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Freitag, 2. August 2013

Geselligkeit

Heute haben zwei grosse Informationsströme, die *mich per Nachrichten und Magazin-Beiträgen erreichten und sich dabei in *mir übereinanderlegten, eine Frage provoziert.
Herausgefordert.

Der eine Informationsstrom bestand aus den Begründungen von Diebstählen, Betrügereien und Einbrüchen.
Der andere Informationsstrom aus den Begründungen von Strassen- und Gebäudeschäden, von der Verwahrlosung ganzer Infrastrukturen.

Die eine Begründung lautete: Arbeitslosigkeit, auch, oder vor allem, wegen Kapitalmangel.
Die andere Begründung: fehlende Arbeitskraft, auch, oder vor allem, wegen Kapitalmangel.

Menschen haben keine Beschäftigung und keine dadurch erarbeitete Anerkennung.
Infrastruktur, z.B. auch Brücken und Autobahnen und Bahntrassen in D, können nur noch im Schneckentempo befahren werden oder auch Monate gar nicht mehr, weil das Geld fehlt, um die zur Pflege und Wartung benötigten Menschen einzustellen.

Da ist also jede Menge Arbeit und Aufgaben vorhanden, aber die Menschen tun anderes.
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Am Gleisdreieck in Berlin-
Schöneberg
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Da verfallen auf der einen Seite also Infrastrukturen. Nur als Beispiel. Sie wissen bestimmt noch mehr Gesellschaftsbereiche wo "Personal" fehlt.
Und auf der anderen Seite ist genug da, was geklaut, ertrogen oder erbrochen werden kann und wird, von Menschen, die ja irgendwas zum "Arbeiten" und zum erleben brauchen.

Was in mir dabei auftauchte, war also die Frage: Fehlt es nicht eigentlich an Ideen? Zu mindest an einer?

Denn eigentlich ist ja Alles vorhanden, es bräuchte doch irgendwie nur zusammengebracht werden, oder?
Jetzt hören Sie mir bloss auf mit irgendwelchen gestrigen oder auch heutigen Ideologien oder -ismen, die sind mir dabei nicht eingefallen. Die fallen bei mir nicht mehr auf.

Nein, es ist einfach so, dass es so viel zu tun gibt und noch mehr gäbe, um All-Es zu beschäftigen auf eine gesellschaftsfreundliche Weise, dass aber die Fakten so sind, dass so wie es jetzt gehandhabt wird, immer gerade so viele Menschen ausgeschlossen werden, damit das Verbrechen weiter blüht.

Nun ist mir jedoch auch ganz klar, dass das Verbrechen schon in der Natur des Menschen angelegt ist, sonst hätten ja so viele sehr reiche und gesellschaftlich anerkannte Menschen auch überhaupt keinen Grund, verbrecherisch oder auch asozial zu handeln, aber sie tun es.

Das meint, dass Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit und mangelnde Anerkennung, nicht der alleinige Grund für schmerzhafte Übergriffe auf den Besitz oder gar das Leben anderer Menschen ist, aber ...

Was wäre, wenn Wir durch eine gute Idee zur Veränderung der Gesellschaft, hin zu einer wirklichen Voll-Beschäftigung der Mitglieder dieser Gesellschaft, vielleicht nur eine ganz klitzekleine Menge an Übergriffen, Diebstählen, ..., und Verletzungen verhindern könnten?

Egal, ob es nur ein oder zwei Prozent sind. Das wäre doch schon eine Erleichterung, oder?
Das könnte doch auch die Sicherheit und das Wohlgefühl jedes Einzeln-Es schon ein ganz klitzekleines bisschen erhöhen.

Aber gut, so eine Idee fehlt uns Menschen eben.
Also weiterhin ... ... ... und so weiter und so  fort.
Für die Nachrichten und die Magazine wäre so eine Idee auf jeden Fall ein herber Verlust, weil das meiste Mensch giert ja auch ein wenig nach Vernachlässigung und Abscheu und Verächtlichung und Denunziation und auch ein wenig nach schmerzlichem Nervenkitzel.

Vielleicht fehlt ja auch genau aus dieser - wie nenn *ich diese "Gier" jetzt? Kann ich die noch Lust nennen, oder ist es ein BasisFrust, der nach Rechfertigung und Bestätigung hungert? - GefühlsMelange, diesem GefühlsMix heraus, diese Idee, zur Veränderung der Organisation, der Struktur, dem Aufbau und dem gesellschaftlichen Umgang im Miteinander?
Könnte ja sein, das ein innerer Komplex an Menschen-Gefühlen diese HandHabe fordert.
Nur so eine Idee, aber gewiss eine falsche.

Also *mir würde es gefallen, wenn die Gerichte und die Polizei weniger zu tun hätten und erst Recht, wenn weniger MitMenschen leiden müssten, wegen ...

Aber die Idee fehlt.
Und die Idee fehlt vielleicht, weil Wir dieses [Mit-]Leid noch fordern, weil Wir in Masse diesen schmerzhaften "Kitzel" noch brauchen.
"Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett", wie ja bereits seit längerem ein deutscher Schlager singt.
Und all die Welt-Verstörungs- und Welt-Untergangs-Bücher und Filme!

Nur so ein paar Gedanken vor dem Wochenende.
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Hasenheide, in Berlin-Kreuzberg
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Mir ist klar, dass das Foto nichts mit dem Drüber-Text zu tun hat, aber ich finde es einfach schön, und damit wünsche ich Ihnen ein ebensolches Wochenende.
Danke.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Wurzel-Erfassung mit Vor-Freude

Tue ich unRecht jed-Es Mensch wichtig zu nehmen, tue ich unRecht noch mehr als das zu tun und auch die anderen Mit-Lebewesen wichtig an zu nehmen, tue ich unRecht das DaSein als Ganzes ernst zu nehmen, obschon ich nur ein so unwichtiges kleines eingestampftes WellenPaket darin bin; ist das nicht ein wenig zuviel des (- und jetzt wird es kritisch, weil, ist es Gutes oder Schlechtes, was hier im DaSein abgeht, speziell natürlich hier in dieser kleinen weiss-blau abstrahlenden Kugel, die in diesem - uns so monströsen gigantisch erscheinenden - Universum herumbewegt wird? -) Guten, für ein so unbedeutendes DaSein?

Ja, bestimmt, aber dürfen tue ich das, weil es ja nun mal geht, ich tue es ja schon seit einigen Jahr[hundert]en, viele Andere schon seit JahrHunderttausenden, die umfangreichen Fragen stellen und auch das Risiko eingehen, daran zu scheitern, ich, wie alle Ander-Es bisher.
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Früher in Berlin
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Die Meisten werden diesen Beitrag nicht mögen, weil es hier zugeht, wie auf dem Zahnarzt-Stuhl, wenn der Spachtel herausgeholt wird, um den ZahnHals freizulegen, damit die Wurzel ins Licht kommt und beschaut werden kann; die Wurzel, die ja nun mal nur freigelegt wird, wenn etwas schmerzt. Also kann ich sagen, auch *ich tue das, weil etwas schmerzt, weil etwas schief läuft, weil etwas zieht, von ganz unten her, und wenn es das tut, und nur wenn es das tut, legt ein-Es die Wurzeln frei, nur dann macht es Sinn, ansonsten wird die Wurzel nur gedüngt und gegossen; also habe ich begonnen die eigenen Wurzeln frei zu legen und Sie ahnen es bereits, dass ich sehr bald darauf gestossen bin, dass meine Wurzeln in andere Wurzeln hineinreichen und noch weiter und weiter, so merkte ich sehr bald, dass das Alles in einem Wurzelgeflecht mündet und das wiederum greift sogar soweit aus, dass mir bis Heute nicht gelungen ist auch nur annähernd zu ergründen, wie WEIT diese Wurzeln eines so kleinen Wesens, wie ich es hier bin, reichen, wenn ich den Akt der Zeugung nicht als Anfang nehme, wenn ich auch den Akt der Zeugung menschlichen DaSeins nicht als Anfang ergreife, sondern noch weiter frage: Woher stamme Ich?

Was hat M[ensch]ich gezeugt, wo ist der Anfang, denn das Ende kenne Ich bereits.

Und dieses Ende mag ein neuer Anfang sein, aber es ist es nicht für Mich, für Uns, also auch komplett unwichtig für Uns. Wir Alle hier sind zwischen diesem unbekannten Anfang und jenem bekannten Ende.
Unser DaSein findet im DaZwischen statt.

Da es Schmerzen waren, die mich dazu gebracht haben, zu forschen, weiter zu gehen, als nur zum Zahnhals, weil es vom Grund her schmerzte; könnte ich denken, ist doch gut, dass es schmerzt, sonst wäre ich doch fraglos unglücklich, jedoch, ich habe gefühlt, dass die Freude ebenso forscht, mir das aber fehlt, das Forschen aus Freude, das Fragen mit Sonnentau auf den Wangen und Flügeln an der Stirn, und das braucht es doch auch, sonst sind doch die Antworten schief oder es gibt gar keine. Und richtige Antworten sind doch wichtig.

Oder was entscheidet, was wichtig ist, was unwichtig ist, was richtig ist, was unrichtig ist, was passt und unpassend ist, was gesund und was krank ist? Sie? Und wie weit reichen diese Entscheidungen dann?

Für AllEs, für All-Es ausser ihnen Selbst, für Sie, nur für Sie, vielleicht noch für Ihre Engsten? Jed-Es entscheidet zuerst für das Selbst, allerdings gibt es nicht wenige, die entscheiden für "Alle", und sogar noch mehr, die entscheiden für sehr Viel-Es, in All-Es.

Tja, mit dem entscheiden ist das so eine Lässlichkeit im DaSein, da schwingt-s ich so Manch-Es zum Entscheidend-Es auf, was, wenn ander-Es genauer hinspürt und sogar hineinfühlt, krank ist, am Selbst-krank ist, an so vielem Mangel im Selbst leidet - so elend beieinander ist, wie das Deutsche es auch formuliert -, dass Es Entscheidungen treffen muss, statt es zu können. Aber noch wird genau das so verlangt, weil, irgendein-Es muss Entscheiden, muss dafür den Punkt auf-s ich ziehen, solange die Viel-Es diese Fertigkeit nicht sind; weil zu wenige vertraut und bewusst im DaSein sind, wählt das DaSein irgend-ein-Es aus, auf das die Entscheidung trifft, wenn Es sie auch nicht gefällt hat.
Dieses ein-Es wird Selbst-Bestimmt!

Nun, Oliver-August Lützenich bin auch so ein Elendes, also bin ich mal hingesessen, vor ein paar Jahren und habe Verbesserung gelobt und bin danach zum Tisch gegangen, mit dem Tagebuch in der einen Hand und dem Füller in der anderen und habe dem Gefühl, dem Innendruck ein wenig das Ventil geöffnet und hinaus geschrieben.

Und Sie könnten wissen, dass ich vorher täglich Nachrichten gelesen, gehört und gesehen habe und auch an so manchen Orte selbst vorbeigewesen bin und hingespürt (gerochen, getastet, gehört, gesehen und sogar geleckt), ganz selten, soweit es mir möglich war, auch mit-gefühlt bin. Selbst-los, dem Fremd-voll ausgesetzt.

Und es war viel FREUDE da, sehr viel FREUDE sogar, aber LEIDer weitgehend ungenutzt, genutzt wurde meist nur das LEID. Ein natürlicher Vorgang habe ich gemerkt, fast ALLE tun das, LEIDen tun die Menschen an einander gerne, die FREUDen bleiben meist in der Minderheit, werden nur selten bemüht und gesucht und dann auch meist nur mit Hilfe und Förderung durch Drogen (Alkohol, Nikotin, Zucker, ...) oder getrieben von der Zukunft (FortPflanzung?).

Sie haben schon meine absonderliche Wortwahl bemerkt. Sicher.
Das Sprache ist ein lockeres Instrument, das Kommunikation braucht aber Genauigkeit um zu wirken, so empfinde ich das, da das Sprache unsere menschliche Kommunikation ist, sucht das Sprache auch nach Genauigkeit, nach Präzision, nach Feinheit, nach Bedeutung in der Farbigkeit und mei, *ich bin halt nun mal ein Sonderling der spricht, der anspricht, der angesprochen ist, von das Sprache, mhh, all die schönen Töne und Geräusche, mhh, aber auch manchmal so schrill, so laut, so fad, so hässlich, so unverlässlich, so falsch herum, bäh, ihh, Sie wissen das inzwischen und fühlen bestimmt oft: nimms ned so genau, gehd doch au so ganz gut, mei, schreib doch einfach was nettes, kannst doch au, ja schon, aber manchmal fällt mich so ein SprachZug an und will auf die Gleise gesetzt werden und raus aus den Fasern, rein in die rechte und manchmal (Tastatur) auch in die linke und rein in die Maschine oder auch rauf auf das Papier:
(Da der Tagebuch-Auszug ein paar Jahre zurückliegt, ist die Schreibart noch nicht auf dem neuesten Stand. Kommt den Leses ja vielleicht sogar ein wenig entgegen.)
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Alles schon da gewesen, alles schon verspracht, alles schon hunderte male weitergegeben, bis Heute fast ohne Wirkung in Uns, vergiss es also, sag ich oft zu mir, aber kann ein-Es zu viel lesen um zu erkennen: Was ist?

Nur, wozu soll das Gut sein?

Vielleicht um das Vertrauen, die Orientierung und die Verantwortung im und für das DaSein zu erweitern, vielleicht um somit insgesamt mehr Freude und Sicherheit zu erlangen, was ja nicht schaden könnte, bei dem wie es Jetzt, also bereits seit Anbeginn läuft. Weil eins ist *mir inzwischen klar, von Freude haben Wir bisher noch keine wirkliche Ahnung.

Wir hier Alle, kennen bestenfalls die Vor-Freude, weil eben auch die Freude in das Leid hineinreicht, so wie eben ALLES im DaSein weitgehend offen ist und somit auch in Bereiche hinein"schwappt", mit denen es wenig zu tun hat. Die Freude schwappt ein wenig in das Leid, wie das Leid auch ein wenig in die Freude schwappt, so wie auch im Lachen die Trauer und in der Trauer das Lachen versteckt ist.

Wenn Wir also möchten, könnten Wir irgendwann auch einmal das Vor- vor der Freude überwinden, um die Freude zu erleben. Könnten Wir. Aber dazu müssten Wir aus dem Leid herauswachsen. Nur ein klein wenig.
Falls das nicht Ihre Wirklichkeit ist:
Vergessen Sie es einfach.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Aufstehen!

Nun breche ich mal eine Lanze für Schwachheiten und Unsicherheiten und nicht so gerne erhörtes, aber ich riskiere es und manchmal wird Eines ja sogar dafür belohnt, aber meistens ... naja, aber es ist einfach auch natürlich und wahrscheinlich (bis Jetzt!) meist sogar notwendig, das Schwache, das Weiche in Eines - oder auch in ALLES -, das "Verlieres" in Eines, so stark wie nur möglich zu verdrängen, ..., - das hilft die rüpelhafte umsichtslose getriebene Lebendigkeit, die das "Schwache" gerne vernichtet oder zumindest bedroht zu täuschen -, und dabei wenigstens versteckt zu bewahren und dahinter heimlich weiterzuentwickeln. Noch braucht das DaSein ja die Heimlichkeit.

Wenn es dann doch mal auftauchen muss, um Luft zu schnappen, denn Wir Alle sind ja nun auch Sauerstoff-Abhängige, also muss auch das Verdrängte ab und an nach Luft schnappen und wenn es dann also mal auftaucht, ist es ganz gut, es auch auf die Mit-Welt zu verteilen, denn vielleicht kommt es ja daher, oder?

Aber erst mal kommt der Blog-Autor drann

Sitzt zwar in Eines mittendrinn, aber muss ja nicht alleine dort entstanden sein?
Wie dem auch sei, eines späten Nachmittags, ich sass so herum, noch im letzten Tageslicht, da kam es hoch, die verdrängte Eins-ich-t ins-m ich und forderte Aufmerksamkeit.
Da musste ich erst mal ziemlich Schlucken, weil so einfach Schwach darf Mensch doch nicht einfach so DaSein, aber ich schluckte vergeblich, es forderte Bewusst-Heit, aber ist es auch die Wahr-Heit?
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Gib dem Zweifel eine Lücke, damit Es sie auch überbrücke.
Dafür ist Es doch im DaSein gut, wenn Es das auch selten tut.

Das ist doch verrückt, oder?
Stellen Sie-s ich das mal vor, da kommt so ein Gefühl einfach hoch, oder runter, aber egal, kommt einfach so daher, schnappt sich im Wernicke-Areal ein paar Worte, setzt sie im Broca-Areal zusammen und schleust sie dann einfach so ins Bewusst-Sein ein, das ist doch eine Frechheit oder, und Mensch kann-s ich kaum mehr dagegen wehren, dass es so was tut, sich einfach der Sprache beMächt-igt, so ein Gefühl, so einfach, also wirklich!
?
Nebenbei: Die schöne PapierRose vor dem "*ich", in der obigen Tagebuch-Seite, bin Oliver-August Lützenich, aber das haben Sie ja längst erkannt, es ist eine kleine Besonderheit, in all den vielen anderen ich, die Sie sind, die Wir sind, die schöne Rose, mit dem Herzchen über dem i, ist nur Eines, Sie können-s ich ja anders gestalten, aber im Computer kann Oliver-August Lützenich das noch nicht. Noch nicht.

So ist das Verdrängte, das Bestimmende, das vermeintlich Geringste, das Wichtigste, das ist eine ErKenntnis, die mich immer wieder fast vom Stuhl wirft, weil ich nicht verstehe, ob das Wichtigste jemals ohne den Schein auskommen wird?
Der Philosophie, den Religionen und auch Freud sei Dank, dass sie das Wichtigste immer wieder auch vor den Anschein stellen, der Uns so blendet und Uns damit auch immer wieder auf- und anzeigen, wie wenig Verantwortung für das persönliche DaSein und für das allgemeine DaSein im Uns bestimmenden noch enthalten ist, wie rücksichtslos noch die Freundlichkeit und das Verständnis missbraucht werden und wie rückhaltlos noch das Vertrauen in Uns und für das DaSein noch im Bestimmenden herumschwebt.

Es ist da, es wirkt also auch, es kitzelt die Neuronen mit Schmerzen, damit Wir irgendwann einmal aufstehen und Uns gelten lassen, wie Wir sind und was Wir sind und was Wir noch alles tun können, ohne Uns beständig bedrohlich und beängstigend und vernichtend auf die Nerven zu gehen. Vielleicht hilft es ja zu begreiffen, das Keines, das Da ist, dafür eine Rechtfertigung oder gar eine Entschuldigung braucht, und ebenso, das Wir endlich anerkennen, dass für wirklich Alle reichlich vorhanden ist, von Allem, das Eines und Alle brauchen: auch wenn der AnSchein noch eine andere Botschaft abstrahlt.
Also, bleiben Sie gesund und mir trotzdem gewogen.

Samstag, 5. Januar 2013

Wir sind das gemeine.

Vom WortUrsprung ist das Gemeine das AllGemeine, das Gemeinschaftliche, ist Jenes, das Allen zusteht, das miteinander getauscht wurde, von ein-Es zu ander-Es und weil es kein-Es ganz und gar besass, war es den einzeln-Es nicht wichtig, es war eine unwichtige Tauschware, so ging das Gemeine vor der Ware unter, denn die Ware war was besonderes, nur für-s ich, ganz alleine und das ist bis Heute so, auch wenn selbst das Eigene Heute oft gemein behandelt wird, ist ja oft auch austauschbare Massenware, auch wenns [ge]mein ist.

Aber trotzdem bleibt die Frage:
Warum wird das Gemeine privatisiert?
Warum wird eine Notwendigkeit für Alle Mitglieder einer Gemeinschaft, in die Hände von Einzelnen oder Wenigen gelegt? Land, Flüsse, Seen, Behausungen, Strassen, Energie, Nahrung, Kleidung, Bildung, Fortschritt, alles in die Hände von Wenigen, damit Diese das verwalten, erhalten, weiter ausbauen und auch davon profitieren. Das sind die Fakten, Menschenweit, bis auf ganz wenige Menschengruppen, die noch GemeinEigentum kennen und gemeinsam pflegen. 

Aber das ist wohl nur in diesen kleinen und abgeschiedenen Gebieten möglich, je mehr Menschen eine Gemeinschaft bilden, umso mehr wird kapitalisiert und privatisiert. Mensch lagert gerne aus, gibt gerne aus der Hand, um die Hände frei zu haben. Für was.

Ist da im Moment und vor allem in Europa, eine Gegenbewegung erkennbar, dass also das Privatisierte wieder in Gemeineigentum zurück übernommen wird: m.a. auch die Wasserversorgung, Stromnetze und "ShareEconomy"?

Oder ist das nur ein persönlicher Wunsch, der aus einem persönliche Mangel an Eigentum entsteht, also: Weil Oliver-August Lützenich kein Haus und kein grosses Bankkonto habe, wünsche ich die Re-Privatisierung der natürlichen und von Menschenhand erschaffenen Erzeugnisse? Was ist Entwicklung und was ist Egoismus?
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Ein aktuelles Standbild vom Berliner KuDamm.
Der grüssende Zipfelmütz, der sitzen müss,
so mitten drinn, zwischen den Bahnen.
Korrespondiert mit dem aktuellen
Beitrag in der SprechLichtung.
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Ich weiss es noch nicht, aber *ich arbeite daran, es heraus und herein zu finden. Denn, es ist mir schon wichtig, zwischen einer persönlichen und einer äusseren Erregung zu unterscheiden.
Wie sagte Claude Lévi-Strauss: "Nur die Unterschiede ähneln sich."

Und wie viel bin Oliver-August Lützenich und wieviel ist die UmWelt in mir?
Da gilt es eine klar erfühlbare und erkennbare (Bewusst-Sein) Grenze zu erregen und zu spüren, sonst verschwimme ich im gemeinen DaSein. Aber genug des ganz persönlichen, zurück zum Geneinen.

Was braucht es, dass Wir das Gemeine als wichtig, ja sogar als Selbst-Begründend anerkennen, was Es ja ist. Wenn Wir also anerkennen, Was ist. Und nicht weiterhin nur einen Schein erkennen, der unklar ist, aber der zum milden überleben bisher reicht.

Was könnten Wir alles erreichen und tun, wenn Wir das spüren und fühlen Was ist, statt meist nur anzunehmen, was Uns so scheint, wie es ist, ist doch so, oder?

Ist das Gemeine vom Schein überstrahlt?
Menschen bringen einander wegen dem Schein um, weil das Andere anders scheint, als Mensch Selbst, weil es zu einem anderen Schein betet, von einem anderen Schein abstammt, oder einfach nur anders erscheint, als Mensch selbst, schwupps wird die Aggro-Kiste aufgemacht und draufgehauen, hier in EU meist nur lautlich, sogar nur innerl-ich, aber woanders wird auch schon mal die Kanone geladen, um das "fremde" Schein zum erlöschen zu zwingen, das ist gemein, aber das ist es eben.

Wann ist das Gemeine das Besondere, das zählt und für Uns wichtig und schützenswert ist, etwas, das eben Uns alle ausmacht und Uns allen gehört: die allgemeine Lebendigkeit!
Das DaSein.

Das Jedes von Uns ausmacht und Uns gehört und nicht von eines ander-Es so einfach ver- oder gar zerstört werden darf, auch oder gerade, wenn Es anders scheint, anders Erscheint, als Mensch Selbst.
Banal, denken Sie.

Na, dann lesen Sie mal Zeitung oder schauen etwas genauer hin, dann werden Sie *mir vielleicht zustimmen, dass das zwar banal sein mag, aber deswegen eben auch alltäglich.
Das Gemeine gilt wenig, da trampeln Wir drauf herum, ohne zu erkennen oder gar zu begreifen, dass Wir Selbst ebenfalls Gemein sind und wie heisst ein weitverbreiteter Menschenspruch:
Was Du nicht willst, dass Mensch Dir tut, das füg auch keines ander-Es zu.

Aber gut, lassen Sie Uns weiterhin zueinander und drumherum Gemein sein.
Ist doch wurscht!
Das jed-Es etwas besonderes ist, uns das also Allen gemein[sam] ist, und somit auch schützenswert, das sollen dann die Maschinen als Verbesserung des und im DaSein entwickeln, Wir können das nicht mehr.
Scheinbar.

Mittwoch, 1. August 2012

Ein A-Philosoph

Bekenntnisse. Ich bin ein A-Philosoph, kein P-Philosoph. Ein angelernter, ein Amateur-Philosoph, kein studiertes professionelles Philosoph. Was ist der Unterschied? Das P-Philosoph ist auch FachMensch im Fach Philosoph, kennt die Struktur[en] und die verschiedenen Richtungen und Ausprägungen genau[er]. Ob Es mehr Philosophen und Philosophien gelesen und studiert und mehr darüber und dazu gearbeitet hat, vor allem aber, was Es von der Lebendigkeit erlebt, erlitten, erfahren und Selbst reflektiert hat, ist jeweils eine Einzelbetrachtung wert; ich vermute, so Manches A-Philosoph ist stärker in die Philosophie eingestiegen als etliche P-Philosophen es vermögen, von deren Werken und Aussagen zur Wirklichkeit und dem Geschehen darin, um die es der Philosophie ja geht, ganz zu schweigen. Ich schreibe das, weil ich die Argumente von Professionellen zu Amateuren jeglichen Fachs kenne und sie auch verstehe, meistens sind sie richtig. Aber bitte beurteilen Sie meine Beiträge vorwiegend nach dem Inhalt und den Aussagen, weniger nach der nicht vorhandenen Fach-Ausbildung; ich weiss, das ist schwierig, das Misstrauen ist gross. Nun gut, zu meiner Unterstützung habe ich ein paar wohlbeleumundete und Ihnen vielleicht bekannte Philosophen gebeten, mir ein paar Zitate zu leihen, Sie haben zugesagt. Während Sie lesen, beobachte ich das Schwinden ihres Misstrauens und erfreue mich daran, denn die meisten Leses wissen: Das tue ich:

Richard Rorty (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Rorty), aus: "Philosophy and the Mirror of Nature", 1979.
Kapitel VI Erkenntnistheorie und Philosophie der Sprache

2. Worüber haben unsere Vorfahren gesprochen?
Auszüge: "Diese Gleichstellung der Vernunft mit den philosophischen Dogmen des Tages spiegelt die Tatsache wider, dass die Philosophie es sich seit dem 17. Jahrhundert zu ihrer Aufgabe gemacht hat der Kultur ein zeitlos neutrales Begriffssystem anzubieten, das auf einer Trennung der Erforschung des Wirklichen - der Disziplin, die auf dem »sicheren Pfad einer Wissenschaft« wandeln - vom übrigen Teil der Kultur basiert.
...
Wenn das Wesen der Philosophie im Ausformulieren des Unterschieds zwischen Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft besteht, so scheint das Infrage stellen gegenwärtiger Formulierungen dieser Unterscheidung die Philosophie selbst in Frage zu stellen und mit ihr die Vernunft (deren wachsame Hüterin die Philosophie ist, sofern sie beständig die Kräfte der Finsternis abwehrt)."

5. Die Philosophie im Gespräch der Menschheit
Auszug: "..., auf welche Weise man zeitgenössische philosophische Fragen als Episoden einer bestimmten Station in einem Gespräch verstehen muss - einem Gespräch das einmal nichts von diesen Fragen wusste und das womöglich wieder einmal nichts von ihnen wissen wird.
...
Die Bedeutung des Fachs Philosophie oder irgendeines genialen Einzelphilosophen für das Gespräch hat sich laufend geändert und wird sich auch weiterhin infolge kontingenter Umstände auf unvorhersehbare Weise ändern. Solche Kontingenzen werden von den Ergebnissen der Physik bis zu politischen Ereignissen reichen. Geben wir den Gedanken auf, dass der Philosoph etwas über das Erkennen erkennen kann, was kein anderer ebenso gut zu erkennen vermag. {das Philosoph als Normalo, Nietzsche vom Berg gekegelt}
...
Es würde gleichfalls bedeuten, dass wir nicht mehr daran glauben, dass es so etwas wie eine »philosophische Methode« oder »philosophische Techniken« oder  den »philosophischen Standpunkt« gibt, die es dem professionellen Philosophen ex officio ermöglichen, beispielsweise über die Respektabilität der Psychoanalyse, die Legitimität zweifelhafter Gesetze, die Auflösung moralischer Konflikte, die »Fundiertheit« der Beiträge historiographischer Schulen oder literarischer Kritiker und dergleichen interessante Ansichten zu haben. Die Philosophen haben tatsächlich häufig zu solchen Fragen interessante Ansichten, und ihre professionelle Ausbildung als Philosophen ist oft eine notwendige Bedingung dafür, dass sie zu diesen Ansichten gekommen sind. Aber dies bedeutet nicht, dass die Philosophie über eine besondere Erkenntnisweise der Erkenntnisse (oder deren Gegenstände) verfügen, aus der sie die relevanten Folgerungen ziehen. Die nützliche Besserwisserei, die sie zu den oben erwähnten Themen beisteuern können, ermöglicht ihnen ihre Vertrautheit mit dem geschichtlichen Hintergrund von Antworten auf ähnliche Fragen und, was besonders wichtig ist, ist der Umstand, dass Antworten auf diese Fragen mit schalen philosophischen Clichés durchsetzt sind, auf die die anderen Teilnehmer am Gespräch in ihrer Lektüre nur gelegentlich treffen, über die die professionellen Philosophen jedoch das Pro und Contra auswendig hersagen können.
...
Das einzige worauf ich betehen möchte, ist das folgende: Das moralische Interesse der Philosophie sollte sich auf die Fortsetzung des abendländischen Gesprächs richten, nicht darauf, dass den traditionellen Problemen der Philosophie ein Platz in diesem Gespräch reserviert bleibt."

Karl R. Popper (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper) hat ein ganzes Buch zur Verbreitung und Verbreiterung der Philosophie geschrieben, vielleicht aus dem Gefühl heraus, dass, was nur nach Innen schaut, eben das Aussen verpasst oder gerne auch umgekehrt. Das Buch trägt den Titel: "Alle Menschen sind Philosophen".

Bei Karl R. Popper fällt mir noch folgendes ein:
In dem Buch: "The Self and Its Brain", von 1977, welches Karl R. Popper mit John C. Eccles geschrieben hat, gibt es einen umfangreichen Teil mit Gesprächen der beiden Philosophen (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Carew_Eccles, John C. Eccles war auch Neuro-Physiologe, mehr dazu bei Wiki), daraus ein Zitat:
Karl R. Popper, John C. Eccles: "Das Ich und sein Gehirn", aus dem "Dialog XI":

John Carew Eccles: "Ich würde ... gerne sagen, dass der Mensch in diesen Tagen seinen Weg verloren hat - was wir die Bedrohung der Menschheit nennen könnten. Er braucht eine neue Botschaft, durch die er mit Hoffnung und Sinn leben könnte. Ich galube, dass die Wissenschaft darin zu weit gegangen ist, dem Glauben des Menschen an seine geistige Grösse zu zerstören und ihm die Vorstellung zu geben, dass er lediglich ein unbedeutendes materielles Wesen in einer eisigen kosmischen Immensität ist. Nun impliziert diese strenge dualistisch interaktionistische Hypothese, die wir hier vorlegen, sicherlich, dass der Mensch viel mehr ist, als durch diese rein materialistische Erklärung gegeben ist. Ich glaube, es liegt ein Mysterium im Menschen und ich bin sicher, dass es wenigstens wunderbar für den Menschen ist, das Gefühl zu gewinnen, dass er nicht nur ein hastig gemachter Überaffe ist und dass etwas viel wunderbareres in seiner Natur und in seiner Bestimmung liegt."

Warum muss das Mensch etwas Besonderes sein, wenn das ganze DaSein doch schon etwas so besonderes ist? Noch mehr herausragen, als Wir sowieso schon tun ist ungesund, vermute ich, dazu auch, aber nicht nur!, der nun folgende Abschnitt von und zu Friedrich Nietzsche.
Vorher noch: Ich vermute viele Erklärungen und Klärungen gewinnen Wir Menschen erst, wenn Wir dieses (natürliche) Bedürfnis nach Heraushebung und Ab-/Besonderung abgebaut haben. Aber zunächst einer der Grossen.

Ohne Friedrich Nietzsche inzwischen keine Philosophie mehr, er hat die Philosophie auf den Berg geschoben, um den Überblick zu erhalten über das Tal und das Flachland, das Wir meistens Alle sind, aber er hat sich darin auch so manches mal verstiegen, was nicht nur ich so empfinde, trotzdem ganz ganz grossartig, was dieser Mensch so gefühlt und empfunden hat und dann mit Sprache daraus gemacht hat.
Das folgende habe ich als Lebensbeichte, Ansporn und auch als sehr langen Witz gelesen, denn ich habe dabei oft gelacht, obwohl Friedrich Nietzsche das bestimmt ernst gemeint hat, obwohl ... ja schon, jedoch bin ich sicher, wenn Er nicht auch bei so mancher Formulierung gemerkt hat wie derb Er dabei auf den Putz haut und nicht gelacht hat, dann hätte Er dieses grossartige Werk, das Er geschaffen hat nicht erschaffen können. Friedrich Nietzsche war ein Wühler ein verzweifelter Aufrüttler, nur hat Ihn damals keiner gehört oder hören wollen oder es hat Ihn kaum einer verstanden, ich verstehe Ihn, ich mag Ihn, ich würde gerne mit Ihm steigen gehen und ich würde gerne mit Ihm derbe Sprüche klopfen und auch mit Ihm auf-m ich etwas hinunterblicken, aber nicht zu weit. Viel Spass und Ernst bei folgendem.

Die ersten Seiten aus "Ecce Homo", geschrieben 1888 - 1898, erst erschienen, aus dem Nachlass, im Jahre 1908.

Wie man wird, was man ist.

Vorwort.

1.
In Voraussicht, dass ich über Kurzem mit der schwersten Forderung an die Menschheit herantreten muss, die je an sie gestellt wurde, scheint es mir unerlässlich, zu sagen, wer ich bin. Im Grunde dürfte man’s wissen: denn ich habe mich nicht „unbezeugt gelassen“. Das Missverhältniss aber zwischen der Grösse meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner Zeitgenossen ist darin zum Ausdruck gekommen, dass man mich weder gehört, noch auch nur gesehn hat. Ich lebe auf meinen eignen Credit hin, es ist vielleicht bloss ein Vorurtheil, daß ich lebe?… Ich brauche nur irgend einen „Gebildeten“ zu sprechen, der im Sommer ins Oberengadin kommt, um mich zu überzeugen, dass ich nicht lebe… Unter diesen Umständen giebt es eine Pflicht, gegen die im Grunde meine Gewohnheit, noch mehr der Stolz meiner Instinkte revoltirt, nämlich zu sagen: Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht!

2.
Ich bin zum Beispiel durchaus kein Popanz, kein Moral-Ungeheuer, — ich bin sogar eine Gegensatz-Natur zu der Art Mensch, die man bisher als tugendhaft verehrt hat. Unter uns, es scheint mir, dass gerade Das zu meinem Stolz gehört. Ich bin ein Jünger des Philosophen Dionysos, ich zöge vor, eher noch ein Satyr zu sein als ein Heiliger. Aber man lese nur diese Schrift. Vielleicht gelang es mir, vielleicht hatte diese Schrift gar keinen andren Sinn, als diesen Gegensatz in einer heitren und menschenfreundlichen Weise zum Ausdruck zu bringen. Das Letzte, was ich versprechen würde, wäre, die Menschheit zu „verbessern“. Von mir werden keine neuen Götzen aufgerichtet; die alten mögen lernen, was es mit thönernen Beinen auf sich hat. Götzen (mein Wort für „Ideale“) umwerfen — das gehört schon eher zu meinem Handwerk. Man hat die Realität in dem Grade um ihren Werth, ihren Sinn, ihre Wahrhaftigkeit gebracht, als man eine ideale Welt erlog… Die „wahre Welt“ und die „scheinbare Welt“ — auf deutsch: die erlogne Welt und die Realität… Die Lüge des Ideals war bisher der Fluch über der Realität, die Menschheit selbst ist durch sie bis in ihre untersten Instinkte hinein verlogen und falsch geworden — bis zur Anbetung der umgekehrten Werthe, als die sind, mit denen ihr erst das Gedeihen, die Zukunft, das hohe Recht auf Zukunft verbürgt wäre.

3.
— Wer die Luft meiner Schriften zu athmen weiss, weiss, dass es eine Luft der Höhe ist, eine starke Luft. Man muss für sie geschaffen sein, sonst ist die Gefahr keine kleine, sich in ihr zu erkälten. Das Eis ist nahe, die Einsamkeit ist ungeheuer — aber wie ruhig alle Dinge im Lichte liegen! wie frei man athmet! wie Viel man unter sich fühlt! — Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Leben in Eis und Hochgebirge — das Aufsuchen alles Fremden und Fragwürdigen im Dasein, alles dessen, was durch die Moral bisher in Bann gethan war. Aus einer langen Erfahrung, welche eine solche Wanderung im Verbotenen gab, lernte ich die Ursachen, aus denen bisher moralisirt und idealisirt wurde, sehr anders ansehn als es erwünscht sein mag: die verborgene Geschichte der Philosophen, die Psychologie ihrer grossen Namen kam für mich an’s Licht. — Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist? das wurde für mich immer mehr der eigentliche Werthmesser. Irrthum (— der Glaube an’s Ideal —) ist nicht Blindheit, Irrthum ist Feigheit… Jede Errungenschaft, jeder Schritt vorwärts in der Erkenntniss folgt aus dem Muth, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich… Ich widerlege die Ideale nicht, ich ziehe bloss Handschuhe vor ihnen an… Nitimur in vetitum: in diesem Zeichen siegt einmal meine Philosophie, denn man verbot bisher grundsätzlich immer nur die Wahrheit. —

4.
— Innerhalb meiner Schriften steht für sich mein Zarathustra. Ich habe mit ihm der Menschheit das grösste Geschenk gemacht, das ihr bisher gemacht worden ist. Dies Buch, mit einer Stimme über Jahrtausende hinweg, ist nicht nur das höchste Buch, das es giebt, das eigentliche Höhenluft-Buch — die ganze Thatsache Mensch liegt in ungeheurer Ferne unter ihm —, es ist auch das tiefste, das aus dem innersten Reichthum der Wahrheit heraus geborene, ein unerschöpflicher Brunnen, in den kein Eimer hinabsteigt, ohne mit Gold und Güte gefüllt heraufzukommen. Hier redet kein „Prophet“, keiner jener schauerlichen Zwitter von Krankheit und Willen zur Macht, die man Religionsstifter nennt. Man muss vor Allem den Ton, der aus diesem Munde kommt, diesen halkyonischen Ton richtig hören, um dem Sinn seiner Weisheit nicht erbarmungswürdig Unrecht zu thun. „Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen, Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt —“
Die Feigen fallen von den Bäumen, sie sind gut und süss: und indem sie fallen, reisst ihnen die rothe Haut. Ein Nordwind bin ich reifen Feigen.
Also, gleich Feigen, fallen euch diese Lehren zu, meine Freunde: nun trinkt ihren Saft und ihr süsses Fleisch! Herbst ist es umher und reiner Himmel und Nachmittag —
Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht „gepredigt“, hier wird nicht Glauben verlangt: aus einer unendlichen Lichtfülle und Glückstiefe fällt Tropfen für Tropfen, Wort für Wort, — eine zärtliche Langsamkeit ist das tempo dieser Reden. Dergleichen gelangt nur zu den Auserwähltesten; es ist ein Vorrecht ohne Gleichen hier Hörer zu sein; es steht Niemandem frei, für Zarathustra Ohren zu haben… Ist Zarathustra mit Alledem nicht ein Verführer?… Aber was sagt er doch selbst, als er zum ersten Male wieder in seine Einsamkeit zurückkehrt? Genau das Gegentheil von dem, was irgend ein „Weiser“, „Heiliger“, „Welt-Erlöser“ und andrer décadent in einem solchen Falle sagen würde… Er redet nicht nur anders, er ist auch anders…
Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es.
Geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.
Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Feinde lieben, er muss auch seine Freunde hassen können.
Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?
Ihr verehrt mich: aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage!
Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen, aber was liegt an allen Gläubigen!
Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So thun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben.
Nun heisse ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren…

Friedrich Nietzsche.

Kann ich mich dem anschliessen? Er steckte noch sehr im Glaubenskampf, in der Phase der Befreiung aus der Religion und ihren Vorstellungen und Traditionen, kein Wunder, Er entstammte schliesslich einem protestantischen Pfarrershaus, mir fehlt diese starke Glaubenseinbettung, obwohl auch ich sicher diese Hintergründe mitbekommen habe, aber ich bin eben nach der Wirkung "Nietzsche" geboren worden und habe vieles von dieser Mythologie und Überhöhung der Religionen schon abgestreift. Ausserdem geht mir das etwas manische, wahnhafte ab, das Nietzsche in den letzten Lebensjahren gepackt hatte, ich kann die Einsamkeit und auch den Frust des Missverstehens nachvollziehen, aber nicht die Überlegenheit, den Grössenwahn, der manche seiner Sätze anschob. Aber was darin an Gefühl, an Wissen, an Aussichten und Einsichten steckt ist Grossartig und fabelhaft formuliert und wenn Mensch den Wahn etwas abklopft auch wirklich witzig.
Nun, ich lasse in Zukunft das A- vor dem Philosoph wegg.
Beschwerden werden gerne angenommen und auch beantwortet.
Aber vorerst genug der Selbst-Rechtfertigung: aber ich sehe ja ein, dass es die auch braucht, bei all den vielen Stimmen und Stimmungen innerhalb der Menschen.
Beste Grüsse!

Dienstag, 5. Juni 2012

Von der Wahrnehmung der Wirklichkeit

Da *ich ein Mensch bin, der mit grosser Unbedingtheit der Wirklichkeit auf die Spur kommen möchte, - lesen Sie dazu auch den Beitrag "Die Erregung der Schönheit", vom Mai 2012 -, und wenn ich denn auf der Spur bin, auch der Wirklichkeit ansichtig werden möchte, Nein, Halt!, ich habe den Satz falsch angefangen, denn, ich bin selbstverständlich in der Wirklichkeit, ich bin auch Wirklichkeit, deshalb stehe *ich ja nicht ausserhalb und kann einer aussenstehenden, einer aussen-seienden Wirklichkeit auf die Spur kommen, sie also suchen, verfolgen und dann sehen, das sind falsche Verben und falsche Bilder.

In Wirklichkeit (ja!) möchte *ich die Fehlstellungen in den Sinnen korrigieren, die ein falsches oder verzerrtes Bild von/in der Wirklichkeit, in Oliver-August Lützenich erregen/erzeugen. Und *ich möchte diese Sinne, die vielleicht erst ein SELBST, ein einziges Individuum ausmachen, zumindest mit-ermöglichen, beständig erweitern: sowohl nach Aussen, als auch nach Innen. Das Gespür, die Wahrnehmung, die Sinne, also drei Begriffe für ein System von Rezeptoren, die, in Jedes Selbst, sowohl nach Innen in die Gefühle und Gedärme hineinspüren, als auch in die nahe und ferne Umgebung hinausspüren, so empfinde *ich das.

Ein wenig persönl*iche Philosophie.
Warum machen die Sinne, die Wahrnehmung, vielleicht erst ein unterscheidbares Selbst aus?
Weil die Wahrnehmung einen Ort braucht, an dem das Wahrgenommene, von den Sinnen, zusammengeführt wird und erst dort ein EinzelErgebnis ergibt. Zum Beispiel ein LebeWesen, und darin auch einen Menschen. Etwas Wahrnehmen ist immer Abgrenzung, ist immer Vereinzelung, ist Besonderheit. 

Das SEIN nimmt nicht als Ganzes wahr, es IST. Um etwas in Unterscheidung zu etwas Anderem zu spüren, zu fühlen, braucht es Abstand, Distanz, also mehrere Orte. Das SEIN ist, so philosophiere *ich das, ein Einziger ORT, ohne Besonderheit, ohne Verschiedenheit, um diese zu schaffen, braucht es die RaumZeit. Das SEIN hat somit das DaSein "abgesondert" (*ich verwende diesen Begriff dabei ganz nüchtern, ohne die schmerzliche Aufladung, die das Begriff im Alltagsgebrauch enthält. Obwohl *ich selbstverständlich nicht weiss, ob diese Absonderung des DaSein im SEIN, für das SEIN nicht doch auch schmerzhaft ist?), um die Wirklichkeit zu fühlen und zu spüren; und damit Auch ES SELBST. Wenn das SEIN es fühlen und wissen wollte, brauchte ES Distanz und etwas Anderes, die Frage ist somit, woher hat das SEIN, das ALLES ist, das Fremde hergenommen oder auch geschöpft?

Das braucht noch weitere Ausführungen und Verfeinerungen, aber mir ging es Heute nur um einen Artikel, um eine Bemerkung, die das eingefahrene Denken, die das vertraute, das gewohnte DaSein in Frage stellt, somit Anreiz zum Nachfragen, Entrümpeln und vielleicht zur NeuOrientierung ist. Gerade in einer so aufgeladenen RaumZeit wie der aktuellen. Der Artikel folgt nach dem Gemälde und ich werde meine Gedanken dazu auch noch weiter ausbauen, hier und in anderen Beiträgen.

Zum Gemälde.

William Turner malte und zeichnete hervorragend und Augengetreu, aber Er merkte, wie andere Zeitgenossen auch und fast alle grossen Nachfolger, dass dieser Augeneindruck nur Eines von vielen Angeboten des Wirklichkeit ist, Es (das Wirklichkeit. Oder braucht Wirklichkeit ein (grammatikalisches) Geschlecht?) wahrzunehmen, Es anzunehmen und zu interpretieren, und Er versuchte, in diesen reinen SehEindruck, die anderen SinnesEindrücke, auch die im Inneren, mit hineinzumischen, also das Gefühl, die innere Stimmung, und das Gespür, die äussere Stimmung.
Wenn William Turner das einigermassen gelungen ist, sind seine Gemälde (mich fast) überwältigende Meisterwerke.
Hier also eines davon:
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William Turner, "Norham Castle, Sunrise"
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Aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 26. Mai 2012.
Von Jens-Christian Rabe.

Titel: "Schnelles Denken, langsames Denken" Misstraue dem Vertrauten!

Daniel Kahnemann liefert mit "Schnelles Denken, langsames Denken" das Buch zur Bewegung: Warum man mit den Lehren der Verhaltensökonomie die Piratenpartei verstehen kann.


Die Bücher heißen "Fallstricke", "Raus aus der Grübelfalle!" oder "Die Kunst des klaren Denkens", sie stehen auf den Bestsellerlisten weit oben, in den Buchhandlungen direkt neben der Kasse und sie kennen den Weg zum besseren Leben. Aber sie wollen keine lebenspraktischen Allerweltsratgeber mehr sein, keine öden Oden auf den gesunden Menschenverstand. Diesmal nicht. Diesmal werden mit den Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Verhaltensökonomie und Psychologie ungnädig unsere alltäglichen Denkfehler enttarnt.

Am weitesten hat es damit hierzulande bislang der schweizer Unternehmer und Autor Rolf Dobelli gebracht. Seine so nüchterne wie lehrreiche Kolumnensammlung "Die Kunst des klaren Denkens - 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen" steht seit Monaten auf der Spiegel-Sachbuch-Bestsellerliste ganz weit vorne. Wie so viele Ideen in der Kategorie "Populäres Sachbuch" ist auch diese ein amerikanischer Import. Die Vorbilder stammen von Cass R. Sunstein, Richard H. Thaler oder Jonah Lehrer.

Allen gemeinsam ist, dass sie gegen das in der westlichen Wirtschaftswissenschaft noch immer erstaunlich mächtige Paradigma des Menschen als animal rationale - also als stets vernünftiger, unter Berücksichtigung aller verfügbaren Informationen kalkulierender Nutzenmaximierer - das animal irrationale in uns betonen. Sie sind Psycho-Detektive, immer auf der Suche nach systematischen Fehlern des Urteilens und Handelns.

Sie fragen sich, warum etwa Fußballtorhüter beim Elfmeter zu 50 Prozent nach rechts und zu 50 Prozent nach links springen, obwohl die Schützen zu einem Drittel nach rechts, zu einem Drittel nach links und zu einem Drittel in die Mitte zielen (weil der Keeper im Falle eines Tors besser aussieht, wenn er irgendwohin gesprungen und nicht nur regungslos herumgestanden ist - das ist der sogenannte "Action Bias", der leider auch bei der Geldanlage ein große Rolle spielt).

Warum der Mensch umso stärker an einer Aktie festhält, je mehr er mit ihr verloren hat (weil wir glaubwürdig erscheinen wollen und deshalb Widersprüche scheuen). Oder warum wir für etwas, das wir besitzen, beim Verkauf mehr Geld verlangen, als wir selbst bereit wären, dafür auszugeben (weil wir Dinge, die wir besitzen, als wertvoller empfinden als Dinge, die wir nicht besitzen - die Wissenschaft spricht dabei vom "Endowment-Effekt").

Der Erfolg, den die Denkfehler-Detektive, deren Daten manchmal schon 30 Jahre alt sind, gerade jetzt haben, dürfte alles andere als Zufall sein. Die Wirtschaftskrise wurde von so gut wie allen bis dahin für kompetent gehaltenen Beobachtern schlicht nicht vorhergesehen. Die Krise ist deshalb viel mehr als nur ein wirtschaftliches und politisches Unglück. Sie ist vor allem eine kollektive intellektuelle Kränkung. Eine gigantische Menge scheinbar sicheren empirischen Wissens erscheint plötzlich vollkommen falsch. Seither steht das gesamte "System" in Frage und systemkritische Bewegungen wie Occupy oder die Piratenpartei profitieren davon.

Wer nun das seit wenigen Tagen auf Deutsch erhältliche, eindrucksvolle Buch "Schnelles Denken, langsames Denken" (aus dem Englischen von Thorsten Schmidt. Siedler Verlag, München 2012, 610 S., 25 Euro) von Daniel Kahneman liest, dem wird umso deutlicher, dass die Verhaltensökonomie derzeit eine komplette Revision unseres Problemlösungsgewohnheiten vornimmt. Mit dem 78-jährigen israelisch-amerikanischen Psychologen betritt jetzt also auch der wichtigste und berühmteste der Zunft das Feld. 2002 erhielt er für die gemeinsam mit seinem bereits 1996 verstorbenen Freund und Forschungspartner Amos Tversky entwickelte "Prospect Theory" den Wirtschaftsnobelpreis.

Die 1979 konzipierte "Prospect Theory" oder "Neue Erwartungstheorie" bewies entgegen den Lehrmeinungen der Wirtschaftswissenschaft, dass der Mensch Verluste stärker verabscheut, als er Gewinne liebt. Wenn wir eine Entscheidung treffen oder ein Problem lösen sollen, dann sind wir demnach keine rein rationalen, nüchternen Nutzenmaximierer. Entscheidend ist weniger das Problem an sich, sondern unsere Wahrnehmung des Problems.
Jargonfrei erzählt, detailreich, aber anschaulich

Die "Neue Erwartungstheorie" wird im Buch natürlich ausführlich erklärt. "Schnelles Denken, langsames Denken" ist in vierzig Kapiteln, die jeweils von einem wichtigen Forschungsergebnis handeln, aber nicht nur die Geschichte eines einzelnen Forscherlebens, sondern so etwas wie eine Enzyklopädie der gesamten Verhaltensökonomie geworden.

Dabei ist es jargonfrei erzählt, detailreich, aber anschaulich, mit vielen persönlichen Anekdoten, fast leichtfüßig. So leichtfüßig, dass der Autor das Buch beinahe gar nicht fertig geschrieben hätte. Er mochte es zunächst nicht, befürchtete, es werde seinen Ruf ruinieren. Erst das wohlwollende Urteil von vier Experten, die er das Manuskript für je 2000 Dollar anonym begutachten ließ, bewegte ihn zur Fertigstellung. Was für ein Glück. Auf beinahe jeder Seite liest man von psychologischen Experimenten, Gedankenspielen und Statistiken, die Verblüffendes über die Unzuverlässigkeit unserer Intuitionen ans Licht gebracht haben, über Selbstüberschätzungen, die unterschätzte Bedeutung des Zufalls und darüber, wie kurze negative Erfahrungen unsere Erinnerung nachhaltig trüben, wenn sie sich nur zum richtigen, also falschen Zeitpunkt ereignen - also am Ende von Erlebnissen.

Man erfährt, wie stark der sogenannte "Ankereffekt", tatsächlich wirkt. Ein Experiment Kahnemans und Tverskys ergab etwa, dass bei der Schätzung des Prozentsatzes afrikanischer Staaten in der UN die Höhe der Antworten massiv davon beeinflusst werden, welche Zahl ein Probant kurz vorher an einem Glücksrad gedreht hat. Je höher die Zahl am Glücksrad, desto höher danach der geschätzte Prozentsatz afrikanischer Staaten in der UN. Weniger harmlos klingt es, wenn Kahneman berichtet, dass in einem Experiment erfahrene deutsche Richter eine Ladendiebin zu einer höheren Haftstrafe verurteilten, wenn sie zuvor eine hohe Zahl gewürfelt hatten.

Zeitdiagnostisch virulent wird es dort, wo Kahneman der "Kompetenz-Illusion" der Wertpapierhändler in einer Vermögensberatung auf den Grund geht: Die Händler "selbst sahen sich als kompetente Fachleute, die einer seriösen Arbeit nachgingen, und ihre Vorgesetzten sahen das genauso". Tatsächlich ergab die statistische Auswertung ihrer Erfolge, dass sie ein reines Zufallsspiel spielen. Wahrhaben wollten sie es nicht. Kahnemans lakonischer Schluss: "Die Kompetenz-Illusion ist nicht nur ein individueller Urteilsfehler; sie ist tief in der Kultur der Wirtschaft verwurzelt. Tatsachen, die Grundannahmen infrage stellen - und dadurch das Auskommen und die Selbstachtung von Menschen bedrohen -, werden einfach ausgeblendet."

Bei der Frage, wann "man einem erfahrenen Fachmann trauen kann, der behauptet, eine sichere Intuition zu haben", ist man schließlich natürlich schnell in der deutschen Gegenwart - und bei der Piratenpartei angekommen. Die Antwort Kahnemans lautet: Nur wenn es in der für seine Expertise relevanten Umgebung des Experten stabile Regelmäßigkeiten gibt. In der Finanzwelt oder auch der Politik sei das nicht der Fall. Ereignisse in diesen Sphären seien grundlegend nicht vorhersehbar.
Im Zentrum: Misstrauen

Die ostentative Weigerung der Piraten, Politik wie alle anderen als ein Spiel zu begreifen, in dem geschmeidige Überzeugungen und Überredung den Status Quo erhalten wollen, hat genau hier ihre Rechtfertigung. Die etablierte Politik will sagen: Lieber Wähler, alles in allem können Sie dem Vertrauten trauen. Die Lektion der Verhaltensökonomie lautet dagegen: Misstraue dem Vertrauten! Und ihr Versprechen - womit wir auf der schattigeren Seite des Phänomens sind - ist, dass so etwas wie eine ideologiefreie Ideologiekritik möglich ist. Aufklärung wäre dann kein moralisches Problem mehr, sondern ein Trick zur Selbstverbesserung, zu dem der Mensch eben auch gezwungen werden kann.

Mit anderen Worten: Wenn der amerikanische Anthropologe David Graeber mit seinem Buch "Schulden - die ersten 5000 Jahre" das Buch zur Occupy-Bewegung geschrieben hat, dann hat Daniel Kahneman das Buch für die Piratenpartei geschrieben. Im Zentrum ihrer Mentalität steht genau diese, für das Zeitalter des Internets typische, eher passiv-aggressive Haltung: Misstrauen. Vor allem gegenüber sämtlichen Autoritäten, die die Krise gerade so brutal desavouiert hat. Die Piraten wissen selbst noch nicht allzu viel, aber eines - daraus übrigens speist sich die merkwürdig unpolitische, auch autistische Arroganz, die das Establishment in jeder Talkshow wieder auf die Palme bringt - eines wissen sie genau: Die anderen wissen sehr, sehr viel weniger, als sie selbst zu wissen glauben.
Schau nach bei Daniel Kahneman!

Ende Artikel.
Guten Tag.