Mittwoch, 11. April 2012

GeschlechterWechsel

Ich bin für die weitestgehende Freiheit.


Weitestgehend bedeutet, so weit, dass diese Lebendigkeit noch mit allen Gefühlen (Innen) und Empfindungen (nach und von Aussen) und allen Bewegungs- und Handlungs-Möglichkeiten er-Lebbar ist.

Das braucht Frieden.
Die brutale Aggression und ungehemmte Gewalt gegeneinander, zwingen zu Grenzen und wie wir Alle wissen, behindern Grenzen die Freiheit.
Die weitestgehende Freiheit braucht also, um zu entstehen und zu wachsen, die Beruhigung und die Veränderung (die Heilung?) der Ursachen von verletzender Aggression und brutaler Gewalt im noch bestehenden Gegeneinander. Also eine Änderung hin zu einem aufrichtig zuneigenden Mit-Einander. Von wechselseitiger Transparenz und Gleich-Wertigkeit und ein paar weiteren VerhaltensWürden noch zu schweigen.

Diese weitestgehende Freiheit bedeutet, dass Wir Menschen die Gesamtheit unseres DaSein überprüfen und im Rahmen der Natur - und dieser Rahmen ist Riesengross, Wir füllen nur einen winzigen Bereich dieses Rahmens aus - auch zu Veränderungen und steter NeuAnpassung an veränderte Gegebenheiten bereit sind.

Ich gebe zu, das unvorbereitetes Leses sprengt das vielleicht erst einmal das Vorstellungsvermögen, deshalb möchte ich ganz langsam weitermachen. Das unter dem Gemälde Folgende ist ein Kommentar, den ich in einem FAZ-Blog Mitte November 2011 zum Thema "NetzFeminismus" geschrieben habe, es geht mir dabei um die Frage: Hängt Jedes Selbst an einem Geschlecht fest?

Klar gibt es schon Heute die Gelegenheit das Geschlecht operativ einigermassen zu ändern, aber eben nur einigermassen und mit grossen Schmerzen und ziemlicher Ausgrenzung und nur mässig verborgenem Unverständnis durch das Umfeld.
Wie wäre es also, den Sex ohne operativen Eingriff und nach persönlichem Belieben zu wechseln, wann und sooft Eines das wünscht?
Der Kommentar kreist aber erst mal um die Geschlechter-Gerechtigkeit und hebt dann erst ab, das ist vielleicht auch angenehmer so:
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Piet Mondrian, "Evolution"
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Könnte es sein, dass Wir (Menschen) die GleichHeitsFrage erst geklärt haben, wenn auch u.a. die ZeugungsFrage geklärt ist? Was hat den leichteren Part bei der Zeugung, was hat den leichteren Part beim Austragen des Nachwuchses und, was hat das grössere Vergnügen daran, dem Nachwuchs nahe zu sein? Was für eine Rolle, bei den GeschlechterRollen spielt die Biologie? Was für eine Rolle spielt die Verschiedenheit des biologischen Ausbaus von Mann und Frau, bei der Ausgestaltung der Gesellschaft?

Wenn Wir wirkliche Gleichheit im Umgang, in der Verteilung der Macht/Einfluss (auf welcher Ebene und in welchem Bereich auch immer), der Aufgaben, der Lust, ..., erreichen wollen, müssen Wir an die Biologie.

Aber noch trauen Wir uns noch nicht einmal daran zu denken, die Geschlechter und damit die verschiedenen "Rollen" innerhalb der Spezies Mensch anders zu gestalten, geschweige denn, sie zu ändern, also die Ausgestaltung der Spezies zu ändern und damit auch die Aufgaben und Eingaben fairer zu verteilen.

Mann und Frau sind in den Körpern und damit auch in den Köpfen festzementiert, daran wird dann mehr oder weniger erfolgreich herumgezimmert ... bis zu einem bestimmten Bereich.
Ja, Wir in das EU, haben es mit der "Gleichberechtigung" weit gebracht, zugegeben, nach etlichen Fürstinnen und Königinnen, hat auch D eine Kanzlerin, aber der Rest schwänzelt um diese herum.

Tja, Was möchte weiterhin FRAU sein und Was möchte unbedingt MANN bleiben? Na, reizen Sie mal ein wenig die Phantasie und die Kraft der Vorstellung und imaginieren eine Spezies in der die Geschlechter wechseln und keine "Rolle" mehr SPIELT, was Eines für ein Geschlecht ist, wie Es aussieht oder woher Es kommt.

Spielen Sie weiter Vergangenheit oder nutzen Sie die Gelegenheiten, die Wir (Menschen) inzwischen aus der Natur an Veränderungs-Möglichkeiten angeboten bekommen?

Weiter Bitte, denken Sie weiter, als nur bis Jetzt und keine Angst, alles wird gut, denn: Wir (Menschen) gestalten das mit! Dass Wir nur gestaltet werden, damit ist es vorbei, ist das nicht grossartig!? Also, was möchten Sie Morgen sein, noch immer Mann oder Frau? Na gut, Sie vielleicht. Wie langweilig, immer dasSelbe.
Ich bin dann mal Frann und übermorgen Mau und dann ... 

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Des weiteren ein Beitrag, den ich im März 2012 in der "SprechLichtung" eingestellt habe, der auch um dieses Thema kreist:

Vor ein paar Monaten schrieb ich einen Kommentar im FAZ-Blog (das ist der obere), in dem ich meine Vorstellung einer geschlechtsunabhängigen Zukunft skizzierte, in der Jedes Mensch frei ist ein Geschlecht zu wählen oder keines, und dementsprechend zu leben, dauerhaft oder in wechselnden Sexen, so wie Es gerade lustig ist, ich beschrieb es als Übergangsstadium, bis Geschlechter unwichtig geworden sind und damit auch deren spezielle Färbungen und Verhaltensweisen.

Das war ein Wunsch und ein Gedankenspiel, das in ferner Zukunft schien, oder -  so wie Wir Menschen jetzt eingestellt und gebaut sind -, sogar unmöglich, aber es gibt den Wunsch nach Aufhebung dieser, durch den Zufall bei der Zeugung aufgeprägten (aufgezwungenen?) Äusser- und Innerlichkeiten und Lebensmodelle; so wie Mensch und damit das DaSein vom Grunde her, nach BeFreiung aus allem Bestehenden und dem Ursprünglichen strebt. Also auch nach Erweiterung der Einengung auf ein Geschlecht, zwei Geschlechter, drei Geschlechter, vier ... bis eben auch diese Verhaltensweise ausgereizt ist und das DaSein sich Neuem zuwendet.

Ein kleines Zeichen, dass es in diese Richtung weitergeht, kam diese Woche aus Schweden zu mir, "überbracht" von der Süddeutschen Zeitung, vom 15.03.2012 und nun auch vor Sie hingestellt:

Titel der PrintAusgabe: Ist der Schwede ein Mensch?

Von Thomas Steinfeld

Untertitel (von mir etwas anders zusammengestellt): Zuerst die Frau, dann der Mensch: Mappa, Pamma und Kind; Im Norden hat der Streit um eine geschlechtsneutrale Sprache und das neue Personalpronomen "hen", die Spitzen der Politik erreicht und es stellt sich die Frage, ob volkspädagogische Bevormundung die Gesellschaft verändert.

Ende Januar ist in Schweden das erste Kinderbuch in geschlechtsneutraler Sprache erschienen. "Kivi" heißt das Kind, um das es in diesem kleinen Werk von Jesper Lundqvist und Bettina Johansson geht (Olika Verlag, Stockholm 2012), und weil "Kivi" sich einen Hund wünscht, aber nicht sofort bekommt, entsteht eine kleine Geschichte in Reimen. Das alles ist sehr heiter und angemessen skurril, hätte aber nie die große Aufmerksamkeit erreicht, die es jetzt erhielt, wäre in diesem Buch nicht konsequent das neue Personalpronomen "hen" verwendet worden. In ihm sollen "hon" ("sie") und "han" ("er") zusammenfallen, wobei selbstverständlich auch die konjungierten Formen "hens" für den Genitiv und "henom" für die Objektform dazugehören. Seitdem geht eine öffentliche Auseinandersetzung um die Sprache als Medium sexistischer Vorurteile durch das Land.
Für eine "neue Methode, Gleichberechtigung zu erreichen", erklärte Nyamko Sabuni, Schwedens Ministerin für Integration und Gleichstellung, das kleine Wort, während Maud Olofsson, die bekannteste Politikerin der Zentrumspartei, befürchtet, das Pronomen "hen" werde Kindern die Geborgenheit rauben.
Wenn es ein Land auf der Welt gibt, in dem eine solche Initiative Erfolg haben könnte, dürfte es Schweden sein. Das liegt zum einen an der Sprache: Der Unterschied zwischen Maskulinum und Femininum, dem im Deutschen Substantive (und Artikel) unterworfen werden, ist im Schwedischen im Utrum aufgehoben, in einer Form für beide Geschlechter (daneben gibt es, wie im deutschen, ein Neutrum). Die Differenz macht sich nur bei den Pronomen geltend, so dass sie tatsächlich ein möglicher, weil kleiner und fest umrissener Gegenstand einer Sprachreform sein könnten - zumal die Objektform (also Dativ und Akkusativ) ohnehin gerade verschwindet.
Zum anderen liegt es an den sozialen und politischen Bedingungen für den Umgang mit der Sprache in Schweden: Es gab dort schon einmal, und ebenfalls aus Gründen der Gleichbehandlung, eine Sprachreform: und zwar in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren, als, unterstützt von staatlichen Institutionen, die Anrede "Ni" ("Sie") aufgegeben und durch das allgemeine "du" als Ausdruck von Freiheit und Gleichheit ersetzt wurde, mit Erfolg.

Vor ein paar Jahren erschien in Schweden ein Buch, das solche Verbindungen von staatlicher Aufsicht und dem individuellen Anspruch auf Selbstbestimmung für etwas spezifisch Schwedisches erklärte. "Är svensken människa?" ("Ist der Schwede ein Mensch?", 2006) heißt dieses Werk des Journalisten Henrik Berggren und des Historikers Lars Trädgårdh, in dem die Schweden so definiert werden: "eine pragmatische Gemeinschaft, in der man einander wohlgesonnen ist, ein starker, aber kalter Staat und autonome, geschlechtslose, zeitlose und gleichgestellte Bürger".

Weiblichkeit als Nachteil

Anders gesagt: das "hen" soll dazu dienen, den wahren Menschen von seiner Bestimmung als Geschlechtswesen zu befreien - was selbstverständlich vor allem den Frauen zugutekommen soll, die ihre Weiblichkeit als Nachteil in der Konkurrenz um Geld und Macht erfahren müssen.
Wenn es also im Kinderbuch um Kivis Eltern geht, dann heißen sie aus diesem Grund "Mappa" und "Pamma". Das ist nur scheinbar lustig, denn dahinter droht ein erhebliches Maß an volkspädagogischer Bevormundung und Selbstgerechtigkeit. Henrik Berggren und Lars Trädgårdh würden hingegen darin die Absicht erkennen, dem eigentlichen Menschen mit den Mitteln eines radikalen Etatismus zu seinem Recht zu verhelfen.
Diese Idee hat in Schweden eine lange Tradition: Als die Sozialdemokraten in den frühen dreißiger Jahren an die Macht kamen, entwickelten sie, beflügelt durch die Pamphlete des Ökonomen Gunnar Mrydal und seiner Frau Alva, einer Pädagogin, weitreichende Ideen, zuerst die Frau und dann den Menschen als solche mit den Mitteln der Sozialtechnik von seinen persönlichen Abhängigkeiten zu lösen.
Diese Ideen wurden sogar gebaut, etwa in Gestalt des Stockholmer Kollektivhauses, in dem es zwar Wohnungen für Familien gab, die Küchen aber, vor allem zum Wohle der Frau, auf ein äußerstes Minimum reduziert waren - gegessen (und gewaschen) wurde für das Kollektiv, von eigens dazu bezahlten Menschen (in denen sich dann die Klassengesellschaft fortsetzte, die innerhalb des Kollektivs aufgehoben sein sollte).
Die Familie, und überhaupt jede Form der persönlichen Abhängigkeit, galt hier allenfalls noch als Übergangsform auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der es zwischen dem Einzelnen und dem Staat keine weiteren sozialen Instanzen mehr geben durfte, weil sie - die Ehe, die Familie, die Gruppe - den Einzelnen an seiner Entfaltung hinderten. Er, der Staat, sollte dagegen gleichermaßen Instrument der Aufsicht wie der Befreiung sein.
Vor kurzem ist, herausgegeben von Marta Kuzma und Pablo Lafuente, die ebenso voluminöse wie beeindruckend anachronistische Anthologie "Whatever Happened to Sex in Scandinavia" (Koenig Books, London 2011) erschienen. Darin ist ein Interview abgedruckt, das Vilgot Sjöman, der Regisseur des Films "Ich bin neugierig - Gelb" (1967) - das war eines der großen Skandalwerke des sechziger Jahre - dem amerikanischen Kritiker John Lahr gab: "Ich hatte das Gefühl", erklärt Sjöman darin, dass der Film "die schwedische Gesellschaft porträtiert, so wie sie gerade lange geschlossene Türen öffnet . . . Die jungen Leute erkunden gegenseitig ihre Körper, sie sind neugierig, wie die Körper funktionieren."
Es ist, ganz offensichtlich, dass das "Du", das hier entdeckt werden soll, im Gegensatz zu einem "Sie" verstanden werden muss, das für die Welt der Traditionen und der Autoritäten, für die geschlossenen Türen der "Gesellschaft" steht. Oder anders gesagt: die staatlich garantierte Befreiung des einzelnen Menschen, die in Schweden in den dreißiger Jahren begann, hat hier das Kochen und Waschen längst hinter sich gelassen und ist zur Befreiung der Sexualität vorgedrungen. Im Nachhinein betrachtet, nimmt sich die filmisch dokumentierte Entfesselung des Körpers indessen weniger seltsam aus (komisch ist sie auch) als das anti-staatliche Pathos, mit dem diese Befreiung reklamiert wird.

Zum Scheitern verurteilt?

Es entbehrt nicht der Ironie, wenn das Personalpronomen "hen" heute dazu dienen soll, den sprachlichen Ausdruck eben jener körperlichen Unterschiede auszulöschen, denen damals die konzentrierte Neugier Vilgot Sjömans und seiner Darsteller galt. Das liegt daran, dass all diese Befreiungsideologien, eben weil sie staatlich garantiert werden, einer Dialektik unterliegen, die offenbar erst mit einiger Verspätung erkennbar wird.
Es gibt keine Befreiung der Frau, die sich nicht auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlüge: in Gestalt der wachsenden Schwierigkeiten, eine Familie mit einem Einkommen zu ernähren. Für die damit verbundenen Anstrengungen soll das "hen" die Frauen entschädigen, indem es mit den Mitteln der Sprache den tröstlichen Schein der Aufhebung aller Unterschiede von Mann und Frau erzeugt. Die Instanz aber, von der dieser Schein abstrahlt, ist der Staat, der ihn den Individuen verordnet.
Zum Scheitern verurteilt ist das Projekt einer geschlechtsneutralen Sprache wohl ohnehin - wie alle Bemühungen, die Welt an ihrem sprachlichen Ausdruck zu korrigieren. Denn wenn sich "Ausländer" erst in "Migranten" und dann in "Menschen mit Migrationshintergrund" verwandeln, verändert sich ja an deren Situation eher wenig. Und weil das so ist, weil also die Anstrengung, einen sozialen, ökonomischen oder politischen Gegensatz durch eine Sprachregelung aufzulösen, so hilflos ist, nutzen sich die jeweils neuen Ausdrücke bald ab und müssen durch wieder neue Formeln der Anerkennung ersetzt werden. Das gilt auch für "hen".
Ende Artikel

Montag, 9. April 2012

Die Freude der Wahl und das SelbstVertrauen

Dafür, dass ich dem FAZ-Blog bereits am 12. Februar "Winke-Winke" gewünscht habe (siehe in 02.12) und eigentlich nicht mehr dort kommentieren wollte, bin ich inzwischen aber wieder ziemlich aktiv, wie Einige schon bemerkt haben, aber so ist das mit der letzten Konsequenz bei einem schwachen Menschen und mit der Schwierigkeit beim Abschied von guten Gewohnheiten, Mensch wird schnell mal rückfällig. Mal sehen, wie lange ich diesem "Rückfall" noch fröne? Ist aber auch oft ein schöne Inspiration und guter Austausch, wie Sie gleich lesen werden.

Thomas Ruff, "Substrat"

Das folgende kreist, wenigstens für mich, um die Frage: Ist es möglich, dass alle Menschen, wirklich ALLE Menschen, an einer Willensbildung zu Fragen der Gemeinschaft des Menschen und daraufhin auch an allen Entscheidungen, die Uns Menschen und sogar unsere Umwelt angehen, BEWUSST UND AKTIV teilnehmen, oder ist eine solche Vorstellung nur im Reich der Phantasie vor zu stellen, aber scheitert in der Wirklichkeit an der Trägheit der Materie (siehe Newton) und dem darauf beruhenden Desinteresse der MaterieWesen Mensch? Der Anlass zu diesen speziellen Überlegungen war ein Beitrag im FAZ-Blog, der über neue mathematische Verfahren zur Berechnung von Wahlergebnissen berichtete. Anfangs ging es nur um einen Satz und eine, für mich, absonderliche Gewichtung, aber dann auch um die eingangs erwähnte Frage.

Oliver-August Lützenich:
@Sophia ...: Sie schreiben "... haben Lobbys und multinationale Firmen die Macht übernommen ...", leider wird dies durch Wiederholung auch nicht richtiger. Es ist einfach eine Mär(chen) und eine wohl allzu menschliche aber falsche Vorstellung vom un-beeinflussten Selbst, von der völlig autark (re)agierenden und regierenden Gemeinschaft oder gar GrossGesellschaft. Jedes Selbst wünscht das. Die "freie" Entscheidung, völlig alleingelassen von Mitbewohnern, von Bedürfnissen, oder Umständen. Ein, wenn Sie es weiter sacken lassen und mal überprüfen, ob das überhaupt möglich, oder gar machbar ist, in einer Lebendigkeit wie dieser Irdischen, die völlig bedürftig, vernetzt und verbunden ist?
Auch wenn Uns das nicht so bewusst ist?
Kurz gesagt: Autarkie, ausschliessende Selbstbestimmung eines Königs, Diktators, einer Republik mit Parlament und Regierung, oder auch einer Gemeinde oder Familie, hat es nie gegeben und kann es, so wie Wir aufgebaut sind, auch nie geben. Deshalb hat Niemand die Macht übernommen, über ein früher selbstbestimmtes Gemeinwesen, sondern es war immer schon ein einschliessender, grenzenöffnender Austausch, Fremd-Beratung, innere/äussere Zwänge und Kompromisse da und sie wurden auch immer schon gelebt, früher hiessen die Partner nur anders; von mir aus auch Hofnarr, Botschafter, Nachbar, Karawanenführer, Schwiegermutter, Wasserbesitzer, Salzlieferant, Klima, Reiseführer u.s.w.
Eine Neuerung wäre, wenn wirklich Alle Mitglieder einer Gemeinschaft mitentscheiden würden! Also auch alle Informationen erhielten und auch lesen, bedenken und beraten würden, die zu jeder Entscheidung, die diese Gemeinschaft betrifft, Voraussetzung ist; aber setzen Sie dieses Gemein-Interesse mal um? So lange so Viele daran NICHT interessiert sind, bleiben die Entscheidungen nun mal in den Händen von Wenigen und die brauchen Beratung und viele Informationen zur EntscheidungsVorbereitung und -Findung, also Lobbys und auch Unternehmen. Mit der "flüssigen Demokratie" der Piraten ist vielleicht ein weiterer Schritt getan, den Zugang für mehr interessierte Menschen zu erleichtern. Aber ich weiss auch, das die Beschwerde-Haltung leichter fällt, als das Nötige zu tun, um Selbst Einfluss auszuüben für und in der Gemeinschaft, in das Eines lebt. Ja, ich weiss es, ich sitz auch noch rum, statt eine Partei zu gründen und was zu ändern, oder sonst was zu tun, damit die Fremdbeeinflussung geringer wird.
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Was Deutschlands Gewicht angeht, würde ich aber deutlich etwas dagegen haben, wenn der Herr Schäuble 162 mal mehr zu stimmen/sagen hätte als z.B. der Herr Juncker, ausser der Herr Schäuble wäre 162 mal klüger, verantwortlicher und umsichtiger, als der Herr Juncker, das ist aber, so weit ich das einschätze nicht der Fall. Also wenn in Deutschland 162 mal so viele Menschen wohnen, wie in Luxemburg, dann wäre es wohl passender, wenn D 162 Mitglieder in eine Versammlung der Minister schickt, 162 Finanzminister. Das wäre die richtige Verhältnismässigkeit, aber nicht das Eines 162 mal oder wie viel auch immer mehr zu sagen hat, als ein Anderes. Rechnerei und Mathematik hin oder her, das ist ein Schmarrn.
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Kein Wunder also, das alle Wahlverfahren in denen Wenige "über" eine Mehrheit entscheiden, leiden.
Weitergedacht, bedeutet das, dass Jede Abgabe von Entscheidungsrechten LEID bedeutet. Je weniger Eines für und im Selbst entscheiden kann/darf, umso Leid. Dann wird es also RaumZeit, dass Wir die EntscheidungsFertigkeit in Uns erhöhen, denn das bedeutet dann mehr Freude. Mit jeder Entscheidung, die Eines von Anderes/n abnimmt, spürt es ein wenig mehr FREUDE.
Und das wollen Wir doch Alle, oder?
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EntscheidungsFREUDE. Bitte.
Das ist aber ein erheblicher Aufwand für Jedes, denn ohne ein Mehr an MitEmpfindung, Informiertheit, auch Beratung und Kompromiss ... geht das nicht mehr, in dieser weltweiten und vielfältigen RaumZeit. Leider;-)
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darauf:
Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, 04. April 2012, 23:01
@Oliver-August Lützenich, was ich von Postdemokratie halte, steht hier nicht zur Debatte, da dürfen Sie sich vertrauensvoll an Colin Crouch wenden. Was die grundsätzliche Demokratiekritik betrifft: meines Erachtens immer noch das beste verfügbare System, aber konstruktive Vorschläge lese ich mir gerne durch. Feudalismus aber nur, wenn ich zu den oberen Zehntausend gehören darf.
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und:
Thorsten Haupts, 05. April 2012, 16:56
@Oliver-August Lützenich: natürlich haben weder Lobbies noch multinationale Firmen die Macht übernommen (das würde ihren interessen sogar zuwiderlaufen).
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Völlig unbestreitbar aber ist das Verhinderungs- bzw. Unterlaufenpotential multinationaler Konzerne in einer noch immer national strukturierten Welt grösser geworden. Einfach durch die gewachsene Bereitschaft (woanders ist es auch schön) in Verbindung mit einer gewachsenen Fähigkeit (woanders gibt es auch die passende Umgebung), Konzernteile auch kurzfristig zu verlagern, Geschäfte anders zu strukturieren, Gewinne über Landesgrenzen zu verschieben etc.
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Dagegen liesse sich durchaus etwas tun, aber nur unter Aufgabe nationaler Zuständigkeiten. Solange Politikern wie ihren Wählern in demokratischen Staaten diese Eigenheiten wichtiger sind als der Rückgewinn von Kapitalkontrolle (darum geht es im Kern), wird sich daran also nichts ändern. Irrational im Sinne von unvernünftig im Bezug auf das Regelungsgebiet, aber Fakt.
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Gruss, Thorsten Haupts
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Oliver-August Lützenich:
Lieber Herr Haupts, Ihre Argumente sind völlig richtig; solange es verschiedene Rechts-, Steuer-, Lohn, Verwaltungs-, Korruptions- oder auch Klimaverhältnisse gibt, um nur die wichtigsten zu nennen, werden diese auch miteinander um Reichtum (Gefühle, Waren, Infrastruktur), Arbeit, Macht, um ebenfalls nur die wichtigsten zu nennen - oder habe ich noch wichtige(re) vergessen -, werden also diese Bereiche oder auch "Verhältnisse" (Viertel, Städte, Regionen, Staaten (-Bünde) oder Kontinente) miteinander und gegeneinander konkurrieren. Die Beteiligten sind Regierungen, Unternehmen, Lobbys, aber auch die Mafia und Rohstoffe.
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Wir wissen das, aber es ist, und das wollte ich oben sagen, alles "normal", schon so alt, wie Wir Menschen Gruppen bilden und im wechselseitigen oder auch gegenseitigen Konkurrenzkampf für unser Überleben sorgen müssen.
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Das immer auch Andere mitbestimmt haben, wie es mir und meiner GrossGruppe geht, ist so alt, wie es mich und die GrossGruppe gibt, und das ist schon ziemlich alt! Mich wundert, dass das kein Schulstoff ist, oder schon die Eltern dem Kind auch wörtlich vermitteln, denn die Eltern sind wohl die erste Lobby-Gruppe,  zusammen mit Verwandten und Freunden, die für, gegen oder mit einem Kind stimmen oder sorgen, nur wird das selbstverständlich anders genannt und anders gefühlt, aber es gibt auch Lobbys (Amnesty International, Greenpeace, Ärzte ohne Grenze, Gewerkschaften ...), die ich durchaus in fast allen ihren Forderungen unterstütze, die sind mir oft sehr viel näher, als "meine" Regierung. Deshalb halte ich von der "Schauerformel": "Lobbys und wer auch immer regieren oder beherrschen uns, Hilfe!", halte ich gar nichts.
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@Sophia: Nein, kein Feudalismus, dazu hat uns ja vor kurzem erst @HansMeier555 seine Vorstellungen geliefert, und die sind nicht mehr RaumZeitgemäss, ausser Mensch wohnt in einem Schloss, tun Sie das?
Die Demokratie ist, wie ich finde, noch längst nicht vollendet, da wollen Viele sie schon in Rente schicken (Postdemokratie), denn noch leben und wählen Wir in einer repräsentativen Demokratie; Wir wählen also Stellvertreter auf vielen Ebenen (Stadt, Landkreis, Bundesland, Bund, oder in Organisationen), welche dann "für" Uns die Entscheidungen treffen. Wir leben somit noch in einer Stellvertreter-Volksherrschaft und beileibe noch nicht in einer wirklichen Bürger-Gesellschaft, in der Jedes Einzelne in allen Es betreffenden und interessierenden Punkten und Positionen mitentscheiden darf und vor allem kann. Davon handelt mein obiger Kommentar. Jedes Wahlverfahren, in das nicht alle Menschen, die die Auswirkungen der Wahl-Entscheidung betreffen, auf der selben (!) Ebene mitentscheiden, leidet.
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Leidet an mangelnder Beteiligung der Betroffenen. Sie mögen das für etwas überspannt halten, aber ich vermute, dass dieses Leid auch von den nicht-Beteiligten gespürt wird. Wir leiden an/mit falschen Entscheidungen. Die wirkliche Demokratie ist also immer noch ein Projekt, welches auf Verwirklichung wartet und die liegt in der Zukunft.
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Dieses Projekt braucht zur Umsetzung die technischen Verfahren, Voraussetzungen und Geräte, es ist also keine Bös- oder Unwilligkeit von einigen Menschen, das Wir noch in einer Vor-Demokratie leben, sondern das Fehlen von dazu geeigneter Technik und Organisation. Sie ist gerade im Entstehen, Ihr Beitrag berichtet davon, andere leisten dazu auch einen Beitrag. Ich bin zuversichtlich, dass Wir es schaffen, irgendwann Allen Menschen einen Zugang zu Allen Entscheidungen zu gewährleisten. Aber auch das braucht weitere Voraussetzungen, vor allem in Jedes Einzelne und da "liegt vor allem der Hase im Pfeffer". Die Technik ist vielleicht bald vorhanden, aber ist es auch die Bereitschaft jedes Einzelnes zur Aufmerksamkeit, ..., die es für gesellschaftliche und sogar globale Entscheidungen braucht?
Danke für die Anregung.
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darauf:
Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, 06. April 2012, 12:20
Oliver-August Lützenich, wäre die direkte Demorkatie für alle Belange tatsächlich realistisch für große Staaten? Ich bezweifele es... . Sie sprachen auch von Geräten - welche denn? Und ob das dann gut ist?

Thomas Ruff, "Substrat2"

Oliver-August Lützenich:
@Sophia: Ja (direkte Demokratie), das vermute ich, und ja, das wünsche ich. Ich kann da erst mal nur von mir ausgehen, da ist es so gewesen, besser: da ist es so, dass ich, je mehr ich weiss, also, um so weiter der persönliche Blick, das persönliche Empfinden reicht, umso mehr möchte ich auch an den Entscheidungen, die mich betreffen mitentscheiden. Je weiter/freier ich selbst bin, umso weniger leide ich es, dass Fremde "ÜBER" mich entscheiden. Ich vermute, das ist einfach auch eine sehr aktuelle Stimmung (S21, Flughafen FfM, Gorleben u.s.w.), dass Wir Menschen, je wacher Wir sind, umso weniger nehmen Wir einfach nur hin, was Andere Uns vorsetzen. Mich hat meine Mutter früher nicht gefragt, was es zu essen gibt, Sie hat gekocht und Wir assen. Heute werden die Familienmitglieder gefragt, wenigstens in den Familien, die ich kenne und beobachte. DasGleiche bei Kleidung und und und. Wir dehnen diese MitWahl und MitEntscheidung ("MitBestimmung" ist mir eindeutig zu verkrampft) Stück für Stück aus. Wir kleinen Leute. Das heisst, im Fall des Falles nicht, dass ich zu Jedem und Allem etwas zu sagen hätte und also auch mitentscheide, aber darüber möchte ich entscheiden; und wenn ich mich denn enthalte, muss ich aber auch die Entscheidung der Anderen akzep- und respektieren, also mittragen.
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Aber das ist dann der Punkt: Vertrauen. Das ist ein eigener Beitrag, ich weiss, aber so weit vertraue ich inzwischen "meinen" MitMenschen, dass ich einigermassen gewiss bin, dass, wenn es darauf ankommt, Sie so entscheiden, dass es Uns Allen zugute kommt und es Uns nach jeder Entscheidung ein bisschen Besser geht. Das ist es doch, was Wir Alle wünschen, oder ist das Jetzt naiv? Nein, das ist es nicht. Der Wunsch nach Verbesserung der Umstände, nach Befreiung aus der Enge und nach einem Me(e)hr an Glück ist Elementar, wesentlich mehr Elementar, als es der Drang zum Ver- oder gar Zerstören des ich und der UmWelt ist, auch wenn Manche das noch so empfinden. Aber jetzt ist genug, sonst kommt wieder das Esoterik-Argument.
Direkte Demokratie: Ja, ich halte die MitEntscheidung von Jedes bei Allem, was Eines betrifft nicht nur für realistisch, sondern sogar für geboten. Ich vermute sogar, dass der Effekt dieser Massnahme einer gewaltigen Zunahme an Aufmerksamkeit und Wissensdurst bei Allen sein wird, denn, Was die Menschen für Dumm und Wahllos hält, -> "Macht"<- Sie dazu, hält Sie darin fest.
Die EntscheidungsFreude entsteht also mit der Gewährung der EntscheidungFreiheit. Was Wir dann noch brauchen sind die "Geräte". Damit meinte ich die Netze, Server und EndGeräte, die das notwendige Wissen transportieren (Wikipedia ist ein Anfang) und die notwendige Soft- und Sicherheits-Ware, die einen so komplexen Entscheidungsprozess möglich macht. Und, wie Sie auch wissen, ist es dazu nicht mehr fern. Hier in der EU ist es schon fast soweit, Nachholbedarf (gewaltiger) besteht noch in Afrika und Asien.
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So, jetzt habe ich schon wieder einen halben Essay geschrieben, Sorry für meine langen Kommentare, ich weiss, in der Kürze liegt die Würze, also alles Maggi, oder was ... Guten Abend.
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darauf_
ThorHa, 07. April 2012, 20:36
@OAL: Direkt Demokratie kann etwas feines sein. Solange man nicht vergisst, dass es finanzstarken Lobbies wie hochaktiven Interessengruppen noch deutlich mehr Einfluss verschaffen könnte, als beide heute schon haben: Kein Filter mehr.
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Nach einem kurzen Blick nach Kalifornien, neben der Schweiz eines der Paradebeispiele direkter Demokratie, bleibe ich bei meiner Ablehung. Denn dort haben die Bürger in ihrer unendlichen Weisheit dem Staat die Möglichkeit genommen, Vorhaben zu finanzieren. Um danach eben jenem Staat immer mehr Aufgaben auszubürden. Das Ergebnis ist katastrophaler als die Eurokrise, Kalifornien ist einer der höchstverschuldeten Staaten der Welt. Aber gaaaanz basisdemokratisch.
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Unser Problem in entwickelten Demokratien ist nicht die fehlende direkte Demokratie. Sondern die vollständige und endgültige Entkopplung zwischen Macht und Verantwortung.
Gruss, Thorsten Haupts
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und:
Veil of ignorance, 08. April 2012, 00:42
Jedem Wahlverfahren liegt natürlich ein bestimmtes Gerechtigkeitsverständnis zugrunde. Hier: Theoretisch hat jeder die gleiche Chance das Zünglein an der Waage zu sein. Ich denke nicht, dass das unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit, wie sie auch im Einzelnen sein mögen, entspricht. Dieser Fokussierung auf Verfahrensgerechtigkeit liegt eine schrecklich instrumentelle Vernunft zugrunde Wir beurteilen Entscheidungen nicht danach, ob sie gerecht entstanden sind, sondern ob wir die Konsequenz als gerecht empfinden. Input vs Output.
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@Oliver: Postdemokratie hat nichts mit Autarkievorstellungen zu tun, im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, dass keine Gruppen mehr untereinander Konkurrieren. Im pol. System nennt man sie allerdings nicht Gruppen, sondern Parteien. Durch den Verfall pol. Kommunikation (Wahlprogramme werden voneinander abgeschrieben, Wahlkämpfe von PR Agenturen inszeniert) und die Macht transnationaler Unternehmen sind unsere demokratischen Institutionen geschwächt. Und dass es solche Klitschen wie Greenpeace gibt, macht das auch nicht besser. Schließlich ist Greenpeace, weder transparent, noch jm. Rechenschaft schuldig, noch kann ich da jm. abwählen, aber dafür jede Menge Steuergelder und Macht-alles andere als "demokratisch." Das Beispiel Frankfurter Flughafen spricht auch für Crouch: Es waren nämlich Fraport Mitarbeiter, die über Nachtflüge entschieden haben. Sie wurden an das hess. Wirtschaftsministerium ausgeliehen, aber weiterhin von Fraport bezahlt. Da hat die hessische Landesregierung die Aufsicht über die Einhaltung der Nachtruhe dem Verursacher der nächtlichen Ruhestörung übertragen. Die mussten sich erst bis vor das BVG klagen, bis sie ihr Recht bekommen haben.
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Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, 08. April 2012, 12:11
@Oliver-August Lützenich, und ich bin trotzdem nicht sicher, ob das in großen Ländern funktioniert. Es würde erfordern, daß sich alle Bürger intensiv mit Sachfragen auseinandersetzen und sich eine ernsthafte und fundierte Meinung bilden - und wenn sie es nicht tun, kann das auch zu äußerst unschönen Ergebnisse führen.

Thomas Ruff, "Substrat2III"

Oliver-August Lützenich, 08. April 2012, 22:23
@Sophia, @VoI, lieber Herr Haupts, wieder etwas ausführlicher, weil ich Ihren Hintergrund nicht kenne, obwohl ich annehme, dass Sie das folgend weitgehend wissen, aber weiss ichs?
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Ich verstehe Ihre Bedenken, die ja nahe an der Angst angesiedelt sind, jedoch, ich teile sie nicht. Die Menschen mögen in der Masse ungebildet, desinteressiert und wenig mit-empfindend mit der Umwelt sein, allein, das braucht und wird nicht so bleiben. Selbstverständlich treffen Wir Menschen ständig auch falsche, zumindest oft schmerzhafte Entscheidungen, aber was sind die Gründe dafür? Die Meisten von Uns agieren und reagieren jeden neuen/nächsten Augenblick ins Unbekannte und Unerforschte hinein und treten so auch oft genug daneben; oder sie bleiben, was wohl auf die Meisten zutrifft, lieber auf sicherem Gebiet (Traditionen, Konventionen und alles mehr, was "bekannt", "bewährt" und "angepasst" ist), nur ganz ganz Wenige haben ein paar Regeln, wie das Unbekannte und Unerforschte weitgehend gefahrlos, weil vorsichtig, mit Aufmerksamkeit und Umsicht zu erleben ist. Ich zähle ebenfalls noch zu den Meisten, leider:-(.
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Die Vorbehalte, einer umfassenden "Wahl-mit-Entscheidung" Aller, die eine Entscheidung betrifft, bedeuten Misstrauen; bedeuten auch, dass Wir, die dieses Misstrauen empfinden, die MitMenschen für unfähig halten gute Entscheidungen, oder noch enger, passende und zwar dem, Welches so empfindet, passende Entscheidungen zu treffen. Wenn ich (Oliver-August Lützenich) so argumentiere, dass ich es lieber bei der indirekten Demokratie belassen möchte, also bei einer Entscheidungsfindung Weniger "über" die Masse, argumentiere ich so, weil ich glaube, oder sogar weiss, dass die Anderen keine Ahnung haben und deshalb falsch entscheiden werden; es also besser ist, die Wahl und Entscheidung anderen zu überlassen, auch wenn ich damit oft nicht einverstanden bin. So ist das bis jetzt.
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Ein natürlicher Reflex. War immer schon so, dass Andere über das Selbst entscheiden, zumindest mehrheitlich mitentscheiden, welche Eltern oder "Vorgesetzte" lassen den ihnen Anvertrauten schon wirklich die Wahl? Schliesslich wurden auch diese Eltern und "Vorgesetzten" so "erzogen". Folgsamkeit und Gesetzestreue. Kein Wunder also, dass Wir einander wenig zutrauen, wenn Wir das von der Zeugung an erleben, dass das Selbst die Bevormundung "braucht". Folgen Sie mir noch oder fühlen Sie schon Auflehnung gegen meine Sätze?
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Noch sind unsere Gesellschaften pyramidisch aufgebaut, Viele unten, weniger oben und bedenken Sie bitte, ich argumentiere NICHT politisch oder religiös, oder sonstwie Zugehörig, ich argumentiere als erfahrener, leidender, freuender, lesender, urteilender und schreibender Mensch, mir geht es nicht um eine ÜBERZeugung, mir geht es um eine möglichst nahe an die Wirklichkeit heranreichende Bewertung dessen, Was ist?
Das Misstrauen (in Uns), dass die Anderen falsche oder fehlerhafte Entscheidungen treffen, ist normal. Normal, weil fast zu 100% Menschlich. Überall wird das so empfunden, deshalb ist die VorDemokratie, sind Diktaturen und Königreiche und sonstige nahezu wahllose Herrschaftsformen (z.B. in Firmen und Organisationen) noch Menschlich. Ich wüsste jetzt auch gar nicht, wo es eine Ausnahme von dieser Regel gibt, also wo wirklich Alle, die es betrifft, mitstimmen und also mitentscheiden, ohne einschränkende ZwischenSchicht oder sonstige Umwege?
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Da ist jedoch -auch- eine Lust in Uns, die möchte diese Normalität, der Abgabe von Selbst-Macht an Andere, minimieren. Das bemerke ich in mir und bei vielen Anderen. Weniger Folgen, weniger Vergangenheit (deshalb -auch-, weil ohne viele andere "Gelüste" nach Veränderung, wären Wir noch in Erdhöhlen, Nein, im Wasser!), mehr Selbst-ermächtigung. Und das braucht Vertrauen, besonders in die persönliche Entscheidungs-fertigkeit, und aus dem Selbst hinaus auch in die des Anderen Selbst. Und wenn diese Selbst-Ermächtigung grundiert ist mit einer Zuneigung zu den MitLebewesen, zur MitWelt und der Besorgnis, um deren UND das persönliche Wohlergehen und einhergeht mit der Förderung der Aufmerksamkeit und NeuGier, dann treffen Wir mit- und füreinander auch die passenden Entscheidungen.
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Klingt das jetzt wie ein Pfaffe? Na, egal, Wir sind auf jeden Fall dabei, das tierische, das unbewusste und somit folgsame und angepasste abzustreifen und ein bemerkenswertes Selbst aufzurichten, deshalb ist mir nicht bang, dass bald die Pyramiden überall abgebaut werden und Wir einander auf Augenhöhe als gleiche Selbst begegnen und auch so abstimmen: FürEinander und MitEinander.
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Dann fühlen Wir auch SELBST-VERTRAUEN, bis dahin ...

--------------------------------Ende des Beitrags im FAZ-Blog---------------------------------

Ist das "GutMenschenTum", also die Übertreibung von Wohlmeinend, ist diese Form der Zuneigung zur Aufrichtung des Menschen, bereits Anmassung?
Wieviel davon ist gesund und wieviel von einem (vielleicht) Zuviel, lässt auf ein Defizit schliessen, auf ein Defizit an "natürlicher Härte", auf ein zuwenig an natürlicher Abneigung und Verdrängung von Konkurrenz? Was fühle ich da in mir? Nur Schimären?
Es ist klar, dass mir am liebsten wäre, diese Gefühl und die daraus entstehenden Wünsche und Gedanken würden in einer wirklich stattfindenden Entwicklung gründen, statt irgendwo in einer Phantasiewelt zu schweben.
Das wird die nahe Zukunft aber schon weisen.