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Samstag, 24. August 2013

Die Trauer; Kurz vor der Wahl

Dieses Beitrag hatte *ich schon vor über einem Jahr eingestellt.

Ist bald klar, warum *ich es jetzt wieder aus dem UnterGrund hervorhole, um es noch einmal ganz oben einzubringen. Weil ich überprüfen möchte, ob ich noch dazu stehe, oder ob *ich inzwischen anderer Meinung dazu bin.

Da bin ich aber mal selbst gespannt!
Das Neue, falls es etwas gibt, färbe ich so ein.
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SommerBlumen vor StadtTheater.
Hat was mit dem Beitrag zu tun.
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¡Aus-LinksMit[?]teRechts-sen!
Ein politischer Zirkelschluss.

Was die Linke auflösen möchte, muss (und das möchte ich sofort vorwegg betonen, für mich steckt im "müssen" viel mehr Freiheit, als es nach Zwang klingt, das steckt dem "muss" schon in den Wurzeln drinn - fragen Sie dazu Ihren EthnoLinguisten oder ein gutes Herkunfts-Lexikon - inzwischen haben Wir schon ziemlich viele Chancen, die in Massen im "muss" drinn waren, verspielt, geblieben ist fast nur noch das bisschen Zwang, der ja nun auch in jeder Bewegung enthalten ist, und wegen unserer Chancenverwertung und die ist nun mal überaus grosszügig und irgendwann ist jedes Wort drann, den Reiz zu verlieren und nur noch schwer über die Lippen zu entkommen, und das gelingt vorwiegend noch für) die Rechte überwinden und die Mitte ausdörren.

Was die "Extreme" ablösen möchte, muss für eine andere Aufhängung / Einhegung der Einzeln-Es in der Gesellschaft sorgen. Das einzeln-Es braucht Geborgenheit und Perspektive, aber keine Fremd-[Selbst-]Bestimmung oder eine Abgabe der Möglichkeiten des SELBST, an der "Garderobe" der Gesellschaft. 

Anarchie (Obrigkeitslosigkeit) alleine ist deshalb nicht die Lösung, sondern nur eine Verschiebung auf später (Was habe ich bei diesem Satz gedacht? Ich weiss es nicht mehr, aber ich lasse den Satz erst einmal so stehen, vielleicht fällt mir später noch etwas dazu ein, falls, werde ich es so einfärben).

Demokratie ist ein Zwischenschritt in der Entwicklung des Zusammenerlebens von Einzelwesen, diese Übertragung von Entscheidungen und der Verantwortung dafür, auf Wenige, auf Andere, auf die "Gesellschaft" ist vorübergehend.
Und die Anarchie wird ein politisches Kunstwerk bleiben: an die Wand damit. (Hmm!?)

Eine kleine politische Selbst-Erkundung:

Für was steht Links, oder fällt es gerade?
Für Soziales, für Solidarisches, für Fortschritt, für Geringbesitzer und -verdiener, für die Sorge um die HabeNichtse, für die Aufhebung von Grenzen im Inneren, wie auch im Umfeld, für die Internationalität, für das "gehobene" Mittelstandskind, das gegen die Armut und Ausbeutung kämpft, um damit die "Oberschicht" auszuheben, es ist auch gerne Grün, steht also für ein Schein-Interesse zur persönlichen Aufstiegsbefriedigung, aber auch für die bessere Aufklärung der persönlichen Herkunfts-Gruppe, ist für mehr Stadt, für mehr Kunst, für links überholen, für ein mehr an Freiheiten, besonders für die Klein- und Mittel-Bürgerlichkeit.

Für was steht Rechts, oder wankt es jetzt?
Für Besitztum, sogar für Reichtum, für das Land, für Landbesitz, kauft gerne Kunst, ist auch inzwischen gerne Grün, für stabile Unbeweglichkeit; ist für das Aufrichten, den Schutz und die Verteidigung von Grenzen nach Innen, wie nach Aussen, also für die Absonderung von Anderen, für die Zugangsbehinderung der EinRichtungen innerhalb der Grenzen und für die striktere Hemmung des Eintritts von Ausserhalb, für die Beschränkung des Aufstiegs der Anderen, für die Beschränktheit der Mehrheit, für die rechte Standspur, für alle Freiheiten für einen und ein paar wenige andere Selbst, genommen vom Freiheitskonto der Anderen.

Für was steht die Mitte?
Die nimmt, was gerade angesagt ist, aus / in der Mehrheit, dort gilt der Grundsatz: „Omnis determinatio est negatio.“ (Baruch de Spinoza, Epist. 59) = "Alle Bestimmung ist eine Negation", deshalb liegt in der Mitte die "Klarheit" in der Bestimmtheit der Verneinung und der Unbestimmtheit der BeJahung, um die Mitte ist stets Betrieb, da kommen fast Alle mal durch, meistens sind dort die grössten Ein- und Ausgänge, die Kantinen sind fast immer nahe der Mitte, auch sind dort am häufigsten die Waschräume und die Toiletten zu finden. In D sind Links wie Rechts ziemlich ausgedünnt, fast Alle stehen inzwischen in der Mitte herum, mal etwas linkser, mal etwas rechtser, mal grüner oder auch ein klein wenig unentschiedener, wie die Liberaldemokraten. Liberaldemokraten? Wo hatte ich die denn her? Falls damit die FDP gemeint war, dann war das eine falsche Einschätzung von mir, denn die FDP ist eine streng rechte Partei, die in der Mitte nur das Wort durchführt, weil sie rechts aussen, wo sie vom Gefühl her fest steht, seit Gründung, kaum mehr etwas sagen kann, bei unserer Vergangenheit, ohne Sturm zu ernten, aber das Denken ist doch noch frei, oder, denkt die FDP, ohne zu bemerken, dass das Denken (Gefühl?) auch in das Handeln einfliesst und da ist für Aufmerksame die Position im Spektrum der FDP nach ein wenig Beobachtung kenntlich. Für mich hat die FDP nur sehr wenig Mitte zu bieten, auch wenn die Mitglieder dort immer gerne durchlaufen; weil dort die Fressnäpfe stehen, vielleicht. Einen bemerke ich, der die FDP als Rechte wieder kenntlich machen könnte, Christian Lindner, aber noch ist die Stimmung nicht reif für dieses "Coming Out". Dieser Instinkt geht diesem Menschen nicht ab, ich freu mich drauf, auf diese klare Positionierung, denn Fressnäpfe und deren Abflüsse kann Mensch doch auf auf der rechten Seite anbringen, oder?

Für was steht die Liberalität? Die steht für nichts Gerade, nimmt aber von Rechts mit, was sie so kriegen kann und klopft links gerne auf Schultern, das kostet wenig, aber treibt es ansonsten lieber mit allen in der Mitte, dabei ist dann kaum Haltung nötig, da ist Anlehnung genug vorhanden, denn dort stehen im Moment eigentlich Alle und suchen Nähe und was zum Mampfen (Cash, Dienstwägen und Aufmerksamkeit, für dasJenig-Es, was mich noch missversteht), hihihi. Oder? Liberale gibt es also sowohl Links, als auch Rechts, wie in Grün, aber die Meisten treiben etwas flüchtig in der Mitte herum.

Ja, wir deutschen Menschen sind inzwischen ein ziemlich mittiges Volk geworden, Extreme sind uns, klar warum, im Augenblick eher unangenehm, die Scham fordert das von uns, wenn wir die auch mal langsam wieder loswerden wollten, aber ...
Sie wissen, dieses vermaledeite "aber", keine Festigkeit und Dauerhaftigkeit im DaSein, nicht mal für 5 Minuten, was wollte ich schreiben? Ach ja, aber die Scham werden wir erst los, wenn wir deutschen Menschen uns lückenlos zu dem Schrecken, dem Terror und der Vernichtung bekannt haben, den wir DeutschÖsterreichen vor 3 Generationen begonnen haben, wenn wir anerkannt und begriffen haben, was wir da auch mit uns und an unseren Nächsten und Mit-Bewohnern an Furcht, Elend, Gemetzel und Trauma angerichtet haben. Die Scham wird erst einer pausbäckigen fröhlichen DaSein-Freude weichen, wenn wir deutschösterreichischen Menschen und da beziehe ich auch die deutschösterreichischen Menschen ein, die ausserhalb der deutschen Sprache gezeugt und / oder geboren wurden oder deren Vorfahren ausserhalb der deutschen Grenzen geboren wurden (Wenn ich da weit genug zurückgehe, bleibt auch von dem "deutschen" bald nichts mehr übrig, da bleibt dann bloss noch das Mensch übrig, rein und klein und unbedarft, aber soweit müssen Wir erst wieder kommen, dass Wir diese überland- und spreches-Grenzen weniger wichtig nehmen können, als es Heute noch Fakt ist.), wenn also wir deutschösterreichischen Menschen endlich trauern, trauern, mit den vielen Mit-Menschen, die wir "deutschösterreichischen" Menschen verjagt, gequält und in Massen getötet haben. Trauern! Nicht fassungslos oder belämmert vor oder in Gedenkstätten herumstehen ,in schwarzen Klamotten ,und wohlfeile Bekümmerungs-Reden halten. Das ist Scham-Geklinker und -Getue, aber kein Mit-Einander trauern. Uns fehlt - und nebenbei, das gilt für fast alle europäischen Nach-Kolonial-Menschen - die Aufrichtigkeit des Mit-Empfindens, uns fehlt die Grösse im Gefühl und damit auch die Grösse im Bewusst-Sein, was wir im Dritten Reich  - oder schon weit davor - den "fremden", anderen oder auch beneideten Menschen in und um uns herum, angetan haben, bis Heute, eben, Jetzt. Aber die Trauer ist nun mal menschenweit das beängstigendste und meist unterdrückte Gefühl. Vom  LEID (nicht nur Schmerz) wird die Trauer unterdrückt, von der FREUDE wird die Trauer überspielt. Warum?
Vielleicht, weil die Trauer das innigste Gefühl der Nähe zueinander ist, das stets erregt ist, wenn diese Nähe weicht, wenn also der Abstand zueinander und voneinander weiter wird. Der Tod, ich präzisiere: der plötzliche Tod, ist dabei die extremste Form der Erregung, sowohl der von nahen Mit-Menschen, aber auch der persönliche Abschied von der einmaligen menschlichen Lebendigkeit erregt die Trauer.
Die Scham würde also, nach meiner Erkenntnis, erst dann weichen, wenn Wir den Abstand voneinander erweitern und diese Erweiterung angemessen betrauern, und eben auch genau das, was wir deutschösterreichischen Menschen gemeinsam getan und angetan haben, den "Feinden" und auch denen, die wir für nicht-deutschösterreichische Menschen gehalten haben, oder erst dazu machten.
Eins möchte ich dabei aber auch noch betonen: Mit merklicher also noch nicht einmal sehr bedeutender Freiheit, hatte das deutsche Handeln bisher recht wenig zu tun, das ist auch klar. Die "Deutschen" waren immer in die Umgebung eingebettet und davon auch stark beeinflusst - wie alle anderen Menschen und MenschenGruppen -, deshalb ist ein wichtiger Prozess bis zur aufrichtigen und wirkungsvollen Trauer des "deutschen" Menschen, sicherlich der, die Mit-Erregungen an den deutschen Miss- und Handlungen aus der nahen und ferne[re]n Umgebung mit einzubeziehen, in die Scham. Vielleicht ist das ja mit ein Grund, warum wir deutschen Menschen bisher nur bis zur äussersten Scham erregen/fühlen und mit-empfinden können, weil die Umgebung ihren Anteil an "unserem" Tun nicht anerkennt oder bestenfall halbherzig. Aber Sie, die Leses hier, wissen, es ist nun mal bis Heute so, das immer das Messer oder der Mörder schuld sein muss, alle Anderen sind stets fein raus, atmen auf und denken dabei "Gott sei Dank!" oder ähnliches, in schā'a llāh vielleicht, was weiss ich hier schon, ich Tropf, und weil Kein-Es irgendeinen Einfluss von Ander-Es spürt, obwohl das Fakt ist, oder?, spüren will und weil wir also einander so nahe sind, ohne es zu wissen, gelingt die Trauer nicht. Also schlecht, dann bleiben Wir eben in der Scham stecken, müssen Wir nicht trauern, dass Wir langsam auseinandergehen, und zwar in fast jede Richtung, dann fehlt Uns halt weiter dieses Eingeständnis. Dass Wir zwar tun und merken, jedoch einfach nicht bemerken wollen, also im Bewusst-Sein eingestehen und dann auch einfach mal losheulen. Also gut, das ist jetzt zu einfach geschrieben, ich gebe es gerne zu, da braucht es schon noch die Klärung so mancher Kleinigkeit und Grossigkeit im Mit-Einder des Menschen, bis Wir soweit sind, Unsere Erweiterung hin zu mehr Freiheit mit- und von-Einander zu betrauern. Aber das wird wohl noch sehr lange dauern, denn, wenn ich ein wenig in die Ferne blicke, so nahe an Europas Süd-Osten, dann spüre ich dort kaum ein Ein-Verständnis mit-Einander, sondern gewaltvolle FlurBereinigung, mit allem nur möglichen Eiffer und Terror, das einen europäischen Menschen doch sehr an die Bedingungen hier in Europa vor nicht ganz 400 Sonnenumkreisungen erinnert, dass die Entwicklung Dort etwas schneller hin zu der Friedlichkeit, GleichGültigkeit (Sie bemerken bitte, dass ich die GleichGültigkeit als etwas sehr GUTES und Befreiendes beAchte, Danke) und Bedachtheit ablaufen wird, weiss ich auch, Wir sind schliesslich ein Vorbild, das den europäischen Menschen damals fehlte.
Aber genug der Einfügungen, sind ja schon mehr, als der ursprüngliche Beitrag, also ...

Politik ist KEIN Witz, aber so wird sie meist beTRIEBen.
Politik ist im besten Fall die aufrichtige und umsichtige Sorge, um die Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft und deren Fortentwicklung zu mehr Wohlergehen, bestmöglicher persönlicher Aufgeklärtheit und Souveränität; Politik schafft sich im besten Fall also auf Dauer ab, um den Einzelnen, wenn diese Aufklärung im persönlichen und allgemeinen DaSein erreicht ist, wenn Jedes Einzelne die Selbst-Entscheidung übernimmt, und Jedes MitGlied die Mit-Verantwortung für die Gemeinschaft begriffen hat. Aber das ist nur ein Ideal. Fakt ist, Politik ist, wie die Menschen und die sind von diesem Ideal noch meist weit entfernt, aber Mensch träumt ja gerne, auch grün;-) Aus der Traum! Zurück ins Hier und Jetzt und Heute.

Wie steht es mit den Extremen?
Die Extremitäten sind in alle Richtungen und Ausprägungen ziemlich Gleich, fast austauschbar. In der Ignoranz der Verhältnisse, in einer trotzigen Verweigerungshaltung, in einer total verkrampftem Ablehnung abweichender DaSein-Entwürfe und DaSein-weisen, in einer kräftigen, teils brutalen, mörderischen Abwehr jeden Versuchs der Öffnung und Erweiterung der STAND-Punkte.
Die Extremitäten sind die Klammer, die Verbindung zum Äussersten, an ihnen, zwischen ihnen, ist die Lebendigkeit aufgehängt; die Extremisten sind das jeweils Äusserste [je]der gesellschaftlichen Organisation (Politik), sie sind die Klammer zur Verhinderung der Gesellschafts-Auflösung, dazwischen hängen die verschiedenen anderen Ausgestaltungs-Modelle und Farben. Deutschland hat eines der extremsten Modelle und Farben gelebt und erlitten. Die Folgen sind bekannt und bis Heute nicht (heil-sam (ist "gesundend" besser?)) aufgearbeitet, weder für die Getöteten, die Leidenden, noch für die Mörder, oder die Profiteure dieses "deutschösterreichischen" Extremismus.

Wann sind Wir bereit das Lagerdenken zu beenden?
Wann lösen Wir die Gesellschaften innerhalb des Ganzen (der Menschheit, der Spezies) auf? Wann nehmen Wir das Ganze an? Die Frage ist dann jedoch, selbst wenn alle "Unterorganisationen" der Menschheit in einer Gesamtgesellschaft aufgehen, löst das das "Problem" des Extremismus?

Aber *ich gebe zu, das zu denken oder gar anzugehen, ist verdammt schwierig, denn im Moment sind die freien, emanzipierten, wissenden, friedlichen und egalitären Menschen von anderen Menschen umgeben, die das (freier, offener denkend und handelnd) weniger oder sogar noch weniger sind, statt Gesellschaftsformen und -Modelle inFrage zu stellen, sind sie gerade erst dabei grössere (Nationen, Staaten) zu bilden und zu festigen, mit allen Extremen, die z.B. Wir in Europa bereits getan und gelebt haben.
Wie wollen Wir damit umgehen?

Ist diese Bewertung überheblich?
Nicht von *mir. Sie ist nüchtern, da mir in / mit jeder Faser klar ist, dass *ich gleich-wertig mit allen anderen Menschen bin, ohne die nüchterne Summierung von Fakten und deren Analyse davon beeinflussen zu lassen. Ich brauche weder ein Tal noch einen Berg, zum Betrachten der MitLebeWesen, mir reicht die selbe Ebene.  

Montag, 20. August 2012

Vom Wert der Lebendigkeit

Gedanken nach und zu einem Beitrag aus der Hölle.

Eine in mir fortlaufend gestellte Frage lautet: Was heisst es, aus Katastrophen, Verbrechen, Unglücksfällen oder auch dem Glück, der Freude und dem Wohlgefallen zu lernen?

Das Natur (hat Natur ein Geschlecht? Also warum "die"? Gewohnheit?) "lernt" mehr oder weniger zufällig und baut das gelernte durch Erfahrung. Mutation und Selektion (Evolution) z.B. auch in das menschliche Ich {= alle Selbst} ein.

Das Mensch ist das Vermögen auch in logischen Schritten zu lernen, - also den Zufall zu ordnen (!) -, kann also im voraus lernen, voraus denken und planen und bewusst die Zukunft mitgestalten, weit mehr bewusst, als es das Natur schon tut, auch in Uns.

Das DaSein ist bewusst, das zeigen auch wir DaSeienden. Aber wie geschieht das und was müssen Wir aktiv dazu beitragen, das Wir mehr als nur natürlich lernen und schmerzhaftes noch mehr vermeiden, als das bisher schon mit Uns geschieht?

Zum Beispiel aus das Hölle.

Aus Berichten aus das Hölle.
Ohne das Wissen von und die Berichte aus der Shoah, stellte ich als junger Mensch, Schauergeschichten verschlingend oder auch in der Bibel lesend, öfter die Frage: Was ist die Hölle, wie ist die Hölle?

Ist das Hölle nach dem Tod, oder ist Es davor, ist das Hölle nur oder auch innerhalb der Lebendigkeit? Sie entscheiden Selbst.

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Wand Kunst an der Prenzlauer Allee, 
in Berlin-Mitte
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Meinen persönliche Ansicht ist: das Hölle ist ein Geschehen innerhalb der Lebendigkeit, das Tod ist für das Hölle nicht vorgesehen. Wenn das Tod ein Bereich im SEIN ist (Sie werden noch lesen, wie entleert oder auch entehrt dieser Begriff - SEIN - ausserhalb von *mir war und noch ist, für mich ist er inzwischen VOLL, so VOLL, das ALLES und JEDES darin enthalten ist, auch und selbst (Selbst?) das Nichts, also auch Sie (nehmen Sie es mit Humor;-)), so hat die Hölle darin - im Tod - keinen Platz.

Hölle braucht Gefühle (vor allem den Schmerz!), Gespür und Bedürfnisse und zwar eine grosse Spanne davon, und ich bin gewiss, der Bereich des Todes im SEIN kommt sehr gut OHNE das Alles aus. Aber über den Inhalt der Wirklichkeit (SEIN) wird im folgenden noch verhandelt.

Waren Sie schon mal in dem Hölle, in einem kurzen oder kleinen Hölle vielleicht? 
Nein.
In einem anderen vielleicht, oder haben vielleicht mal an einem geschnuppert oder sind daran vorbei gegangen oder auch schnell durchgefahren?

Nein. Dann ist Ihnen also etwas erspart geblieben, und Sie sind in der bevorzugten Lage "nur" immer um das Paradies herumgelebt zu haben, vielleicht sind Sie ja gar ein bewohn-Es des Paradieses, Sie glücklich-Es!

Wenn Sie also ein Urteil zum Weltgeschehen abgeben, zum Ablauf der RaumZeit, zu Unserem Umfeld, zu Ihrem Umfeld (falls Sie nicht Berlin-Kreuzberger sind), fehlt Ihnen da gewiss ein wichtiger Einblick, und nicht nur das, Ihnen fehlt ein wichtiges erLeben, die Lebendigkeit in aller Vielfalt zu bemessen: das Erlebnis des Hölles.
Belehren Sie mich, falls Sie das anders spüren oder gar fühlen.

Sind Sie also schon mal richtig geprügelt worden, geschlagen und getreten, auch zwischen die Oberschenkel; mussten Sie schon tage- oder wochenlang isoliert und hungrig in einem versperrten, vielleicht sogar verdunkelten Raum zubringen, hatten Sie schon Todesangst, oder haben Sie andere Quälereien erlitten? Wenn ja, dann ist das schon mehr als eine Ahnung von dem was Hölle ist. Ansonsten, bleibt es für mich dabei, Ihnen fehlt ein wichtiges erLeben, um die Lebendigkeit in Gänze und Fülle angemessen zu bewerten. Verzeihen Sie diese Bemerkungen, *ich weiss ja nun, dass erstmal jedes ich ein Urteil zu Allem zutraut, *ich hatte ja selbst zu Allem und Alles etwas zu sagen, inzwischen schweige *ich bei fehlender Kenntnis lieber, und lasse mich von kennend-Es belehren und aufkären. Zum Beispiel von Jean Améry

Ein paar Worte zum nachfolgenden Text-Auszug:
Jean Améry unterscheidet oft zwischen intellektuellen und un-intellektuellen Kameraden. Mir missfällt diese kategorische, etwas überheblich wirkende Trennung zwischen dem "intellektuellen" oder auch "geistigen" Häftling und dem  "ungeistigen".
Ohne jedoch zu übersehen, dass es eine Verschiedenheit in der Befassung und der Beurteilung der Wirklichkeit gibt, die sich mit zunehmendem Wissen und auch der in Worte gefassten Erfahrung (Intellektualität) ändert.

Verzeihen Sie diese vielleicht Banalitäten: Aber es ist klar, dass erfahrene UND umfassend gebildete Menschen mit den An- und Herausforderungen der Lebendigkeit und der jeweiligen Umstände anders umgehen, als zwar erfahrene aber weniger gebildete, belesene und nachdenkliche Menschen.

Für manchen Umstand ist Bildung hinderlich, für andere Unwissenheit.

Es bleibt dabei stets das Tatsache, dass ALLE Menschen auf einer Ebene stehen, sitzen liegen, - was auch immer -, und dieSelbe Behandlung und NICHT Misshandlung verdienen. Egal, in welche Verhältnisse Sie hineingeboren wurden, und wie Sie gefördert und gefordert wurden und welche Positionen / Ämter Sie in den menschlichen Gesellschaften einnehmen, oder Ihnen aufGrund der Ausbildung möglich ist.

Nicht der Zufall darf bei der Behandlung zwischen Menschen im mitEinander eine Rolle spielen, sondern die Bedürfnisse und die sind bei allen Menschen sehr sehr sehr ähnlich, annähernd dieSelben (99%)! Nur LEIDer wird das Eine damit besser versorgt und das Andere weniger oder sogar sehr viel weniger.

Die Spannen sind dabei teils gewaltig.
Für mich ist es immer noch kaum fassbar, welche enormen Verschiedenheiten und Unterschiede es innerhalb der menschlichen Gemeinschaften, in allen Bereichen der Bedürfnisbefriedigung und -beteiligung gibt.

Kann ich die aktuellen Geschehnisse beurteilen ohne davon Kenntnis zu haben, ohne mehr als nur an dem Hölle geschnuppert zu haben?

Klar kommt dann auch die Frage auf: muss ein Mensch erst menschlich (künstlich!) in das Hölle geschickt werden, um das daSein im DaSein in all seiner Vielfalt, also auch seiner Grausamkeit, seinem Entsetzen, seiner völligen Ignoranz und der Widerlichkeit ausgesetzt gewesen zu sein?

Muss ich also Menschen foltern und quälen, ..., damit Sie ein Urteil von der Aktualität und der gesamten Wirklichkeit bilden können, - damit Sie ein stimmiges Urteil erleiden und erleben?

Bisher ist das so.
Die stimmigsten Bewertungen des Wirklichkeit liefern Menschen, die auch durch das Hölle gegangen sind oder sogar in das Hölle gelitten haben.
Wenn also die Handlungsart des Menschen weiterhin so bleibt, dass das Mensch auch in Zukunft die Entstehung von Höllen zulässt oder sogar fördert, - wie sie nur als winziges Beispiel seit Jahren auch im Kongo und darum herum stattfindet, aktuell im SüdSudan und Syrien -, dann braucht Mensch zu einem stimmigen Urteil auch weiterhin einen Hölleneindruck.

Wenn das Mensch allerdings die Handlungsart auf eine / zur Handlungsweise weiterentwickelt, die die im folgenden Text-Auszug erwähnte vergangene Hölle und die im aktuellen RaumZeit-Abschnitt stattfindenden Höllen vermeidet und verhindert, dann fällt auch das Erlebnis von diesen Höllen für eine statthafte Bewertung der Wirklichkeit wegg.
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Vom 07. Mai 2014
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Hier nun ein kleiner Ausschnitt aus einem Hölle.
Aus einem (von deutschen) menschengemachten Hölle.
Die Stellen, die *ich während des Lesens im Buch angestrichen habe, habe *ich auch hier unterstrichen.

»Nach dem Zusammenbruch der ästhetischen Todesvorstellungen stand dann der intellektuelle Häftling dem Tod ungewappnet gegenüber. Versuchte er dennoch ein geistiges und metaphysisches Verhältnis zum Tode herzustellen, stiess er sich auch hier wieder an der Lagerrealität, die einen solchen Versuch zur Aussichtslosigkeit verurteilte. Wie ging das in der Praxis zu? Um es knapp und trivial zu sagen: Auch der geistige Häftling befasste sich, gleich seinem ungeistigen Kameraden, nicht mit dem Tode, sondern mit dem Sterben; damit aber wurde das Problem reduziert auf eine Anzahl konkreter Überlegungen. So sprach man beispielsweise im Lager von einem SS-Mann, der einmal einem Häftling den Bauch aufgeschlitzt  und mit Sand aufgefüllt hatte. Es liegt auf der Hand, dass man sich angesichts solcher Möglichkeiten kaum noch damit befasste, ob beziehungsweise dass man sterben müsse, sondern nur noch, wie es geschehen würde. Man führte Gespräche darüber, wie lange es wohl dauere, bis das Gas in der Gaskammer seine Wirkung tut. Man spekulierte über die Schmerzhaftigkeit des Todes durch Phenolinjektionen. Sollte man sich einen Schlag über den Schädel wünschen oder den langsamen Erschöpfungstod im Krankenbau? Es war bezeichnend für die Situation des Häftlings dem Tode gegenüber, dass nur wenige sich entschlossen, »an den Draht zu laufen«, wie man sagte, das heisst: durch Berührung der mit Starkstrom geladenen Stacheldrähte Selbstmord zu begehen. Der Draht war ja eine gute und ziemlich sichere Sache, vielleicht aber wurde man vorher, beim Versuch, sich ihm zu nähern, ertappt und in den Bunker geworfen, was zu einem schwierigen und peinvollen Sterben führte. Das Sterben war allgegenwärtig, der Tod entzog sich.
Nun ist freilich allüberall die Todesangst wesentlich Sterbensangst, und auch für das Lager gilt, was Franz Borkenau einmal gesagt hat, dass nämlich die Todesfurcht der Schreck vor dem Ersticken sei  {http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Borkenau}. Gleichwohl ist es in der Freiheit möglich, Todesgedanken zu hegen, die nicht gleichzeitig auch Sterbensgedanken, Sterbensängste sind. Der Tod in der Freiheit kann geistig wenigstens prinzipiell losgekettet werden vom Sterben: sozial, indem er sich besetzen lässt mit Überlegungen über die zurückbleibende Familie, den Beruf, den man verlässt, gedanklich durch die Bemühung, seiend einen Anhauch des Nichts zu verspüren. Dass ein solcher Versuch zu keinem Ergebnis führt, dass die Todeskontradiktion unauflöslich ist, muss nicht erst gesagt werden. Immerhin findet das Bestreben seine Würde in sich selbst: Es kann der freie Mensch dem Tode gegenüber eine bestimmte geistige Haltung einnehmen, weil für ihn der Tod nicht ganz und gar aufgeht in der Mühsal des Sterbens. Es kann der freie Mensch an die Grenze der Denkmöglichkeit vorstossen, weil es in ihm einen, wenn auch noch so winzigen angstfreien Raum gibt. Für den Häftling aber hat der Tod keinen Stachel: keinen, der weh tut, keinen, der zum Denken anreizt. Hieraus erklärt sich vielleicht, dass der Lagerhäftling - und dies gilt nun gleichermassen für den geistigen wie den ungeistigen - zwar quälende Furcht vor bestimmten Sterbensarten, kaum aber eigentliche Todesangst gekannt hat. Wenn ich von mir persönlich sprechen darf, sei hier die Versicherung abgegeben, dass ich mich niemals für besonders tapfer hielt und es wahrscheinlich auch nicht bin. Dennoch, als man mich einmal, nachdem ich schon ein paar Monate Straflager hinter mir hatte, aus der Zelle holte und der SS-Mann mir die freundliche Versicherung abgab, ich sollte jetzt erschossen werden, nahm ich das mit vollkommenem Gleichmut auf. »Jetzt hast du wohl Angst?« sagte der Mann zu mir, der sich seinen Spass machte. »Ja«, antwortete ich, aber mehr aus Gefälligkeit, und um ihn nicht durch die Enttäuschung seiner Erwartungen zu Brutalitäten herauszufordern. Nein, wir hatten keine Angst vor dem Tode. Deutlich erinnere ich mich, wie Kameraden, in deren Blocks Selektionen für die Gaskammern erwartet wurden, nicht über diese sprachen, wohl aber mit allen Anzeichen von Furcht und Hoffnung über die Konsistenz der zu verteilenden Suppe. Mühelos triumphierte die Lagerrealität über den Tod und über den ganzen Komplex der sogenannten letzten Fragen. Auch hier stand der Geist vor seinen Schranken.
Alle jene Problem, die man einem Sprachübereinkommen gemäss die »metaphysischen« nennt, wurden gegenstandslos. Aber wiederum war es nicht Abgestumpftheit, die das Nachdenken darüber unmöglich machte, sondern im Gegenteil die grausame Schärfe eines von der Lagerwirklichkeit zugeschliffenen und gehärteten Intellekts. Dazu kam, dass es an emotionellen Kräften fehlte, mit denen man allenfalls vage philosophische Begriffe hätte besetzen und damit subjektiv-psychologisch sinnvoll machen könnte. Es fiel einem vielleicht dann und wann jener ungute Magus {gemeint: Martin Heidegger} aus dem Alemannenland ein, der gesagt hat, dass dem Menschen das Seiende nur durch das Licht des Seins erscheine, dass er aber über jenem dieses vergessen habe. Das Sein, so so. Aber es war im Lager überzeugender offenbar als draussen, dass gar nichts anzufangen war mit Seiendem und Seinslicht. Man konnte hungrig sein, müde sein, krank sein. Zu sagen, dass man sei schlechthin, ergab keinen Sinn. Und das Sein gar wurde definitiv zu einem anschauungslosen und darum leeren Begriff. Mit Worten hinauszulangen über die Realexistenz wurde vor unseren Augen nicht nur zu einem wertlosen und luxuriös-unerlaubten, sondern auch zu einem höhnischen und bösen Spiel. Die Erscheinungswelt sorgte stündlich für den Nachweis, dass ihrer Unerträglichkeit nur mit den ihr immanenten Mitteln beizukommen war. Anders formuliert: Nirgendwo sonst in der Welt hatte die Wirklichkeit soviel wirkende Kraft wie im Lager, nirgendwo anders war sie so sehr Wirklichkeit. An keiner anderen Stelle erwies sich der Versuch, sie zu überschreiten, als so aussichtslos und so wohlfeil. Wie die Gedichtstrophe von den sprachlos stehenden Mauern und den im Winde klirrenden Fahnen {aus "Hälfte des Lebens", von Friedrich Hölderlin} verloren auch die philosophischen Aussagen ihre Transzendenz und wurden vor uns teils zu sachlichen Feststellungen, teils zu ödem Geplapper: Wo sie etwas meinten, erschienen sie trivial, und wo sie nicht trivial waren, dort meinten sie nichts mehr. Dies zu erkennen, bedurften wir keiner semantischen Analyse und keiner logischen Syntax: ein Blick auf die Wachtürme, das Schnuppern nach dem Fettbrandgeruch der Krematorien genügte.«
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Der obige Auszug ist aus: »Jenseits von Schuld und Sühne, Bewältigungsversuch eines Überwältigten«, Verlag Klett-Cotta, 1977, Seiten 40 bis 43.

Weitere Informationen und einen anderen Textausschnitt von Jean Améry finden Sie auch in dem Beitrag. "Von der Tarnung der Wirklichkeit", aus dem Juli 2012, in diesem Blog.

Freitag, 3. August 2012

FRLEUIDE an der Wirklichkeit

Dieser Beitrag ist ein wenig auch die Fortsetzung meines Beitrags: "Von der Tarnung der Wirklichkeit", aus dem Juli 2012, Foto und Links zum Autor finden Sie dort.

Ein wenig, weil die "Tarnung ..." eine andere Richtung nahm, als dieser Beitrag, obwohl auch die "Tarnung ..." mit einem umfangreichen Zitat von Jean Améry begann, so ist dieser Beitrag mehr dem Thema: vom ÜberGewicht des Glauben, gewidmet.Aber auch das ist nur ein weiterer Versuch der Wirklichkeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Das Schenken ist ein Akt der FREUDE und Sie wissen, dieser Akt ist in unserer EsLebendigkeit nur wenigen Tagen und nur wenigen Lebewesen vorbehalten, da sei das LEID vor.

Die FREUDE würde gerne der EsLebendigkeit, darin auch uns Menschen, mehr Wirklichkeit schenken, allein, der Glaube, eine Wirkung des LEID, wehrt dieses Geschenk bis Heute tapfer in den [Aller-]Meisten ab; nur wenige nehmen die Geschenke der FREUDE zaghaft, dann aber beglückt an, aber bis Heute hat das LEID das letzte Wort, da kann die FREUDE noch nichts machen, LEIDer.

Seien die Leses gewiss, dass auch *ich gehörige Schwierigkeiten mit gross geschriebenen Kategorien habe, deshalb ist die Kategorie für m*ich auch keine Schublade oder sonst eine fester begrenzte (abgeschlossene) Einheit oder Bereich, sondern das, was *ich hier in der Wirklichkeit nur vorfinde, stets durchlässiges, stets fast fliessendes, immer Offenheit, mal weniger, mal mehr. So ist auch das FREUDE und das LEID ineinander und miteinander verbunden. Und zwar so, wie *ich das bisher esLebt und esLitten habe, in AllEs und All-Es.
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Eine bevorzugte Buchquelle.
Bergmann Ecke Nostizstr.
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Ich mag den Text von Jean Améry sehr, er hat m*ich inspiriert und weitergetragen auf einer Suche nach mehr FREUDE als LEID, was *ich inzwischen daran etwas anders bewerte, habe *ich wieder in diese {Klammern} gesetzt.
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Jean Améry, »Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuch eines Überwältigten«
Erschienen bei Klett-Cotta, fünfte Ausgabe, 2004, Seite 33 - 38.
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An dieser Stelle ist nun freilich einzuhalten und in Parenthese zu sprechen vom religiösen sowie vom politisch-ideologisch fixierten Häftling, dessen Position wesentlich amders war als die des humanistisch-intellektuellen.
Ein paar persönliche Bekenntnisworte zuvor: Ich habe als Agnostiker {Das ist die erste Hürde, über die ein SprachPhilosoph hüpfen muss, denn A-Gnosis heisst "nicht-wissen", das würde bedeuten, dass das Gläubige weiss und das Nicht-Gläubige nicht weiss, nicht "nichts" weiss. Von was weiss das Gläubige und was weiss das "un"-Gäubige nicht? Da *ich vom reinen Glauben abgerückt bin, aber auch kein Agnostiker bin, weil *ich weiss; und auch kein Atheist bin, weil *ich schlichtwegg nicht weiss, ob es keinen Gott gibt, was bin Oliver-August Lützenich dann? Brauche ich überhaupt so ein Ettikett, brauchen Sie das draussen eines für-s ich oder auch für-m *ich?} die Gefängnisse und Konzentrationslager betreten und habe das Inferno, am 15. April 1945, von den Briten in Bergen-Belsen befreit, als Agnostiker wieder verlassen. Zu keiner Stunde konnte ich in mir die Möglichkeit des Glaubens entdecken, auch nicht, als ich gefesselt in der Einzelzelle lag, wissend, dass auf meinen Akt der Vermerk »Zersetzung der Wehrkraft« stand und ich darum ständig gewärtig war, zur Hinrichtung abgeholt zu werden. Ich war auch niemals verbindlicher und verbundener Anhänger einer bestimmten politischen Ideologie. Gleichwohl muss ich gestehen, dass ich sowohl für die religiösen als auch für die politisch engagierten Kameraden grosse Bewunderung empfand und empfinde. Sie waren in unserem hier angenommenen Sinne »geistig«, oder sie waren es nicht, das spielte keine Rolle. So oder so war ihnen ihr politischer oder religiöser Glaube in den entscheidenden Momenten eine unschäzbare Hilfe, während wir skeptisch-humanistischen Intellektuellen vergebens unsere literarischen, philosophischen, künstlerische Hausgötter {Götter? Heilige? Was den Glauben "nur" verdrängt, wird dem Glauben nicht gerecht und dem Wissen nicht gewahr, das ist *meine bescheidene Meinung: Wörter!, so bedeutend!} anriefen. Sie mochten militante Marxisten sein, sektiererische Bibelforscher, praktizierende Katholiken, sie mochten hochgebildete Nationalökonomen und Theologen sein oder wenig belesene Arbeiter und Bauern: ihr Glaube oder ihre Ideologie gab ihnen jenen festen Punkt in der Welt, von dem aus sie geistig den SS-Staat aus den Angeln hoben. Sie lasen unter unausdenkbar schwierigen Umständen die Messe, und sie fasteten als  orthodoxe Juden am Versöhnungstag, wiewohl sie ohnehin das ganze Jahr im Zustand wütenden Hungers lebten. Sie diskutierten marxistisch über die Zukunft Europas, oder sie sagten nur beharrlich: Die Sowjetunion wird und muss siegen. Sie überstanden besser oder starben würdiger als ihre vielfach unendlich gebildeteren und im exakten Denken geübteren nichtgläubigen beziehungsweise unpolitischen intellektuellen Kameraden. Noch sehe ich den jungen polnischen Priester vor mir, der keiner von mir beherrschten lebenden Sprache mächtig war und mir darum in lateinisch von seinem Glauben sprach »Voluntas hominis it ad malum«, sagte er und blickte bekümmert auf einen eben vorübergehenden gefürchteten Schläger-Kapo. »Aber Gottes Güte ist unermesslich und darum wird sie triumphieren.« Die religiös und politisch gebundenen Kameraden waren nicht oder nur wenig erstaunt, dass im  Lager das Unvorstellbare (zum) Ereignis wurde. Der Mensch, der sich von Gott abgewendet hatte, musste dahin kommen, dass er die Auschwitz-Greuel verübte und erlitt, sagten die frommen Christen und Juden. Notwendig muss der in sein letztes, das faschistische Stadium eingetretene Kapitalismus zum Menschenschlächter werden, sagten die Marxisten. Hier geschah nichts Unerhörtes, nur das, was sie, die ideologisch geschulten oder gottesgläubigen Männer, immer schon erwartet oder zumindest für möglich gehalten hatten. {Da taucht doch in *mir die Frage auf: Inwieweit war das Dritte Reich auch eine Selffullfilling Prophecy? Mensch kann einen Zustand ja auch geradezu heraufbeschwören, einen Maximalzustand, um sich dann (damit) von einer grossen Angst/Bedrückung, einer Verfestigung im Handeln oder einer Beziehung, in einer Art Katharsis zu befreien? War das Dritte Reich eine Europäische Katharsis? Die in Deutschland und Polen, also etwa in der Mitte, ihren Gipfel- und Tiefpunkt hatte?} Der präsenten Realität, mit der sie beide, Christen und Marxisten draussen schon grosszügig verfahren waren, standen sie auch hier mit zugleich imponierender und konsternierender Distanz gegenüber. Sowieso war ihr Reich nicht das Hier und Heute, sondern das Morgen und das Irgendwo: das chiliastisch überstrahlte, sehr ferne Morgen des Christen oder das utopisch-irdische des Marxisten. Der Zugriff der Greuel-Wirklichkeit war dort schwächer, wo von jeher die Wirklichkeit in ein unverrückbares geistiges Schema gespannt gewesen war. Der Hunger war nicht Hunger schlechthin, sondern notwendige Folge der Gottesleugnung oder der kapitalistischen Fäulnis. Prügel oder Gastod waren das erneuerte Leiden des Herrn oder das selbstverständliche politische Martyrium: So hatten die Urchristen gelitten und so die geschundenen Bauern im deutschen Bauernkrieg. Jeder Christ war ein Sankt Sebastian, jeder Marxist ein Thomas Münzer. {Ja, das LEIDen steckt fest in Uns, Wir sind stets bereit dafür, ja, Wir erwarten es in Hülle und Fülle und Wir sind GEPRÄGTE Wesen, in Uns stecken JahrMillionen der Prägung und erst recht die JahrZehntausende der menschlichen Vergangenheit, Was das verleugnet oder auch nur nicht wahrhaben möchte ist blindlings, taub und bewusst-los. Was glaubt, es braucht für-s ich nur die persönliche kleine Lebensspanne zu bedenken, fühlt nur DUMPFHEIT, DasJenige fehlt jedes Feingefühl und jeder Weitblick. Was die heutigen Krisen (im "zivilisierten" Bereich der Erde), die zugegebenermassen weitaus weniger brutal sind, als die hier geschilderten Greuel im Dritten Reich, nicht auch in Verbindung mit aller Vergangenheit stellt, wird nie zu einer (Auf-)Klärung und darauf auch zu einer Zunahme der FREUDE beitragen. Verzeihen Sie die Ungeduld in den Worten, aber es ist längst RaumZeit dafür.}
Uns, die skeptisch-humanistischen Intellektuellen, verachteten beide, Christen und Marxisten, die ersten milde, die zweiten ungeduldig und unwirsch. Es gab Stunden im Lager, in denen ich mich fragte, ob die Verachtung nicht zu Recht bestehe. Nicht etwa, dass ich für mich den politischen oder religiösen Glauben gewünscht, ja auch nur für möglich gehalten hätte. Ich wollte gar nichts wissen von der Glaubensgnade, die für mich keine war, noch von einer Ideologie, deren Irrtümer und Fehlschlüsse ich durchschaut zu haben meinte. Ich wollte nicht gehören zu ihnen, den gläubigen Kameraden, aber ich hätte mir gewünscht, zu sein wie sie, unerschütterlich, ruhig, stark. Was ich damals zu begreifen glaubte, erscheint mir immer noch als Gewissheit: Der im weitesten Sinne gläubige Mensch, sei sein Glaube ein metaphysischer oder ein immanenzgebundener, überschreitet sich selbst. Er ist nicht mehr der Gefangene seiner Individualität, sondern gehört einem geistigen Kontinuum an, das nirgends, auch in Auschwitz nicht, unterbrochen wird. Er ist zugleich wirklichkeitsfremder und wirklichkeitsnäher, als der Glaubenslose. Wirklichkeitsfremder, da er doch in seiner finalistischen Grundhaltung die gegebenen Realitätsinhalte links liegen lässt und seine Augen auf eine nähere oder fernere Zukunft fixiert; wirklichkeitsnäher aber, weil er sich aus eben diesem Grunde von den ihn umgebenden Tatbeständen nicht überwältigen lässt und darum seinerseits kraftvoll auf sie einwirken kann. {Das sind doch die Worte auch für den momentanen Umgang mit all den Krisen, die die europäische und auch aussereuropäische Menschheit schütteln, oder? Also doch Glauben und Ideologen? Nein. Weil Mensch um deren Ursachen und deren Verlauf inzwischen weiss und keine Auslieferung daran, mehr geschehen lassen muss.} Dem glaubensfreien Menschen ist die Wirklichkeit im schlimmsten Falle eine Gewalt, der er sich überlässt, im günstigsten ist sie ihm Material für die Analyse. Dem Gläubigen ist sie Ton, den er formt, Aufgabe, die er löst.
Dass es im Lager zwischen beiden Charaktere, dem gläubigen und dem ungläubigen, ebensowenig eine tiefere Verständigung geben konnte wie draussen, braucht kaum gesagt zu werden. Religiös und politisch gäubige Kameraden gingen über uns andere hinwegg, sei es in Duldung und Hilfsbereitschaft, sei es im Zorn. »Eines musst du doch einsehen«, sagte mir einmal ein gläubiger Jude, »dass eure Intelligenz und eure Bildung hier wertlos sind. Ich aber habe die Gewissheit, dass unser Gott uns rächen wird.« {eine späte Rache für das DaSein in Auslieferung und/oder der Duldung des LEIDens. Was für eine (un-Selbst-ständige) Haltung im DaSein ist das!? Aber den Meisten genügt das, sie "erziehen" weiterhin die Nachkommen in dieser Prägung der Natur (Wo bleibt dabei nur der Anspruch der FREUDE?). Frohe Aussichten sind bestenfalls eine kleinere Erleichterung des alltäglichen (Leidens-)Kampfes, das für die Meisten die Lebendigkeit ist. Syrien, Kongo, Sudan, Afghanistan, Irak, Iran, Israel und Palästina, den vielen Armen und Abgehängten in den USA und EU ..., wo immer Sie hinspüren ist bestenfalls ÜbesLeben, das ist natürlich, völlig natürlich, vorwurfsfrei, aber Was ein wenig mehr weiss, erkennt längst, dass Wir diesen ÜbesLebens-K[r]ampf beenden können, aber das LEID hat bisher noch stets über die FREUDE triumphiert!} Ein deutscher, schon 1933 ins Lager geworfener linksradikaler Kamerad  sagte kerniger: »Da sitzt ihr nun, ihr bürgerlichen Klugscheisser, und zittert vor der SS. Wir zittern nicht, und wenn wir hier auch elend verrecken, so wissen wir doch, dass nach uns die Genossen die ganze Bande an die Wand stellen werden.« beide überschritten sich selbst und projizierten sich in die Zukunft. Sie waren keine fensterlosen Monaden, sondern standen offen, weit offen auf eine Welt hin, die nicht die Welt von Auschwitz war. {Ja, ich war auch so einer, - bin so einer, was bleibt mir übrig -, der alle FREUDE nur in die Zukunft verlegte, weil Mensch konnte ja sowieso nichts machen, gegen das überwiegende LEID in der Lebendigkeit. Das ist unsere Prägung. Wir sind sogar im Reichtum und Überfluss Leidende, warum?, weil neben dem Reichtum und Überfluss Milliarden andere darben, in Armut und UnBildung, - die Mehrheit! - und es gibt nur diese eine EsLebens-RaumZeit für Uns ALLE, also kann die Minderheit nicht die Fülle geniessen, ohne beständig vom Mangel bestürmt zu sein. Eine Erkenntnis, die Uns bei all der Leidens-Prägung überhaupt nicht interessiert, weil Wir zwanghaft LEIDen müssen, ist, das genug für ALLE längst vorhanden ist und auch die Technik und der Organisations-Verstand vorhanden ist, es zu verteilen, aber der Glaube, die Triebe, im Verbund mit den Ideologien (auch der Kapitalismus ist so eine, bitte nicht vergessen) wollen Begrenzung im Jetzt und versprechen Freiheit im Jenseits. Nur, was wissen Wir vom Jenseits? Doch nur das, was Wir glauben, oder? Was wissen Wir von einer Zukunft? Doch nur das, was Wir nicht wissen, oder? Warum also nicht das Jetzt, das Hier und Heute anders und für ALLE besser und angenehmer gestalten, mit All dem was bereits vorhanden ist, statt, wie bisher - statt, wie immer -, die FREUDE hinauszuschieben ins Jenseits, um dem LEID GERECHT zu werden. Aber Sie wissen, auf die Klugheit pfeifft das LEID, und die Weisheit kann ES deshalb nicht empfinden, also bleibt vorerst alles, wie es immer schon war, nur nicht mehr so brutal und unbeachtet, wie noch vor kurzem, also weiter im Text:}
Die glaubenslosen Intellektuellen waren beeindruckt von dieser Haltung, das ist sicher. Es sind mir aber nur verschwindend wenige Fälle von Konversion bekannt. Der skeptische geistige Mensch wurde nur in Ausnahmefällen durch das grossartige Beispiel der Kameraden zum Christen oder zum marxistischen Engagé. Meist kehrte er sich ab und sagte sich: Eine bewundernswerte und rettende Illusion, aber eine Illusion nun eben doch. Gelegentlich rebellierte er auch wütend gegen den Wissensanspruch der glaubenden Kameraden. Das Wort von der unerschöpflichen Gottesgüte erschien ihm dann als Skandal, angesichts der Gegenwart eines sogenannten Lagerältesten, eines mächtig gewachsenen deutschen Berufsverbrechers, von dem man wusste, dass er einige Häftlinge buchstäblich zertreten hatte. Desgleichen betrachtete er es als eine empörende Beschränktheit, wenn die Marxisten unbeirrbar die SS als die Schutztruppe der Bourgeoisie und das Lager als normale Frucht des Kapitalismus bezeichneten, wo doch jeder Vollsinnige einsehen musste, dass Auschwitz nichts mit Kapitalismus oder irgendeiner beliebigen Wirtschaftsform zu tun hatte, sondern die wirklichkeitgewordenen Ausgeburt kranker Hirne und pervertierter Emotionalorganismen war. {Dem möchte *ich jetzt widersprechen, *ich tat es in den vorigen Einfügungen schon, aber an dieser Stelle muss *ich schweigen, denn, wenn *ich in Auschwitz gewesen wäre, wer weiss, was *ich danach noch so alles geschrieben hätte. Also meine Hochachtung für Jean Améry!} Man konnte die gläubigen Kameraden achten und dennoch mehr als einmal kopfschüttelnd vor sich hinmurmeln: Wahn, welch ein Wahn! Kleinlaut aber wurden die Intellektuellen, und kein Argument fanden sie, wenn ihnen die anderen, wie oben beschrieben, die Gegenstandslosigkeit der Werte des Geistes vorhielten. {Und dass das immer noch anhält, können Sie an der Höhe der Ausgaben einer Gesellschaft für Bildung, Kunst und Wissenserwerb und -weitergabe ermessen, im Vergleich zu den Ausgaben für den Schutz von Eigentum und den Aufwand für Geheimdienste und Militär und sonstige Abstandhalter und Verbindungs-Verweigerungen in Unser Aller mit-Einander. Es ist zwar etwas besser geworden, aber nur im Promillebereich, wo Mensch doch mindestens mit Prozenten protzen könnte und sollte.} Und damit schliesse ich die Parenthese, komme zurück zur Rolle des Geistes in Auschwitz und wiederhole deutlich, was ich schon sagte: Es half der Geist, sofern er sich nicht an religiösem oder politischem Glauben hinaufrankte, nichts oder so gut wie nichts. Er liess uns allein. Er entwich uns immer wieder dort, wo es um die Dinge ging, die man einst die »letzten« genannt hat.
Wie etwa stand in Auschwitz der geistige Mensch zum Tode? Ein weites, unübersichtliches Feld, das hier nur flüchtig und im Geschwindschritt ausgemessen werden kann! Ich darf wohl als bekannt voraussetzen, dass der Lagerhäftling nicht Tür an Tür, sondern im selben Raum mit dem Tode lebte. Der Tod war allgegenwärtig, Die Selektionen für die Gaskammern fanden in regelmässigen Abständen statt. Für ein Nichts wurden Häftlinge am Appellplatz gehängt, und ihre Kameraden mussten, Augen rechts!, zu flotter Marschmusik an den vom Galgen baumelnden Körpern vorbeidefilieren. Es wurde in Massen gestorben, am Arbeitsplatz, im Krankenbau, im Bunker, im Block. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich achtlos über aufgehäufte Leichen stieg und wir alle zu schwach und gleichgültig waren, um die Verstorbenen auch nur aus der Baracke hinaus ins Freie zu schleppen. Aber all dies ist, wie gesagt, bekannt bis zum Überdruss, gehört ins Gebiet der eingangs erwähnten Greuel, von denen ausführlich zu sprechen man mir wohlmeinend abgeraten hat.
Ende Auszug. Oliver-August Lützenich tue es trotzdem, so oft ich das Gefühl bin, dass es notwendig ist und das ist es immer noch. LEIDer.

Längst haben Sie bemerkt, dass mir falsche Vorstellungen fast so ein Greuel sind, wie es Misshandlungen, Quälereien und Torturen sind, wie Auschwitz eine war, denn *ich bin inzwischen ziemlich gewiss, dass falsche Vorstellungen diese Misshandlungen und Torturen begünstigen, und wenn sie in Leidens-Erwartungen münden, sogar zwangsläufig in solche führen.

Also arbeite *ich fortwährend daran, diese Vorstellungen und Erwartungen in *mir zu finden, sie auf den Wahrheits- und vor allem Wirklichkeitsgehalt zu prüfen und die falschen, die leidensführenden, die Selbst- und Andere-quälenden zu isolieren und zu heilen.

Das bedeutet tägliche disziplinierte Gedanken-Arbeit und die Bereitschaft so viel, wie für ein kleines Mensch, wie m*ich, schaffbar ist, an Ergebnissen und Ereignissen der Aktualität (Informationen) einzunehmen. Die Aufnahme-Kapazität in mir, also auch in allen anderen Menschen wäre RIESIG, ENORM, GIGANTISCH, aber ..., Sie wissen, es gibt fast stets ein Aber, aber die Engstelle des Glaubens und der Vergangenheit behindert stets die freie Einfahrt; und wenn es dann mal drinn ist, werde *ich oft genug am Zugriff auf das Wissen und an der Weite des Gefühl gehindert. So ist das noch, ich wollte das nur mal erwähnen. Gruss.
FREUDE