklichkeit einsteigen:
Das DaSein möchte voll bewusst DaSein.

Ein umfassend gebildetes, aufrichtiges, wahrhaftiges und verantwortungsvolles Selbst könnte das Ziel oder auch Ergebnis des DaSein?

Die Seele, von der Arthur Rimbaud schreibt, ist das gesamte Körper eines EsLebewesens, mit dem speziellen, persönlichen, also nur dieser Einzelheit im DaSein innewohnenden Inhalt.

Und nun ein wenig persönlicher Spekulation. 

Jedes EsLebewesen ist durch die Zeugung etwas Besonder-Es, etwas Ander-Es, als Alle Ander-Es, nur ein wenig, aber Immerhin und dieses kleine, aber bedeutende Etwas, ist die sogenannte "Seele", diese kleine Verschiedenheit von AllEs Anderem, die jedes EsLebewesen ist, die jedes EsLebewesen anders leuchten lässt, im Gleichklang des DaSeins.
Und das auch das DaSein zu etwas Besonderem macht, im SEIN.

Die "Seele" ist, so verstehe *ich das, eine andere Bezeichnung für das SELBST, das jedes EsLebewesen auch ist. Also für das ganz besondere EsLeben und Wirken dieses Einen DaSeins.

Jedes EsLebewesen ist eingebettet in die GleichHeit des DaSein, besteht also aus der gleichen Energie, der gleichen Materie, den gleichen Verbindungen, dem gleichen Aufbau, der gleichen Struktur, in der gleichen RaumZeit, ist ausgestattet mit den gleichen Fähigkeiten, hungert nach den gleichen Bedürfnissen, und ist eben deswegen AUCH verschieden.
.
Die Gleichung lautet:
DasSelbe = dasGleiche + Verschiedenheit; oder, in Zahlen: 100 = 99 + 1.

Vielleicht ist die Verschiedenheit etwas kleiner oder auch etwas grösser, aber viel mehr ist es bisher nicht. Bisher reichte das auch aus.
Jedes Selbst besteht somit aus einer grossen Masse GleichHeit und einer kleinen Portion VerschiedenHeit.
So auch das DaSein.

Viel SEIN und ein wenig da.
Und dieses da, hat bisher wenig zu sagen im SEIN. Es schwingt so mit. Einfach da. Mehr darf es bisher nicht Sein, weil es so wenig ist, in der Riesigen Masse.

Doch, wie auch Arthur Rimbaud spürte, ist genau diese Verschiedenheit im SEIN das Interessante, das SEIN hat quasi ein Auge darauf geworfen, so wie Wir ein Auge ins DaSein werfen. Das SEIN fördert die Verschiedenheit und pflegt sie. Zu diesem Zweck hat das SEIN das DaSein mitgegründet.
Ja, mitgegründet, denn diese Verschiedenheit ist eine Neuigkeit im SEIN. Wenn ich von Neuigkeit schreibe, dann schreibe ich von Billionen und nicht von Gestern. Bisher ist diese Verschiedenheit zwar eine NeuGierigkeit im SEIN, hat aber für und im SEIN noch keinen passenden Platz und Aufgabe erfunden.

Das DaSein hat den Auftrag danach zu suchen.

Auch in uns Menschen schlummert nun diese Aufgabe.
Sie schlummert und Wir werden sie nun erwecken, das genau besagt der Text von Arthur Rimbaud, so empfinde *ich das.
Die Frage lautet: Was fangen Wir ALLE (SEIN) mit der Verschiedenheit an.
Das Mensch ist auch vor die Aufgabe gestellt, diese Antwort zu finden.
Was soll all die gewöhnliche Kleingläubigkeit! Wir stecken in ETWAS grossem drinn, also können Wir auch gross Fragen.

Das SEIN hat, mit Ander-Em, das Mensch nicht zur Sinnlosigkeit oder zur Zerstörung entwickelt, sondern zur Findung von Antworten, also zum Suchen von passenden Fragen.
So spüre Oliver-August Lützenich das. 
Verrückt? Oder was spüren Sie?

Donnerstag, 14. Juni 2012

Die Richtung der Poesie, mit Rimbaud

Worum geht es in der Dichtung? Um die Wahrung der Bewährung, um die Behaltung der Form, um die Veränderung des Wandels. Oder geht es nur um Zeitvertreib?
Das entscheiden Sie.

Dazu ein theatralischer Monolog, den *ich bereits im Januar, im Winter, in der Düsterkeit, mit schwerem Magen geschrieben habe, den *ich aber, trotz der Sommersonne, immer noch aktuell finde und den *ich, trotz der hoffnungsfrohen Stimmung und vieler neuer Erkenntnisse, noch einmal, mit leichtesten Veränderungen, vor Sie hinstellen möchte.

Mit einer wundervollen Einleitung, die besser ist, als mein Text danach, aber diese "Demütigung" sind mir die Worte von Durs Grünbein wert, sie geben wieder, um was es, für Durs Grünbein und auch *mich, beim Schreiben, bei dem inneren und dann auch äusseren Fluss der Sprache und deren Tropfen, der Worte, AUCH geht:

Um die Selbst-Unabhängigkeit {-Freiheit} in der Geborgenheit des Mit-Einander im DaSein.
Also um die Erweiterung hin, zur weitestmöglichen Freiheit eines Jedes Selbst - MIT / in der ZusammenArbeit in der Gemeinschaft des DaSein -, somit der ZuNahme der Verantwortung des EinzelnEs für das Gesamte: das bedeutet auch die Abnahme von Vorgaben, Fremdbestimmung und Zwang durch die Natur, in Form von Prägung (Evolution) und Beharrlichkeit (Gene); und dadurch auch die Abnahme, die Dämpfung von Gesellschafts- und GruppenDruck.

Es geht darum, das Mit-Einander zu stärken, also das soziale Zusammen-daSein mit all den anderen LebeWesen zu achten und für ein friedliches und förderliches Auskommen darin mit-zu-sorgen (Ist das Verantwortung?), OHNE Jedes Selbst darin in der Entwicklung und gewünschten Ausprägung zu behindern.

Die Grundlage der Freiheit des Selbst ist ein wechselseitig aufmerksames und verlässliches Miteinander.
So fühle ich das.

Ich vermute Durs Grünbein spürt das ähnlich, hier also seine Worte, die ich einem Text entnommem habe, den Er in der FAZ veröffentlicht hat und den ich vollständig, unter dem Titel: "Dank an Durs Grünbein", hier in den Verantworten-Blog eingestellt habe: 
Hier ein Auszug daraus:

»Was ihre Gegenstände betrifft, so sind sie tatsächlich uralt und bei allem Variantenreichtum beinah stereotyp, wie es scheint. Es sind die Liebe, das Begehren, das Rätsel der Zeit, die Schocks der Erkenntnis, die einer am eigenen Leib macht - und der immer wiederkehrende Glücksmoment, sich als Teil des Universums lebendig zu fühlen. Dies drängt im Gedicht zur Sprache, koste es, was es wolle. Aber es ist das spezifische Erlebnis eines Einzelnen, das hier für Abwechslung sorgt und die Dinge von Zeit zu Zeit neu erstrahlen lässt - so noch nie zuvor angeschaut.

Heute kann ich hinzufügen: Der Dichter ist wirklich das Wesen, das seinem Leitstern folgen muss, seinem daimon, wie es in der Sprache des Sokrates hieß. Dass es ein Philosoph war, der mit dem Ausdruck auf der Rolle des Individuums beharrte, sagt uns, wie eng das Erwachen der Persönlichkeit im frühen Griechenland mit dem Erwachen des Geistes einherging. Niemand sollte sich von der später so bequemen Trennung in Dichten und Denken irremachen lassen. Besser, man geht von einer Arbeitsteilung aus, die am Ende allen zugute kommt. Der Dichter muss seiner eigenen Traumwirklichkeit folgen, nicht selten auch seiner abgründigen Psyche, wie es alle die Zerrissenen taten, die sich ins goldene Buch der Menschheit eintrugen - hier hat jeder seinen Favoriten parat. Der Dichter ist einer, der lernen musste, allein zu sein, nonkonform, keinem verpflichtet - keiner äußeren Macht, keinem höheren (religiösen oder philosophischen) Prinzip, nicht einmal einer vorherrschenden literarischen Strömung. Er wird aber, bei aller sozialen Kontaktfreudigkeit, auch dann noch der Einsiedler inmitten der Gesellschaft sein, wenn alle Religionen, alle demokratischen Ideale zu kollektiver Routine verkommen sind.
Die Unabhängigkeitserklärung der Poesie.«
.
Ein Gedicht.
Abendhimmel über B- Kreuzberg
.
.
Hier nun mein NeuronenGewitter, das im Winter über den Hals, die Schultern, die Arme, in die Hände geflossen, oder auch geschossen ist, so schnell, und zuerst auf Papier und dann Hier gelandet ist:

Die Worte fliessen und schwingen und ergeben folgendes:
Das Mensch strebt nach Vollkommenheit, mit dem Mute der Verzweiflung, obwohl -Es ahnt, dass, wenn die Vollkommenheit erreicht ist, es vorbei ist. Mit dem Streben, mit dem Mut und auch mit der Verzweiflung. Als auch mit der FREUDE, dem LEID, dem Beben und der Ereifferung.

Und das Mensch strebt nicht, weil -Es will, sondern, weil -Es muss. 
Es ist in die Spur gestellt oder auch gelegt worden, und findet aus dieser Spur bis Heute nicht hinaus. Es folgt. Es muss, weil -Es so gebaut ist. Es ist aus Bio gebaut und folgt der Biologie.
Biologismus.

Der Kapitalismus ist eine der vielen Spielarten, des Biologismus. Und der Biologismus ist eine Spielart, des DaSeins. Biologie muss leben. Lebendigkeit muss streben. Immer schön in der Spur bleiben.
Folgen Sie der, für Sie, vorgesehenen Route. Wenn Sie die Spur verlassen wollen, müssen Sie bezahlen. Aber erst einmal, müssen Sie wollen.
Müssen Sie wollen können. Sonst bleiben Sie automatisch in der Spur, denn, ohne zu wollen, gibt es kein ausser der Spur sein.
Nur DaSein, aber das ist schon Viel.
Verstehen Sie das?

Die Biologie besteht aus ? und Regeln; diese Substanz und die Regeln, mit denen sie zusammengesetzt ist und die den Rahmen der Bewegungen einhegt, macht(!) Lebendigkeit möglich und gibt eine EntwicklungsRichtung vor. Voran immer nur voran, weiter immer weiter, in der Spur.
Aber da ist etwas passiert, schon ganz am Beginn, etwas wundervolles: eine Rückkopplung.
<-Rück-Kopplung<-

Das Weiter immer Weiter, hängt am Haken mit einem sehr sehr sehr langen Seil. Nur ein Bild, aber so in Etwa ist das DaSein eingebunden. Und das Voran, immer schön Voran, ist eingebettet in ebenfalls etwas wunderbares: in Geborgenheit. Nur so ein Gefühl, aber so in Etwa ist die Lebendigkeit eingelegt, in weiche, warme Tücher (siehe dazu auch meine Bemerkungen in diesem: http://sprechlichtung.blogspot.de/2012/06/kuhkomfort-und-die-folgen.html. Beitrag)

Da ruft ein-Es (ein Mensch) aus der zweiten Reihe: "He, was kümmerts das DaSein, wenn die Lebendigkeit verreckt! Was kümmerts mich also, was das DaSein macht(!)!" Die zweite Reihe senkt die Stimme und sagt noch: "Aber gut, machen Sie nur weiter mit diesen Gedanken, vielleicht hilfts ja was." Wenn ein-Es stirbt, ist das DaSein ungerührt, ja; wenn das DaSein stirbt, sind Wir, die Lebendigkeit, berührt. Was machen Wir aus der Tatsache, dass Wir in der Welle sind, dass Wir die Welle sind, aber die Welle das Einzelne nicht kümmert? Wir reiten auf oder in der Welle, aber die Welle bricht, wenn Wir unaufmerksam sind und bleiben, völlig ungerührt über Uns herein und herüber, und begräbt Uns zu Tode und rollt mit Uns aufgeschäumten Ehemaligen platschend an den Strand und Wir enden zwischen dem Sand platzend oder zerstäuben an nacktem Fels. "Genug der Bilder!", ruft ein-Es aus der dritten Reihe und fordert: "Klarheit!"

So laut! Als sei es so einfach Milliarden Jahre und Billionen mal Billionen mal Billionen Ereignisse einfach so vorzustellen, vor Uns. So VIEL! So ungeheuer Viel! Ohne die warmen, weichen Tücher zu verlassen und die Absicherung zu kappen. Ich sehe doch nichts, mit alle der Verpackung rundherum, und mit dem starren Blick zurück! Ich? Wer ist dieses Ich? Was ist dieses Ich?
Ich. 

Da greift die Antwort das Einzelne an und fordert -Es auf zu präzisieren. Präsent zu sein. Aus dem Wir auszusteigen, vor das Ich zu gehen. Los, sagt das DaSein, gehen Sie weiter, als nur Ich zu sein, vielleicht können Sie dann auf der Welle reiten und abspringen, bevor sie am Strand zerschellt. "Das DaSein als Welle!", ruft ein-Es von Hinten und von Vorne kommt der Ruf: "Das DaSein ist eine Riesen-Welle!". Von Hinten folgt der Schrei: "Aber da ist mehr! Da muss mehr Sein, als eine Welle. Worin wellt sie, die Welle und worauf wellt sie zu, die Welle?
Los geben Sie eine Antwort!

Dann bin Ich vielleicht bereit, vor das Ich zu treten, und Selbst zu sein.". Von Vorne haucht eine Stimme: "Ja, da ist Mehr. Mehr als Wir, mehr als das Lebendigkeit-Sein und grösser, als das DaSein.".
"Phantasie!", ruft ein-Es aus der Mitte und geht nach weiter Hinten: "Alles blosse Phantasie! Und wer zahlt meine Steuern!? Na los, sagen Sie schon! Ich muss schliesslich meine Kinder auf die Schule schicken und das kostet nicht wenig! Ja, Ich!"
Solange Wir das Ich nicht vom Selbst lösen, bleibt es beim ich und so, wie es ist.
Ist Ihnen gut, ist Ihnen gut, so wie Es ist? Ja. Dann ist es ja gut, aber spüren Sie mal ein wenig über-s ich hinaus, ist Ihnen dann immer noch gut?
Aufmerksamkeit lohnt, ist aber fordernd, fordert Veränderung und Was will das schon?
Ich.
.
-------)
.
Das folgende Gedicht ist eine völlig unpassende NachStimmung auf den obigen Beitrag, weil es wieder meine Worte klein macht, trotzdem und egal, aber zuerst ein Foto des Dichters:
.
Arthur Rimbaud
.
Titel: GENIUS
Er ist die Güte und Gegenwart, weil er das Haus der schäumenden Woge des Winters geöffnet, der summenden, schäumenden Woge des Sommers, und gekältert den Wein und gebacken das Brot - er, der die Anmut entfliehender Gegenden ist und der übermenschliche Reiz einer Rast.
Er ist Güte und Zukunft, Liebe und Kraft, und wir, aufrecht im Schmerz und im Zorn, wir sehen ihn am Sturmhimmel fliegen und im flammenden Fahnenwald der Ekstase.
Er ist die Liebe, das wieder gefundene, vollkommene Mass, die unerwartet entdeckte, wunderbare Vernunft, ist ewige Dauer: das geliebte Vermögen jeder schicksalhaften Substanz. Wir alle stockten, erschrocken vor dem, was ihm und uns zuerkannt war:
O Wonnen der Gesundung, das Feuer unserer Gaben, die Selbstsucht der Liebe und die Leidenschaft - für ihn, der uns liebt sein ganzes unendliches Leben ...
Und wir rufen ihn wieder zurück, und er auf Wolken und Wegem ... Und weit tönt seine Verheissung, wo die Gebete endlich verhallen: »Werft diesen Aberglauben ab, diese uralten Leiber, das Leben in dieser Gemeinschaft: denn das ist die Zeit, die untergeht!«.
Arthur Rimbaud, 1895, aus den "Poésies complètes".

Wundervoll, und den damaligen RaumZeit-Bedingungen weit voraus, sogar Heute noch. Ich habe hier auch eines seiner Poeme zur Sprache eingestellt: Aufregend, Phantastisch! Ein Mensch von Heute, der viel zu früh gestorben ist, vielleicht auch, weil Er in diese RaumZeit nicht passte, in die Er hineingezeugt, hineingestelt wurde? Dickes Fragezeichen, weil ich nicht weiss, ob diese "ZuFrüh-Geborenen" nicht vielleicht wichtige Keime sind, die eine Entwicklung einleiten, sie vielleicht erst auslösen und lenken. Arthur Rimbaud, mir ganz wichtig, ein Leitstern.
Danke!

Freitag, 20. April 2012

Sprachblasen

Die Sprache braucht Veränderung.
Sie braucht Veränderung ebenso, wie ALLES Andere ebenso in Veränderung ist.
Eine platte "Weisheit": DaSein ist stetes AndersSein. Was ich eben war, bin ich Jetzt nicht mehr, oder wie Franz Beckenbauer mal gesagt hat (und er hat es auch nur übernommen): "Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern". Klar, die Sprache ist in Veränderung, Heute gibt es Wörter und Wortzusammenstellungen, die vor/in ? Jahren kaum Eines verstehen würde, aber ... Es gibt immer ein Aber.
Aber, ist das die richtige Richtung? Immer mehr Bedeutungen und Farben in ein und dasSelbe Wort zu packen (siehe dazu auch den Beitrag: "Die Freiheit der Liebe", vom 02. März 2012)? Und somit, wie ich meine, die Worte zu entsozialisieren. Ein Wort wie: Wahrheit, hat bald keinen allgemein verständlichen Sinn und Inhalt. Jedes verwendet das Wort mit einem anderen Inhalt, einer anderen Aussage und einer anderen Färbung, wenn es dann beim Anderes ankommt, füllt Das wiederum eine ganz eigene Bedeutung ein und somit sprechen und schreiben Zwei dasSelbe Wort, meinen aber etwas völlig verschiedenes.
Heute lass ich beim Spaziergang durch die Berliner Glinkastrasse folgendes Schild an einem Zaun: "Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea". Nun, was bedeutet zumindest für die Nord-Koreaner das Wort: Demokratie?: »EinFamilienDynastie«Für Nordkorea ist in dem Wort "Demokratie" nur die Familie Kim enthalten und viel Militär, Hunger und unerschütterliche Folgsamkeit.
.
Was bedeutet Ihnen das Wort "Demokratie"?
Ich denke, Wir sind von der ursprünglichen Bedeutung der Demokratie, nämlich, dass Alle Bürger/MitGlieder einer Gesellschaft gemeinsam entscheiden und abstimmen, was in und mit der Gesellschaft passiert, noch ein gutes Stück entfernt. Das waren auch die Griechen, die dieses Wort gebildet haben. Dort galten nur Männer und nur aus wenigen Familien als Volk, der Rest der Menschen sollte Schweigen und Folgen, also eher das Nordkoreanische Modell. Vielleicht geht es also bei der Weiterentwicklung der Sprache eher um Entschlackung, um Reduzierung, um Verdeutlichung von Begriffen, die mehr oder weniger Alles um einen kleinen Kern herum bedeuten können. So, wie in dem Begriff Demokratie auch die EinFamilienHerrschaft steckt, als sei das Volk nur eine Familie und der Rest sind "Sklaven" und "Frauen", also nicht-stimmberechtigte Menschen.
.
Das die Beschäftigung mit der Genauigkeit und dem Inhalt von Sprache, schon mit dem Aufflammen der Sprache begonnen hat, zeigt mit anderem der Platonische Dialog "Kratylos"; ich möchte aber eine neuere Auseinandersetzung damit wieder vor Sie und mich hinstellen, eine von einem meiner Vorbilder, aber zuerst ein passendes Gemälde:
.
Mark Rothko, "Entombment II"
.
Signifikant: Das Bewusst-Sein spricht. Das Bewusst-Sein spricht in Worten. Sprache. Welch ein Wunder!? Einfach so entstanden? Ein so mächtiges Werkzeug! Das ist doch eine Frage wert. Seit Wir Menschen sprechen, ist die Entwicklungsgeschwindigkeit sowohl der gesellschaftlichen Verhältnisse, als auch der Technik exponentiell abgehoben. Abgeflogen, oder auch Aufgeflogen! Das Körper kommt dabei kaum mehr mit. Und bremmst.
Was verständlich ist. Denn, was versteht das Körper von Sprache? Nun, Es spricht und versteht Sprache, aber wie weit reicht das, in das Körper hinein? Lesen Sie der linken Hand, wahlweise auch dem linken Knie, das Sie auch sind, einmal folgende Zeilen vor:
.
"Also ist der Poet wahrhaftig ein Dieb des Feuers. Er ist beladen mit der ganzen Menschheit, sogar mit den Tieren. Er muss, was er erdichtet entdeckt, fühlbar machen, tastbar, hörbar, und wenn das, was er von da unten heraufholt, Form besitzt, so gibt er es als Form; ist es formlos, dann gibt er das Formlose. - Eine Sprache finden - und wenn schliesslich jedes Wort ein Gedanke ist, dann kommt auch die Zeit einer Universalsprache! Man muss schon Akademie-Mitglied sein - mehr tot als ein Fossil -, um ein Wörterbuch zu verfassen, in welcher Sprache auch immer. Wenn Schwächlinge anfangen, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, können sie ganz schnell dem Wahnsinn verfallen! Diese Sprache wird von der Seele kommen und zur Seele gehen und alles zusammenfassen: Düfte, Töne, Farben und den Gedanken, der dem Gedanken folgt und ihn weiterführt. Der Poet bestimmt dann das Ausmass des Unbekannten, das zu seiner Zeit in der Allseele erwacht: er gäbe mehr - als die Formel seines Gedankens, als die Aufzeichnung seines Weges zum Fortschritt! Indem er das Ungewöhnliche zum Gewöhnlichen macht und alle es aufnehmen in sich, würde er in der Tat zu einem Vervielfacher des Fortschritts!".
Arthur Rimbaud in einem Brief an Paul Demeny, vom 15.Mai 1871. 

Nun kommt ein ganz persönlicher "Shitstorm", eine Verzweiflungstat, die das Selbst genauso beklagt und das Andere anklagt, wie es hilflos ist, die passenden, weil verständnisvollen und hilfreichen Worte zu finden, aber es musste mal raus, egal, ob es mir oder Ihnen gefällt:

Signifikat: Hat die Hand diese Gedanken ergriffen, hat sie sie gar begriffen, oder sind nur Regionen im Gehirn damit befeuert worden? Was weiss der Magen von der Welt, (von) ausser was Es isst? Wo bleibt da das Bewusst-Sein? DaDa! Das Mensch denkt, aber die Gedanken reichen meist wenig weit, nur nah und sind ebenso schnell oft genug vergessen. Den besten Wünschen mangelt es fast zu 100% an Übersetzung in Körperkraft. Was weiss das mehr zu würdigen? Das Leben oder mehr das Tod? Beide leuchtet die Sprache aus. Beide schätzen das bisher wenig. Der Funktionsraum (lat. "fungi" = 'verrichten, vollbringen') der Sprache, das Denken, wird an der sehr kurzen Leine gehalten.
.
Ein Klärungsversuch: "Unser Gehirn scheut das Denken, weil es eine wahnsinnig energieraubende Tätigkeit ist. Wer nachdenkt dessen Grosshirnrinde verbraucht ungeheuer viel Zucker und Sauerstoff. Deshalb versucht unser Hirn, möglichst wenig nachzudenken und alles Mögliche zu automatisieren. Das ist billiger."
Prof. Dr. Gerhard Roth, in 'Der Spiegel', 2/11 (Titel: "Die zerhackte Zeit").
.
"Unser" Gehirn scheut also das Denken?
Was sagt "Unser" Magen dazu? Was "unsere" rechte Arschbacke? "Unser" GeHirn unterliegt also der geringen Versuchung wenigstens zu denken, weil das eine wahnsinnig ungeheuer raubende Tätigkeit ist, das ist billiger. Geiz ist Geil. Weniger ist mehr. Jetzt ist alles klar, oder? Warum beschneiden Wir Menschen zuerst immer die Kunst- und Bildungsausgaben? Es ist billiger.
.
Und es läuft einfach alles besser (voll-)automatisch. Die Wissenschaft hat also endlich bewiesen, was den Politikern und Potentaten schon lange Recht ist, oder? Nein. Keine Schelte der Po's, Wir Menschen sind Alle schnell dabei,
!Einschränkung!: fast Alle, schnell dabei, jegliche physischen Ausgaben für den Wissenserwerb, die Fremdenerfahrung, eine Erlebniseinordnung und die Verantwortungserweiterung zu begrenzen oder zurückzunehmen, wenn gespart werden muss. Bisher kommt der Eigennutz weitgehend ohne das Fremde aus. Und gespart werden muss dauernd, oder? Es lebe die Ignoranz! Die Frage der Bewertung stellt sich dann nicht. Und die Huldigung der Intuition ist vergesslich, sie vergisst, dass die Intuition zwar im Augenblick des intuitiven Handelns ohne den Verstand auskommt, das Denken aber, in der Vorbereitung des "Handelns ohne Worte", sehr wohl braucht, ohne zu Vergessen, das in der Intuition auch mehrere Millionen/Milliarden Jahre der Erfahrung stecken.
Intuition ohne Verstand schlägt zu.