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Mittwoch, 26. Juni 2013

Ein-Halten!

Wissen Sie, das ein-Es manchmal der Wortspeicher überläuft?

Da ist dann so viel in kurzer RaumZeit hineingesteckt worden, dass darin ein heilloses Durcheinander herrscht und wegen der Entropie und weil ein-Es keinen Deckel mehr findet, der gross genug wäre, um den Wortspeicher noch zu verschliessen, krümeln und hüpfen Worte, ja sogar ganze Sätze aus dem WortSpeicher hinaus und mitten hinein in die Aufmerksamkeits-Krümmung, genannt Bewusst-Sein.

Einfach so hinaus und hinein in den momentanen Ablauf. Und Sie wissen bestimmt auch, manchmal ist da auch eine seltsame und ganz selten auch eine seltene Blüte dabei, eine schöne Blüte, eine die passt. Passt, auf ein Ereignis, die ein Ereignis, ein Erlebnis kommentiert, es verständlicher macht oder ganz ganz selten, sogar eine Blüte aus der Zukunft, ein paar Worte der Vorausschau.
Aber die finde ich gerade nicht.

Was ich gefunden habe, ist ein wenig Wichtiges oder auch viel Gezappel, aber allemal wert zumindest einmal kurz hinzulesen und nachzuüberlegen, ob vielleicht sogar was drinn ist, was zu brauchen ist, um besser zu verstehen, was so läuft.
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Vielleicht hatte Nietzsche unrecht?
Weil ohne Stopp wäre keine Form, sondern nur SEIN.

Philosophen an die Frontscheibe.
Und Gott ist auch hier in den Beiträgen dieser Blogs fast allgegenwärtig, *ich hätte es gar nicht geglaubt (Sie wissen ja, was ich darein fülle), wenn mich ein-Es gefragt hätte, ob *ich Gott öfter mal in meine Zeilen einfüge, hätte *ich als weder religöser noch atheistischer Mensch geantwortet: wenig, selten auf jeden Fall, aber zur Sicherheit habe *ich mal in meinen Blogs "gegoogelt", gesucht halt, und *ich habe jede Menge Beiträge mit Gott gefunden, *ich war bass erstaunt!? 

Und dachte ganz kurz: "Um Gottes willen!?" - da fällt mir auch der Schopenhauer-Spruch wieder ein, Sie kennen ihn vielleicht auch: "Gäbe es einen Gott, müssten Wir nicht an Ihn glauben", hihihi -, aber wirklich nur ganz kurz, dann reichte mein Blick wieder weiter und ich blickte zurück, in die Richtung der Vergangenheit und mir war klar, woher dieser Gott herkommt.
Egal.

IrgendWas gebot dem 'Treiben' im SEIN einHalt, 'rief' - von mir aus auch - "Stopp!" und schon war das DaSein entstanden, wenn auch nur WenigEs im SEIN diesem Ruf folgte, aber, Die die diesem Rufen folgten, folgen bis Heute, müssen Folgen, weil sonst ist ja wieder ALLES lose und das ist auch blöd, weil, wenn ALLES nur lose ist, ist ja Nichts fest und dann ist das lose SEIN irgendwie und irgendwo auch langweilig, also muss auch manchmal Etwas Fest sein.

Sie können das nun für Philosophie halten oder nur für Blödsinn, beides findet einen Platz im Ablauf der Gerechtigkeit, weil, wenn das Eine kippt, braucht Es das AnderEs damit Es wieder aufgerichtet wird, wofür wäre die Gerechtigkeit sonst gut, wenn nicht, um auf zu richten, was schief ist, oder hatten Sie vom Recht etwas anderEs erwartet, aber Sie wissen ja, wie das mit den Erwartungen so ist, in 99 von 100 Fällen liegen die Erwartungen schief, weil darin so wenig Bewegung zu erfinden ist, in den Erwartungen und deshalb hat das SEIN die Erwartungen auch ins DaSein verschoben, weil da können Sie fast unbegrenzt ein halten, eingehalten werden, die Erwartungen, bis das SEIN wieder erwarten mal wieder Stopp ruft. Wie eben Jetzt:
STOPP!
...
...
...
Genug, und weiter ...

Samstag, 4. Mai 2013

Europa erLeben

Kann eine Gross-Gemeinschaft, wie Europa eine "ist", als einzelne "Persönlichkeit" betrachtet werden, als irgendwie fassbare "Einzelheit / Besonderheit", als Verschiedenheit von anderen Gross-Gemeinschaften, also von sehr grossen Ansammlungen von Menschen, mit irgendeiner diese Gross-Gemeinschaft ein- / beschränkenden Gemeinsamkeit?

Z. B. ein gemeinsames KennZeichen: das ist typisch Europäisch?
Schwer. Welche Kriterien nimmt Mensch dafür her, es ist ja schon bei kleineren Gemeinschaften mühsam Kriterien zu [er]finden, die alle MitGlieder dieser Gemeinschaft gemeinsam treffen. Das kann also bei Ansammlungen von bis zu hunderten Millionen Menschen und mehr erst recht nur (fast?) unmöglich sein.

Allerdings! Wenn Mensch die Ergebnisse der Psychologie und der Soziologie, auch der Biologie und der Neurologie nimmt, ist es Selbst für eine Einzelheit Mensch fast unmöglich klare, also eindeutige Verschiedenheiten zu anderen einzelnen Menschen zu benennen. Die Rede ist von Verschiedenheiten, die tiefer reichen, die also durch die Oberfläche hineingehen. Denn, die Grund-Ausstattung ist bei Allen Menschen fast identisch, die Entwicklungen gehen Alle in die GLEICHE (also in nur wenig verschiedene) Richtungen. Weltweit.
Also ist Europa als Gross-Gemeinschaft auch irgendwie fassbar.
Nur wie und mit welchen Kriterien?

Was trifft auf Alle Europäer zu? Und dabei geht es selbstverständlich nicht um biologisch-materielle Kennzeichen, die sind bei allen Menschen GLEICH (also nur sehr gering verschieden), sondern es geht um deutliche Gefühls- und somit Handlungs-Unterschiede, um die Verschiedenheiten beim Bewerten und "AbArbeiten" (Verhalten) des persönlichen und gemeinschaftlichen DaSein.
Hier wird also Europa auf die Couch gelegt.
Bisher nur eine Phantasie?
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Eine Belgische Volkstanz-Gruppe
tanzt auf dem Berliner
Gendarmenmarkt
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Aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 04.05.2013.
Julia Kristeva im Gespräch mit Olivier Guez

Hier die WebSeite von Frau Kristevahttp://www.kristeva.fr/
Und hier was Wikipedia zu Ihr schreibt: http://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Kristeva

Titel: Sprich über deine Schatten
Untertitel: Ohne Traumabewältigung keine Erfolge. Wäre Europa ein Patient und würde sich auf die Couch legen, bekäme es von der Psychoanalytikerin die Leviten gelesen.

Das Original mit Fotos und Kommentaren darin finden Sie hier: 

FAZ: Julia Kristeva, stellen wir uns einmal vor, Europa klopfte an die Tür Ihres Behandlungszimmers und legte sich auf Ihre Couch. Was würden Sie diesem seltsamen Patienten sagen, dessen Enttäuschungen sich in letzter Zeit häufen?

Julia Kristeva: Ich würde zuerst einmal versuchen, ihn {*ich bin nicht sicher, ob es ein Übersetzungsfehler ist, oder eine Unachtsamkeit, aber Europa ist ein Gemeinwesen, das aus Menschen aller Geschlechter besteht, also verdient es auch so benannt zu werden: Es ...} zu bewegen, über seinen verborgenen Schatten zu sprechen, diese moderne Version der Erbsünde. Europa leidet unter den Verbrechen, die es  {... da ist Es ...} begangen hat. Als man Europa nach dem Krieg aufzubauen begann, ließ man Vergangenheit und Erinnerung bewusst beiseite. Deshalb erwähnen die Römischen Verträge von 1957 weder die Kultur noch die Geschichte. Man wollte den Kontinent wieder aufbauen, indem man seine Vergangenheit verdrängte, weil man hoffte, einen funktionalen homo oeconomicus erschaffen zu können.

FAZ: Für die fünfziger Jahre stimme ich Ihnen zu. Aber seither hat man in Europa eine konsequente Erinnerungsarbeit geleistet ...

{Europa hat noch nicht getrauert. Einzelne, Wenige haben getrauert, aber Europa nicht. Ja, ein Europa hat konsequente Erinnerungsarbeit geleistet, heisst: Viele Europäer, aber nicht Europa. So ist das nun mal. Und so lange die Menschen als Gemeinschaft nichts von den Verheerungen und den tiefen Wunden der Vergangenheit wissen und vor allem auch nicht wissen, wie diese Verletzungen und Wunden zu heilen sind, wird es nicht geschehen. Einzelne mögen es für-s ich geschafft haben, aber Sie sind Solitäre in einem Me[e/h]r an Menschen, die weiterhin in einer dauerhaften Krisenhaftigkeit "üb"erLeben, ohne deren Ursachen zu erkennen, oder gar davon zu wissen, denn das Überleben ist einfach[er].
Die konsequente ErinnerungsArbeit und die Trauer kosten Kraft und Mühe, manchmal weit über die Kraft und die Mühe und Sorge, die bereits die Bewältigung des alltäglichen ErLebens verbraucht, aber es lohnt, denn der Lohn sind eine enorme Erweiterung der Freiheit, der persönlichen und allgemein anerkannten Souveränität, ein wesentlich stabilerer Stand und damit eine Zunahme der FREUDE, wie Es LEIDer nur mit der AufWendung dieser Kraft und Mühe zu finden ist. Aber sicher kennen Sie doch Friedrich Wilhelm Nietzsche und damit auch seinen 8. Satz aus der 'Götter-Dämmerung': "Aus der Kriegsschule des Lebens. - Was mich nicht umbringt, macht mich stärker". Die wesentlich weniger militaristische, vor allem begründete Version - denke *ich wenigstens -, steht darüber.
Es kommt *mir mehr und mehr so vor, um den ersten Absatz wieder aufzugreiffen, als würden wir Menschen, wie alle irdischen Lebewesen - also ist das völlig normal, ja, natürlich -, bestenfalls überleben bisher, immer nächst einer Krise und allermeist in Überforderung.
Das ErLeben, vermute Oliver-August Lützenich, braucht Würde und Sinn.
Würde stammt vom althochdeutschen 'wirdi' = "einen Wert haben", und wird heute vom Duden so formuliert: "Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt". Na, wo ist denn dieser Wert, wenn wir Einander immer noch andauernd misshandeln? Ohne die weltweiten Konflikte mit Massen an Verletzten und Toten besonders auszuführen, sondern nur in Europa zu bleiben: Wie misshandeln Wir hier "fremde" Menschen? Wie, sogenannte Minderheiten? Wie, die Männer die Frauen? Warum sind die Wohlfühl- und Freiheits-Unterschiede so enorm, wieso gibt es Arbeitslosigkeit, obwohl so viel zu tun ist, und wieso Obdachlosigkeit? Und wie (miss-)behandeln Wir sogar engste Angehörige (Kinder, Eltern) und Freunde / Kollegen heimlich, meistens unbewusst; und wie behandeln Wir endlich auch uns Selbst (Atmen, Trinken, Essen, Schlafen, Bewegung, Arbeit, Beziehungen?
Wo ist der Sinn dieses DaSein?
Sinn und sinnen stammen von der indoEuropäischen Wurzel: 'sent' = "eine Richtung nehmen, eine Fährte suchen", zu mittelhochdeutsch: 'sent' = "gehen, reisen, streben, begehren" oder auch zu lat. 'sentire' = "fühlen". Nun, was fühlen Wir denn Heute? Wohin geht die Reise denn? Was führen Wir denn so im Sinn? Vom Einzelnes bis zur Gross-Gemeinschaft, die Wir hier im Westen von Asien, als Europa bezeichnen.
Was ist des Europä-Es Sinn?
Sagen Sie zuRecht, das will doch k[aum]ein-Es wissen, das braucht's doch gar nicht, diese Intensität der ErLebens-Erkundung und Bewusstheit?
Na, dann weiter im Text}

Julia KristevaIch denke, heute ist die Verdrängung zwiespältig. Gewiss, Intellektuelle und Wissenschaftler haben eine bemerkenswerte Analysearbeit geleistet. Aber dieses Wissen hat man nicht ausreichend an die Massen weitergegeben. Einige Länder - und ich denke da natürlich in erster Linie, aber nicht allein an Deutschland - haben sich mutig über ihre Vergangenheit gebeugt.
Aber Europa als solches, als Ganzes, hat sich nicht ernsthaft mit seiner Geschichte auseinandergesetzt. Ich denke da nicht nur an die Schoa. Ich denke an die Inquisition, an die Pogrome, an den Kolonialismus, an den Machismo oder an die Kriege, die für den Kontinent verheerend gewesen sind und sich über die ganze Welt ausgebreitet haben. Solange dieser verborgene Schatten nicht erforscht und einer Kritik unterzogen worden ist, wird Europa nicht vorankommen, sondern ist sogar dazu verdammt, Rückschritte zu machen.

FAZ: Inwiefern könnte solch eine Erinnerungsarbeit dem heutigen Europa helfen, aus der Sackgasse herauszukommen, in der es sich gegenwärtig befindet?

Julia KristevaEin Patient, der Misserfolge anhäuft und dem es schlechtgeht, muss seine manischen Neigungen und seine Depression erkennen. Wenn der „Kranke“ seine Fehler und Mängel im Rahmen einer Erinnerungsarbeit erkennt, kann er wieder einen gewissen Stolz entwickeln und besser mit der Welt interagieren.
So erhält er die Möglichkeit, seinen narzisstischen Bruch zu heilen, seine Schwächen zu erkennen, Haltung zu gewinnen und voranzukommen, also wiedergeboren zu werden. Europa befindet sich heute im Blick auf seine Berufung in einer Krise, weil es nicht weiß, was es ist, und weil es ihm nicht gelingt oder weil es nicht versucht, seine Identität genauer zu definieren. Aus diesen Gründen ist Europa auch nicht fähig, seine doch immerhin beachtlichen Trümpfe auszuspielen. Es lässt sich nur tastend auf die Globalisierung ein, weil es sich selbst nicht genau kennt.

{Da fällt mir ein Satz von Søren Kierkegaard (1813 - 1855), aus den Tagebüchern (1834 - 1855) ein: "Es ist ganz wahr, was die Philosophie sagt, dass das Leben rückwärts verstanden werden muss. Aber darüber vergisst man den andern Satz, dass Es vorwärts gelebt werden muss."
Ja, es ist ziemlich schwer die "Blickrichtung", besser vielleicht: die Gefühls-aus-Richtung, von der Vergangenheit auf den Augenblick zu richten, den ein-Es gerade erlebt oder auch erleidet, noch gar nicht mal auf die Zukunft, nur mal ganz und gar Hier und Heute und Jetzt Da zu sein, ohne die Vergangenheit dabei zu vergessen, aber davon im Gefühl und Gespür gelöst zu sein. Das ist ziemlich schwer. Das braucht eine Menge Aufarbeitung, das braucht jede Mengen-Aufarbeitung, die zu leisten ist, aber bisher bleibt der Menge die Aufarbeitung noch weitgehend erspart, oder wird der Menge vorenthalten, wie ich das empfinde.}

FAZ: Wir stecken also mitten in einer Identitätskrise . . .

Julia KristevaEuropa ist etwas, das erlitten und gewählt wird. Es zerfällt in Stücke, aber andererseits ist es auch die Quintessenz der Welt. Das gilt es zu erkennen. In unserer multipolaren Welt besitzt jeder „Block“ eine starke Identität: China, die Vereinigten Staaten, die arabische Welt - nur Europa nicht. Die europäische Identität ist komplex, fast flüchtig, in ständiger Bewegung und vielköpfig. Ein Kaleidoskop. Aber diese europäische Vielfalt muss als Reichtum verstanden werden. Aus New York oder Peking betrachtet, gleicht Europa einem Blumenstrauß. Den einzelnen Blumen dieses Straußes fällt es schwer, die Einheit zu erkennen, zu der sie sich verbinden, vor allem weil das Wesen dieses Straußes nicht zum Gegenstand echter Aufmerksamkeit gemacht wird.

{Ganz wunderbar formuliert. Meine volle Zustimmung. Ich bin gerne eine bunte Facette in einem vielfarbigen und vielduftenden Bouquet der irdischen Lebendigkeit, da insbesondere der menschlichen Lebendigkeit. Ohne die europäische Identität dabei überzubewerten, aber auch nicht unter, weil *ich nun mal hier hineingezeugt und ausgeformt (geprägt) worden bin, aber das ist kein entscheidender Wert, sondern nur eine Marke: Europäisch.}

FAZ: Wie kann man dem „europäischen Blumenstrauß“ helfen, sich besser zu erkennen?

Julia KristevaDas Problem liegt darin, dass ein Patient wie das gegenwärtige Europa in der Regel nicht zum Analytiker geht. Er ist hyperaktiv, er sucht nach Ausreden, schiebt Dinge auf die lange Bank, begnügt sich mit Trugbildern, mit Projektionen seiner selbst, um zu vermeiden, dass seine Konturen sich schärfer abzeichnen.

FAZ: Nehmen wir einmal an, man zwänge diesen widerspenstigen europäischen Patienten, Sie zu konsultieren.

{"... zwänge ..." So sind Wir noch in Massen, Wir zwingen noch lieber, als mit Freude und guten Vorteilen zu winken und so den Menschen zu locken. Meistens wird "überzeugt" oder gar zum Glück gezwungen, was nie zur Freude desJenig-Es ist, was "unter" der Zeugung ist oder zu einem "Glück" gezwungen wird, was allenfalls ein wenig Erleichterung ist, aber wahrlich keine wirkliche Freude. Denn die Freude kommt ohne "über-" und auch ohne "unter- und erst recht ohne Zwang aus, aber so sind Wir halt noch in Massen, da wird immer zuerst zum Zwang gegriffen, weil einfach noch die guten Argumente und vor allem die Beweise fehlen, dass der Ausweg aus der KleinTierHaltung nur das Ablegen des Zwangs und des Ober und Unter, also der (allerdings: natürlichen) Hierarchien ist, und eben jede Menge geprüftes Fakten-Wissen vom DaSein (also vom Glauben, vom Wunsch und vom - Haben - Wollen weitgehend befreit), was wiederum dem Wachstum des Vertrauens hilft, und das Vertrauen ist doch wohl mit das wichtigste Argument für die Freude am DaSein.
Und in diesen alten Schuhen des Zwingens (zum "Glück") läuft auch Frau Kristeva noch herum, denn Sie widerspricht dem Zwang nicht, sondern nimmt den Zwang auf und fängt Ihrerseits zu "drängen" an.}

Julia KristevaIn diesem Fall würde ich ihn drängen, sich über seine kulturelle Identität zu beugen. Auf meiner Couch müsste Europa sich, wie gesagt, fragen, was es ist und wohin es geht. Europa hat nicht verstanden, dass seine kulturelle Identität eine außergewöhnliche Chance darstellt. Sein Heil hängt davon ab, dass es an dieser Identität festhält. Der Analytiker muss versuchen, diese in ständiger Bewegung befindliche europäische Identität zu zeichnen. Das ist der entscheidende Mangel, unter dem das heutige Europa leidet, obwohl genau dies die unverzichtbare Voraussetzung seiner „Auferstehung“ und seines Aufblühens wäre.

{Vielleicht noch ein wenig zuviel Bibelkunde ("Heil" und "Auferstehung"), ein wenig zuviel Gläubigkeit, denn vielleicht kommt dieser Zwang, dieses "ewige" Drängen, ja aus dem Glauben, also aus jeder Religiosität? Kann aber auch sein, dass *ich da falsch liege und zwei Bereiche miteinander verquicke, die nicht ineinander liegen, sondern nebeneinander, aber sich damit auch beeinflussen, Zweifel sind auf jeden Fall angebracht.
Aber die Richtung, die Frau Kristeva da weist, gefällt mir auf jeden Fall: Europa hat viele Vorteile zu bieten, ist voller handelndem Interesse am DaSein, weit hinaus aus dem ganz persönlichen Mensch-Sein, bis an die Grenzen des DaSein, auch tief hinein, in das je persönliche Mensch-Sein und ebenso in jede der vielen Richtungen der RaumZeit, das ist auf jeden Fall eine Tugend, die die Freiheit erweitert und auch das Einzelne zunehmend stärkt und somit wohl auf kürzere (mittlere? Das hängt wohl von der Ernsthaftigkeit der Aufkärung ab, die Wir einander gönnen) Dauer aus den bisherigen Zwängen und Drängen, das aus der Vergangenheit und Unserer gemeinsamen Herkunft stammt, das Einzelne entlässt. Die Selbst-Befreiung IN die Selbst-Gemeinschaft ist wohl das grösste Glück, das ein Lebewesen im DaSein erleben kann? Zweifel angebracht, aber wohl eher wegen der fehlenden Adjektive vor dem jeweiligen Selbst-. Aufmerksamkeit, wäre wohl so eine Eigenschaft, die dem Selbst gut tun würde, oder auch Hilfsbereitschaft, aber vor allem - das ist ja nun der Titel dieses Blogs - die Verantwortung für das Handeln und dessen Folgen, die wohl jedes Selbst, ob einzeln-Es oder Gemeinschaft, in Vollendung braucht, um das pure Glück zu erleben, welches fast nur aus FREUDE gespeist wird, somit nur wenig LEID mit bringt, worin eben auch immer "Glück" zu [er]finden ist.}

FAZ: Wie könnten Sie vorgehen?

Julia KristevaWie gesagt müsste man ihn zunächst einmal dazu bewegen, seine Vergangenheit, seine Verbrechen und seine Sackgassen zu erkennen ...

{Vor allem gilt es zu klären - und zwar in alle Richtungen der Forschung, also neben der reinen Tatsachenauflistung in der RaumZeit-Achse namens Geschichte, auch in unsere biologische und soziale Grundausstattung (Triebe!) - warum wir Europä-Es so handelten, wie Wir handelten, denn, vielleicht konnten Wir ja nicht anders, als so vorzugehen, bei einer entsprechenden GemengeLage der damaligen Aktualität. Es geht hier nicht um das vermeiden von Entschuldigungen, wenn sie angebracht sind, wem auch immer gegenüber, es geht um Entschuldung, und diesmal gründlicher, als es das Neue Testament, in der Person von Jesus Christus, bereits angestossen hat.
Schuld braucht Vorsatz, so ist das wenigstens für m*ich, diesen Vorsatz finde *ich aber fast immer nicht in den handelnden Menschen selbst begründet, sondern fast immer entweder in den Ursprüngen des DaSein und insbesondere in den besonderen Verhältnissen unseres ZuHause (Erde-Mond), in der Herkunft und Prägung des SäugeTieres Mensch und in den jeweils aktuellen Umständen, fast nie ist die Ursache der Handlung eines einzeln-Es oder auch von einer Gruppe nur, also einschliesslich, in Diesen zu finden. Aber das nur so DaZwischen.}

FAZ: Was verstehen Sie unter „Sackgassen“?

Julia KristevaDen Kommunismus. Das Sozialmodell. Der Fürsorgestaat europäischer Prägung ist trotz der Schläge, die er in den letzten Jahren hat hinnehmen müssen, immer noch sehr großzügig im Vergleich zu anderen Systemen. Der Staat in Europa mit seinen Subventionen und Beihilfen ist eine „Große Mutter“. Aber die Europäer haben vergessen, dass Solidarität nicht nur eine materielle, sondern auch eine spirituelle Seite hat. Kant spricht in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ vom „corpus mysticum“, von der unverzichtbaren Vereinigung des Selbst und seiner Schatten mit der übrigen Welt.
Die Europäer haben diesen spirituellen Aspekt der Solidarität vernachlässigt, der dennoch zu den fundamentalen Schichten ihrer Kultur gehört. Diese Dimension, die aus unserem griechischen und jüdisch-christlichen Erbe stammt, ist nicht nur ignoriert, sondern auch fetischisiert und in die Archive verbannt worden.
Eine weitere Sackgasse Europas ist der Hang zur Empörung, ein Wort, das inzwischen groß in Mode ist. In meinen Augen ist die Empörung romantisch, eine von Abwehr und Zorn geprägte und jugendlich-unreife Reaktion, die keine glaubwürdige Alternative benennt, weil sie keinerlei Interaktion mit dem anderen vorsieht. Sie denkt nicht an den anderen. Es ist eine Haltung, die zum Dogmatismus verleitet; sie ist ihrem Wesen nach totalitär und todbringend. Die Empörung ist eine europäische Sünde, ein negativer Narzissmus.

{Empört Euch! Eine europäische Sünde? Ein negativer Narzissmus? Na, wenn m*ich ein-Es auf den Fuss tritt, oder mir den Ellenbogen in die Seite rammt, oder mir einen Anteil vom Kuchen verweigert, der *mir zusteht, oder *mir gar verbietet fröhlich zu sein, weil es Es nicht passt, dann kann wenigstens *ich nicht anders als empört zu sein, laut aufzuschreien und das ander-Es meine Meinung zu sagen, zu schreiben oder gar zu schreien, ob *ich das dann Empörung nenne, oder Beschwerde, oder Aufregung, ist dabei doch völlig gleich, nur weil Frau Kristeva anscheinend keinen Grund zur Beschwerde hat oder sich grundsätzlich nicht Aufregen möchte, werde *ich bei passendem Anlass (Miss-Handlung / brauch) und Gelegenheit nicht darauf verzichten. Ganz und gar nicht.
Wobei selbstverständlich klar ist, dass nur immer Beschweren oder Empören, ohne die oben erwähnte intensive Aufarbeitungs-Mühe hin zur Klärung des Woher und Warum, dumm ist und dumm hält.
Das ist vielleicht der Hintergrund für Frau Kristevas Empörungs-Überdruss?}

FAZ: Worin bestünde die zweite Phase der Arbeit mit dem europäischen Patienten?

Julia KristevaMan müsste dafür sorgen, dass er sich seiner Fähigkeiten und Trümpfe bewusst würde, vor allem seiner Tradition der ständigen Unruhe, die auf die griechische Philosophie, das unablässig fragende und interpretierende talmudische Judentum und auf gewisse christliche Denkschulen zurückgeht, wobei ich in erster Linie an Augustinus denke, dessen „einzige Heimat“ die „Wanderschaft“ war. Aber zunächst einmal müsste er die religiöse Erfahrung wieder zu schätzen lernen, die durchaus keine Illusion ist, sondern eine zukunftsträchtige psychische Realität, um hier einmal Freud zu paraphrasieren.
Als Diderots Nonne das Kloster verlässt, weint sie. Die Europäer haben in ihrer ganzen bewegten Geschichte das Religiöse verinnerlicht. Ich hatte das Privileg, Papst Benedikt XVI. zu begegnen. Während unseres Gesprächs sagte er mir, ich müsse großes Leid empfinden, weil ich Jesus noch nicht gefunden hätte. Aber mit dieser letztlich erwartbaren Bemerkung ließ es der Papst nicht bewenden. Er fügte hinzu, die Wahrheit sei ein Weg, eine ständige Befragung und das Ergebnis eines ständigen inneren Kampfes.
Letztlich sagte er mir, dass niemand die Wahrheit besitze, was für einen Papst doch sehr erstaunlich ist. Genau besehen, sprach Papst Benedikt hier als Europäer. Deshalb glaube ich, wir sind hinreichend gerüstet, um dieses kulturelle Erbe zu erkennen, das im religiösen Phänomen besteht. Wir sollten keine Angst davor haben.

FAZ: Indem wir es in unsere Kultur der Ratlosigkeit integrieren?

{Verzeihen Sie, aber die Frage ist witzig, *ich wenigstens habe gelacht, weil ja für m*ich das Glauben der Hauptbereich der Ratlosigkeit ist, vielleicht sogar der Bereich der Gefühle (Glauben ist doch ein Gefühl, oder?), der die Ratlosigkeit am deutlichsten darstellt, wenn das Glauben diese auch mit allerlei Mythen, mit zentnerschweren Behauptungen und unverrückbaren "Tatsachen" (z.B. "diese Worte hat mir Gott aufgetragen", oder auch: "genau das müsst Ihr tun, damit Ihr das Heil erlangt!". Tut Mensch es dann, ohne Erfolg, wird ein-Es meist ins "Jenseits" vertröstet, aber genug davon ...) und jeder Menge Gebote und Verbote kaschiert, so ist das Glauben und auch der Glaube doch wohl zuallererst voller VorGefühl auf das Wissen, glüht quasi schon vor-lauter Mangel (geht das überhaupt? Egal), ohne dass der Glaube und das Glauben viel Wissen wäre.
Kurz gesagt: Die Ratlosigkeit ist schon immer integrativer Bestandteil des DaSein und damit auch der Erscheinungen darin gewesen, also auch der Erscheinung Mensch; es ist somit wohl eher an der RaumZeit davon etwas mehr los zu werden und zwar deutlich mehr. Oder spüre nur *ich das?}

Julia KristevaJa. Beide bilden ein Ganzes und bereichern sich gegenseitig. Europa ist ein Kontinent, der hinter die ernstesten Fragen ein Fragezeichen gesetzt hat. Selbst das höchste Wesen hat man dort dekonstruiert. Diese Kultur der Sinnsuche, dieser „abgeschnittene Faden der Tradition“, von dem Tocqueville sprach und über den Hannah Arendt so viel geschrieben hat, ist die Grundlage des Humanismus, ein großer Augenblick, dessen Narben Europa trägt, den es aber nicht akzeptiert.
Wir brauchen uns dennoch nicht unserer Kultur des Infragestellens zu schämen, ganz im Gegenteil. Wir verdanken ihr die Befreiung des Körpers, die Freiheit des Denkens und das Recht auf Abweichung, die Flexibilität des Denkens, einen gewissen Hang zum Schöpferischen und zum freien Unternehmertum, Wachsamkeit gegenüber jeglicher Form von absoluter Macht oder gegenüber der Versuchung des Krieges.
Diese Kultur ist das beste Gegengift gegen Verkrampfungen, gegen die eindimensionale Geschwindigkeit unserer hypervernetzten Welt, gegen jegliche Form von Integralismus, gegen die einseitige Betonung des Ökonomischen oder des Religiösen. Sie schützt das Singuläre eines jeden: Europa ist vom Kult der Person, von der Sorge um die Person geprägt.
Diese Fähigkeit, dem Einzelnen einen besonderen Wert beizumessen, ist ein Schutzdamm gegen Nivellierung und Banalisierung. Sie bringt eine vertikale Dimension ins Spiel, die der inneren Erfahrung und der psychischen Innerlichkeit, deren fundamentalen Ausdruck die europäische Kunst und Literatur darstellt. Diese Erfahrung des Innersten ist typisch europäisch.

{Unerhört! Diese Dame fasst in wenige Sätze, was *ich hier über hunderte Beiträge verteilt habe, das ist doch wirklich unerhört, sowas! Ist es doch, oder? Oder haben Sie schon davon gehört, oder wissen Sie gar von Vielen, die jenes schon beherzigen, die schon bewusst in diese Richtung entwickeln? Die Betonung liegt auf "bewusst", weil dann geht es schneller, weil un-bewusst tun Wir es im Grunde bereits Alle, aber eben so schrecklich langsam!}

FAZ: Auf diese Weise gelänge es Ihnen, dem heutigen Europa neuen Sauerstoff zuzuführen?

Julia KristevaSagen wir, auf diese Weise könnte Europa verstehen, dass es in unserer globalisierten Welt eine Mittelmacht darstellt, die der Menschheit dennoch eine starke Botschaft zu vermitteln hat. Wanderschaft, Erkenntnis, Respekt vor dem Singulären, Zweifel, Befragung - niemand sonst vermag diese Werte zu vermitteln, die das Fundament der europäischen Kultur bilden, nicht einmal die Vereinigten Staaten.

{China vielleicht? Die haben auch ziemlich viel gefragt und tun das Heute noch, oder Indien, auch in deren Tradition ist das fragliche eingewebt und *ich weiss auch von ein paar südamerikanischen und afrikanischen Stämmen, die ziemlich viel befragt haben. Aber gut, Europa stellt schon noch die meisten und gründlichsten Fragen, und das ganz ernsthaft, also mit Massen an Geld (Milliarden), zumindestens das, wenn auch die Massen Selbst noch ziemlich zurückhaltend sind.}

FAZ: Aber wie könnte man den Europäern die großartigen Trümpfe zu Bewusstsein bringen, die ihre Identität birgt?

Julia KristevaWir Intellektuelle haben die Aufgabe, sie zu erkennen und weiterzugeben. Indem wir zum Beispiel eine europäische Kulturakademie gründen, deren Arbeiten einem breiten Publikum zugänglich gemacht würden. Indem wir europäische Literatur- und Filmpreise schaffen. Indem wir Ausstellungen organisieren, die in ganz Europa gezeigt werden. Indem wir die Entstehung des mehrsprachigen europäischen Bürgers fördern, als Kind des Erasmus-Programms und als Vermittler des europäischen Gedankens. Es ist unsere Aufgabe, den Staffelstab zu übernehmen und die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben. Es ist an der Zeit, ein kraftvolleres und stolzeres europäisches Bewusstsein entstehen zu lassen.
Ende FAZ-Gespräch

"Es ist an der Zeit, ein kraftvolleres und stolzeres europäisches Bewusstsein entstehen zu lassen." Na, *ich weiss nicht, ob das wirklich ein Weg zur Lösung von Enttäuschungen einer Gross-Gemeinschaft ist, zur Überwindung eines Traumas beiträgt, oder gar zur Heilung einer kapitalen Depression, wie sie oben für Europa angedeutet wird, wie ein dicker Hahn durch die kleine Welt zu stolzieren und herumzukrähen, wie toll Wir doch sind, mit all unseren ungelösten Fragen?

Hatten Wir dieses Getue nicht schon die vergangenen bestimmt zwei tausend Jahre lang, mit Eroberungen in grossem Stil, mit Unterwerfungen über grosse RaumZeit hindurch und jeder Menge Besserwisserei, ohne dass Europa es wirklich besser gewusst hätte, denn dazu braucht es doch auch ein Bewusst-Sein davon, und Was hatte das schon in der Vergangenheit, von dem Was Es da tat und noch tut? Oder bin *ich mal wieder zu negativ kritisch und blende das positiv kritische aus, z.B. die "Ausheilung" des Sklaventums und der diktatorischen AllMacht weniger "über" die Mehrheit - in wenigen Resten, auch noch in Europa zu finden - und vor allem der Demokratie?

Erst mal bis hierhin, *mir reichts jetzt auf jeden Fall, ist sowieso schon wieder "riesig" dieser Beitrag und es werden noch weitere folgen, aber erst mal bis hierhin. Punkt.
.
Europa erleben?
Vielleicht sieht das in etwa so für nicht-Europäer aus?
.
Zum Abschluss nur noch ein kleines dialektisches Gedicht, mit offenem Ende, das noch auf Jenes wartet und Es auch bekommen wird, nur nicht mehr Heute:

Mensch! Kuck mal! Da ist ein schwarzes Loch. Da musste aufpassen, dass de nich reinfällst, sonst biste wegg, schwupps, bist de verschwunden, was!?; das glaubste nich, na, dann kann ich dich ja auch reinschubbsen; was!?, des willste nich?, ja was glaubste nu?, was hast sonst gegen das Schubbsen?; ach, weil des nich weisst, ach so, nur glauben reicht der also nich mehr, jetzt willste plötzlich auch noch wissen, ja wo kommen Wir denn da hin, wenn Wir plötzlich alle nichts mehr Glauben wollen, und immer alles Wissen wollen, ja wo kommen Wir denn da hin, ach, nach Hause!?; und wo soll das Sein, dieses zu Hause, ach so, hier auf diesen kleinen Planeten, ja, klar hier leben Wir, ... in?, in der Erde? warum in?, Wir leben auf der Erde, so war des immer schon, ach, du meinst, dass Wir das nur Glauben, und des soll dann mehr ZuHause sein, wenn Wir nicht mehr auf, sondern in der Erde wohnen, aber was soll das ändern ....

Freitag, 2. November 2012

Von der Zeugung des Bewusst-Seins

"Insoweit als die Religion ein Quell des Trostes ist, ist sie ein Hindernis für den wahren Glauben: in diesem Sinne ist der Atheismus eine Läuterung. Ich soll Atheist sein mit dem Teil meiner selbst, der nicht für Gott gemacht ist. Unter den Menschen, bei denen der übernatürliche Teil ihrer selbst nicht erweckt ist, haben die Atheisten recht, und die Gläubigen haben unrecht."
Von Simone Weil, aus »Schwerkraft und Gnade«, Kösel Verlag, 1952, Seiten 210-211.

Die Schwerkraft des Glaubens möchte keinen Trost spenden, das ist gut beobachtet, die Schwerkraft des Glaubens möchte die Macht (in Gestaltung und Richtung des DaSein) der »Un-Bewusst-Heit« bewahren.
Wie Sie aus den Erkenntnissen der NeuroWissenschaften und der SozialWissenschaften und aus den sonstigen aufmerksamen Beobachtungen der Lebendigkeit entnehmen können, ist das DaSein ein fast zu hundert Prozent unbewusster Prozess, geleitet von der Zusammensetzung (dem Aufbau) der Grundsubstanzen und den Gesetzen (Kräfte, Wechselwirkungen und Grenzen) im Zusammenwirken der Grundsubstanzen - während der RaumZeit-Phase des DaSein.

Eine interne MitWirkung bei der Gestaltung und der Richtung der Entwicklung des DaSein, der Natur, ist zwar vom Grundsatz vorgesehen, sonst gäbe es die Möglichkeit "Bewusst-Sein" nicht, aber sie ist bisher noch in der Zeugungsphase. So bemerke ich das.

Bewusst-Sein ist dabei die Möglichkeit einzugreifen in ein erkanntes Geschehen, ist die Möglichkeit von Innen aus - das Innen und das Aussen - zu gestalten, indem Prozesse gehemmt werden, indem Wirkungen genutzt werden, indem vorhandenes neu kombiniert und damit auch die Richtung und Ausgestaltung des Geschehens eine Richtungsänderung erfährt.

Bisher wird Uns diese Richtung vorgegeben, von Etwas, das Ausserhalb des DaSein war, aber auch im Innen vorhanden ist - aus dem das Innen (das DaSein) vielleicht besteht. Die Gestaltungskraft ist dem Gesamten DaSein mitgegeben, und liegt damit auch in Uns Irdischen Lebensformen, so empfinde ich das.

Das Glauben ist für mich der Bereich der unbewussten Steuerung, "anhand" von Vorgaben aus dem Vor-DaSein, und Es ist mächtig und Es kennt keinen Trost, Es kennt Aufgaben und Es folgt einer Richtung.
Aber Es hat Gefühle und nimmt wahr, sonst wären diese nicht auch in Uns, aber diese sind nicht auf den Erhalt und die Bereicherung von einzeln-Es im DaSein gerichtet, sondern auf das Ganze, auf den Erhalt und die Weiterentwicklung des Ganzen. Die Chance, vom Ganzen auch für Jedes Einzelne Selbst zu profitieren, ist Uns gegeben, ist das eine gute Idee, oder ist es Unfug.
Zweifeln Sie. Aber...

... nun von der Ein- und der Ausbildung des Bewusst-Seins (dazu noch ein NachWort von Friedrich Nietzsche, ganz unten in diesem Beitrag) zu einer wirklichen Grösse, die der Macht des Glaubens standzuhalten vermag; das Glauben zu würdigen, ist eine Grösse zu Beginn, jedoch ...

... wie wollen Wir dem Wissen - und dessen Wirkung in und für Uns - noch entkommen?

Mir macht das, was ich im folgenden kurz anreisse und beschreibe, auch Angst, das garantiere ich Ihnen, ich bin jedoch andererseits nicht bereit vor irgendeiner Angst gleich zu kapitulieren, nur dann, wenn die Gefahr, auf die die Angst weisst, mich direkt und sofort schmerzhaft bedroht: also vor einem gezückten Messer oder gar einer Pistole würde ich sofort kapitulieren. Die Angst, die ich aus dem Wissen und aus dem Glauben spüre, lässt mich zwar erschrecken, aber sie bringt mich auch dazu, oder hält mich nicht davon ab, noch ein Stück näher hinzuspüren, oder auch mehr darIn zu fühlen.

Vieles davon ist auch so weit entfernt, dass ich, wie die Allermeisten, denken könnte, das betrifft mich nicht, also kümmerts mich auch nicht, -> könnte - tut es oft auch -, aber dann aber packt es mich und die grosse Lust - oder auch [Neu]Gier, ist da -> Fern zu schauen, Nein, nicht bloss zu schauen, Fern zu spüren, also auch zu denken, auch wenn es mich vielleicht nicht betrifft.

Aber Sie erkennen schon an dem Titel dieses Blogs, dass ich Verantwortung in mir fühle und die Verantwortung ist, für mich, ein Gefühl und eine Handlungsweise, die stets in etwas noch ungemachtes und unerlebtes weist; soll ich das Zukunft nennen?

Verantwortung ist für mich die "tatenvolle" Frage nach der möglichst konkreten Folge einer Jetzt-Handlung. Was folgt aus dem Geschehen des Jetzt, was setzen Wir da ins Voraus-Sein hinein?
Aus diesem Gefühl heraus, schreibe ich in diesen Blogs und forsche ins Jetzt und stochere in die "Zukunft"? In das Unbekannte in mir und das Unbekannte Ausser-mir.

Eine kurze Episode aus dem Film «Barbara», von Christian Petzold, hat mich auch zu diesem Text angeregt.
Die titelgebende Person, Barbara, wird von ihrem neuen Chef, Andre, nach Hause gefahren; der kennt den Weg bereits genau, ohne Sie vorher nach dem Weg gefragt zu haben. Barbara: "An der Kreuzung hätten Sie mich fragen müssen, wo ich wohne. Aber das wissen Sie ja bereits. Sie sind doch präpariert."

Früher war Wissen «Herrschaftswissen», das u.a. zur Überwachung eingesetzt wurde, deshalb die spitze Bemerkung der Hauptperson in diesem Film.

Was ist, wenn Wir ALLE[S] wissen?
Sie fragen zuRecht: Was ist ALLES? Gut, ich vermute, sobald Etwas an die Grenze kommt, ALLES zu Wissen, ist ES das SEIN Selbst und ist ohne Frage. Sie könnten weiter fragen: Warum dann das DaSein, wenn das SEIN ALLES weiss und ALLES ist; Warum dann eine Struktur, ein Bereich darin, der voller Fragen ist?
Darauf weiss das DaSein bisher -Selbst- keine Antwort, schätze ich mal.

Wir erforschen das gesamte DaSein aus und damit auch einen Bereich des SEIN, vom Allerwinzigsten bis zum ALLERRIESIGSTEN!, also werden Wir bald sehr viel mehr über und von Uns Menschen wissen, als Uns vielleicht lieb ist, viel mehr, als Andre in diesem Film von Barbara wusste und wissen konnte und zwar Jedes von Jedes, JedesRaumZeit.
Wenn Uns die Technik bald alle Mittel zur Verfügung stellt, fast Alles über unsere jeweilige Umgebung und unseren aktuellen Umgang (Mit-Menschen und andere Lebewesen) zu wissen, zu erkennen; was ist daran schlecht? Die Angst davor mal etwas beiseite geschoben und erst recht gefragt.

Das heisst auch, aus der «Überwachung» herauszuwachsen, denn Überwachung ist die «Kontrolle/Einblick» Einzelner oder Weniger "über" andere Einzelne oder Wenige, ohne deren Wissen und Einwilligung.
Wissen ist dann «GUT», wenn es Jedes nutzen kann. Wenn Wir also wechselseitig Informationen von Allen, mit denen Wir zu tun haben, einsehen und zur Vertrauenserhöhung im Miteinander nutzen können. Wir sind dazu auf dem Weg und sparen dabei längst Niemanden mehr aus. Das grosse Bedürfnis nach Vertrauen und Geborgenheit sind dabei die Schubkräfte.

Beispiele für die nahe Zukunft:

In einigen Laboren hantieren die Forsches (Menschen -> Wir) inzwischen mit den Bausteinen der Materie, sie verschieben einzelne Atome aus Verbindungen (Moleküle) heraus und übertragen sie gezielt auf/in andere Materialien. Ein Material ist z.B. Glas. Durch den Zusatz von Silber wird Glas Schmutzabweisend. Jeder Wasserguss wäscht die Schmutzteilchen vom (Silber-)Glas gänzlich ab.
Messfühler auf Nanoniveau (Nano = 1 Milliardstel Meter, ist kleiner als 10 hoch minus 9) können bald jedes Element oder Molekül aus der Vielfalt der Luft oder auch festen Stoffen identifizieren. Ein Träger (z.B. eine Mess-Folie oder ein -Fühler), der besetzt ist mit den gewünschten NanoSensoren kann - angeschlossen an ein AuswertungsGerät, beispielsweise an ein MobilTelefon -, Auskunft davon geben, in welcher Umwelt das Mensch sich gerade befindet, wie genau oder ungenau, - je nach Ausstattung mit NanoSensoren -, die direkte oder auch weitere UmWelt zusammengesetzt ist. Welche Substanzen und Lebewesen darin enthalten sind und in welchem Zustand die Materie und die Lebewesen sind, also auch was ein Mensch kürzlich getrunken und gegessen hat (aus der Zusammensetzung der Atemluft und der Schweissabsonderung). Die NanoSensoren und die AuswertungsGeräte werden so günstig sein, dass sie für Jedes auch verfügbar sind.

Es ist also bald möglich, dass Jedes von jedes Anderes den Inhalt und den Zustand umfassend kennt, auch den von der UmGebung in das Eines eingebettet ist. Sie merken, das geht weit über das hinaus, was Wir jetzt aus GoogleMaps, dem Gefühls- und Augeneindruck, den Medien, Karten und anderen Stadt- und LandschaftsDiensten bereits geliefert bekommen.
Wir holen Uns also Fähigkeiten hinein oder zurück, die andere Lebewesen längst sind, die in anderen Lebewesen zu grosser Vollkommenheit entwickelt wurden. Der Geruchsinn von Hunden ist dem von Menschen weit überlegen. Manche Insekten riechen Konkurrenten, die Hormone von Sexualpartnern oder auch Nahrung über mehrere hundert Meter oder sogar Kilometer hinwegg.
ZinkoxydFäden geben/setzen bei Druck und Verbiegen Elektronen frei (Elektrizität). Eingebaut in die Kleidung, könnten diese Strukturen elektrische Geräte (MobilTelefon) mit Dauerstrom versorgen. An-/Aufgebracht an Stoffe oder flexible Materialien (Büsche, Bäume) im Freien, könnte das Material Uns bei jeder Windbewegung mit Strom versorgen, egal wo Eines gerade ist.
Da NanoSensoren alle Substanzen und Lebensformen erkennen und melden können (s.o.), sowie auch bald in der Lage sind, unsere Umwelt (Luft, Wasser, Boden, Materie) zu reinigen, also störende/kränkende Fremdstoffe zu entfernen, könnten sie Uns nicht nur vor Fremdstoffen und Krankheitserregern, wie Viren und Bakterien warnen, sondern sie auch gleich töten und Uns so vor, zumindest bekannten, Krankheiten bewahren. Das Töten muss aber gar nicht sein, denn Wir könnten Uns auch stärken, Uns vielleicht sogar mit den Mit-Lebewesen dieser irdischen Welt einigen, um die Galaxien zu erforschen. Spinnerei?

Eine bessere Welt.

Oder möchten Sie ein Fragezeichen setzen?
Es ist also bald möglich, dass Eines, - ausgestattet mit Nano-Bio-Sensoren -, jedes andere Eines genau ausmessen und untersuchen kann: anhand des Atems, der Temperatur und der Zusammensetzung des Schweisses, ist der genaue Zustand jedes Einzelnes bis in kleinste Details möglich (Stimmung, hormonelle Ausstattung, Sättigung u.v.m.), also auch, was Eines in den vergangenen Stunden und Tagen geraucht, getrunken, gegessen oder sonstwie konsumiert hat.
Und das so günstig, dass es für Jedes zu haben ist.
Angeschlossen an alle mitgeführten Geräte, ist auch eine Zustandsmessung aus der Ferne (von Stadt zu Stadt) für Jedes möglich. Wir könnten also genau wissen, wie die Gesprächs- und sonstigen Partner im Augenblick der Begegnung gestimmt und zusammengesetzt sind.

Ich möchte betonen, dass es eine Technik für Jedes ist, keine der «Über»Wachung, UND dass es Techniken sind, die bereits vorhanden und vielleicht -bald- verfügbar sein werden, also weder Phantasie noch Science Fiction.

Wenn also die Szene aus dem Film «Barbara» eine der aufgedeckten Überwachung war und daher für die Überwachten unangenehm, wie ist es, wenn Wir FAST Alle[s] von FAST Allen wissen, was Wir vom mit- und voneinander wissen möchten?
Ist das erkannte Mensch die Zukunft.
Zumindest bald Wirklichkeit.

Krankheiten und Stimmungsänderungen erkennen Wir dann in Uns und bei den direkt UmSeienden, schon im Ansatz und können entsprechend handeln, also gegensteuern oder verstärken, je nach Lust und Wunsch. Gefahren werden sofort entschärft. Das wechselseitig Versteckspielen, die grossen Unsicherheiten und damit das Misstrauen in und um Uns, sind dann vorbei. Wir werden, wenn Wir die neuen Techniken ausbauen und verteilen, so sicher und gleichbleibend gesund leben, wie es heute noch "unvorstellbar" ist.

Vielleicht ist diese
Un-Vorstellbarkeit genau das, was Uns bei der Vorstellung ängstigt?
Was gewinnen Wir, wenn das Misstrauen weiter gedämpft wird und Wir einander erkennen und wechselseitig begreifen, so ganzheitlich und umfangreich, wie es bisher nicht möglich war? Wir beantworten u.a. die Frage/n: Was sind Wir und Wer bin Ich?

Meine Angst hat aber noch nicht abgenommen, weil ich eben noch ein Mensch des Abstands und der Geheimhaltung bin, und mir nur allzu bewusst bin, dass diese Techniken, wenn sie denn für Alle vorhanden und eingeführt sind, auch ein Verhaltensänderung bewirken werden. Und zwar wahrscheinlich keine geringe.

Vielleicht in die richtige Richtung, richtig im Sinne von mehr Gelingen und mehr Freude und damit weniger ... und ... , aber Sie wissen bescheid. Vielleicht?

Nachgestellt, noch eine Kritik an mir und meinen Ansichten, von einem der besten Nach-Denker der Menschheit.


Von Friedrich Nietzsche, aus »Zur Genealogie der Moral«, erschienen 1887 in Leipzig, daraus die: Dritte Abhandlung: was bedeuten asketische Ideale?
Abschnitt 23.

Das asketische Ideal hat nicht nur die Gesundheit und den Geschmack verdorben, es hat noch etwas Drittes, Viertes, Fünftes, Sechstes verdorben — ich werde mich hüten zu sagen was Alles (wann käme ich zu Ende!). Nicht was dies Ideal gewirkt hat, soll hier von mir an’s Licht gestellt werden; vielmehr ganz allein nur, was es bedeutet, worauf es rathen lässt, was hinter ihm, unter ihm, in ihm versteckt liegt, wofür es der vorläufige, undeutliche, mit Fragezeichen und Missverständnissen überladne Ausdruck ist. Und nur in Hinsicht auf diesen Zweck durfte ich meinen Lesern einen Blick auf das Ungeheure seiner Wirkungen, auch seiner verhängnissvollen Wirkungen nicht ersparen: um sie nämlich zum letzten und furchtbarsten Aspekt vorzubereiten, den die Frage nach der Bedeutung jenes Ideals für mich hat. Was bedeutet eben die Macht jenes Ideals, das Ungeheure seiner Macht? Weshalb ist ihm in diesem Maasse Raum gegeben worden? weshalb nicht besser Widerstand geleistet worden? Das asketische Ideal drückt einen Willen aus: wo ist der gegnerische Wille, in dem sich ein gegnerisches Ideal ausdrückte? Das asketische Ideal hat ein Ziel, — dasselbe ist allgemein genug, dass alle Interessen des menschlichen Daseins sonst, an ihm gemessen, kleinlich und eng erscheinen; es legt sich Zeiten, Völker, Menschen unerbittlich auf dieses Eine Ziel hin aus, es lässt keine andere Auslegung, kein andres Ziel gelten, es verwirft, verneint, bejaht, bestätigt allein im Sinne seiner Interpretation (— und gab es je ein zu Ende gedachteres System von Interpretation?); es unterwirft sich keiner Macht, es glaubt vielmehr an sein Vorrecht vor jeder Macht, an seine unbedingte Rang-Distanz in Hinsicht auf jede Macht, — es glaubt daran, dass Nichts auf Erden von Macht da ist, das nicht von ihm aus erst einen Sinn, ein Daseins-Recht, einen Werth zu empfangen habe, als Werkzeug zu seinem Werke, als Weg und Mittel zu seinem Ziele, zu Einem Ziele… Wo ist das Gegenstück zu diesem geschlossenen System von Wille, Ziel und Interpretation? Warum fehlt das Gegenstück?… Wo ist das andre „Eine Ziel“?… Aber man sagt mir, es fehle nicht, es habe nicht nur einen langen glücklichen Kampf mit jenem Ideale gekämpft, es sei vielmehr in allen Hauptsachen bereits über jenes Ideal Herr geworden: unsre ganze moderne Wissenschaft sei das Zeugniss dafür, — diese moderne Wissenschaft, welche, als eine eigentliche Wirklichkeits-Philosophie, ersichtlich allein an sich selber glaube, ersichtlich den Muth zu sich, den Willen zu sich besitze und gut genug bisher ohne Gott, Jenseits und verneinende Tugenden ausgekommen sei. Indessen mit solchem Lärm und Agitatoren-Geschwätz richtet man Nichts bei mir aus: diese Wirklichkeits-Trompeter sind schlechte Musikanten, ihre Stimmen kommen hörbar genug nicht aus der Tiefe, aus ihnen redet nicht der Abgrund des wissenschaftlichen Gewissens — denn heute ist das wissenschaftliche Gewissen ein Abgrund —, das Wort „Wissenschaft“ ist in solchen Trompeter-Mäulern einfach eine Unzucht, ein Missbrauch, eine Schamlosigkeit. Gerade das Gegentheil von dem, was hier behauptet wird, ist die Wahrheit: die Wissenschaft hat heute schlechterdings keinen Glauben an sich, geschweige ein Ideal über sich, — und wo sie überhaupt noch Leidenschaft, Liebe, Gluth, Leiden ist, da ist sie nicht der Gegensatz jenes asketischen Ideals, vielmehr dessen jüngste und vornehmste Form selber. Klingt euch das fremd?… Es giebt ja genug braves und bescheidenes Arbeiter-Volk auch unter den Gelehrten von Heute, dem sein kleiner Winkel gefällt, und das darum, weil es ihm darin gefällt, bisweilen ein wenig unbescheiden mit der Forderung laut wird, man solle überhaupt heute zufrieden sein, zumal in der Wissenschaft, — es gäbe da gerade so viel Nützliches zu thun. Ich widerspreche nicht; am wenigsten möchte ich diesen ehrlichen Arbeitern ihre Lust am Handwerk verderben: denn ich freue mich ihrer Arbeit. Aber damit, dass jetzt in der Wissenschaft streng gearbeitet wird und dass es zufriedne Arbeiter giebt, ist schlechterdings nicht bewiesen, dass die Wissenschaft als Ganzes heute ein Ziel, einen Willen, ein Ideal, eine Leidenschaft des grossen Glaubens habe. Das Gegentheil, wie gesagt, ist der Fall: wo sie nicht die jüngste Erscheinungsform des asketischen Ideals ist, — es handelt sich da um zu seltne, vornehme, ausgesuchte Fälle, als dass damit das Gesammturtheil umgebogen werden könnte — ist die Wissenschaft heute ein Versteck für alle Art Missmuth, Unglauben, Nagewurm, despectio sui, schlechtes Gewissen, — sie ist die Unruhe der Ideallosigkeit selbst, das Leiden am Mangel der grossen Liebe, das Ungenügen an einer unfreiwilligen Genügsamkeit. Oh was verbirgt heute nicht Alles Wissenschaft! wie viel soll sie mindestens verbergen! Die Tüchtigkeit unsrer besten Gelehrten, ihr besinnungsloser Fleiss, ihr Tag und Nacht rauchender Kopf, ihre Handwerks-Meisterschaft selbst — wie oft hat das Alles seinen eigentlichen Sinn darin, sich selbst irgend Etwas nicht mehr sichtbar werden zu lassen! Die Wissenschaft als Mittel der Selbst-Betäubung: kennt ihr das?… Man verwundet sie — Jeder erfährt es, der mit Gelehrten umgeht — mitunter durch ein harmloses Wort bis auf den Knochen, man erbittert seine gelehrten Freunde gegen sich, im Augenblick, wo man sie zu ehren meint, man bringt sie ausser Rand und Band, bloss weil man zu grob war, um zu errathen, mit wem man es eigentlich zu thun hat, mit Leidenden, die es sich selbst nicht eingestehn wollen, was sie sind, mit Betäubten und Besinnungslosen, die nur Eins fürchten: z u m   B e w u s s t s e i n   z u   k o m m e n …