Freitag, 18. Oktober 2013

J.P. Hebel und ein Schmankerl

Mit den folgenden "populären" Geschichten wurden die deutschen Bürger von Gross bis Klein alphabetisiert, für die Weiten des DaSein interessiert und der Geist aus der Tiefe des Gefühls, welches hauptsächlich aus Ängsten bestand, wenigstens etwas ins Freie gelockt. Wenn auch in den Geschichten selbst noch viel davon enthalten ist, aber sie lockten und unterhielten und dämpften, weit mehr als es Goethe, Schiller oder Heine taten, die taten es für dieJenigen, die schon weiter draussen waren und nach noch mehr WEITer hungerten oder auch nur Neugierig danach waren, was noch weiter draussen und drinnen vielleicht zu holen war oder besser unangetastet bleiben sollte oder wollte. Dass dabei VIELE entschieden, NICHT den Goethes und Schillers und Heines und Shakespears und Molières und und und nach weiter Drinnen und WEITer Draussen zu folgen, zeigte die nachfolgende Entwicklung im deutschen Sprach- und StaatsRaum, bis hin zur absoluten Enge, Verkrampfung und Ängstlichkeit, im Fühlen und Denken des Dritten Reichs.
Aber genug davon.

Hier geht es um die Geschichten und Erlebnisse, die Johann Peter Hebel, Anfang des 19. Jahrhunderts aufgriff und verfasste, und die grosse Verbreitung fanden und teils auch noch finden. Es geht um die zeigefingerlose Belehrung der Einfacheit und um die Erweiterung des eigenen Gesichtskreises, mit lauterem Humor und schwereloser Sprache.

Und da es in diesem Blog auch um das Sprache[n] geht folgendes:

Johann Peter Hebel freute sich in einem Brief: „Ich kann in gewissen Momenten innwendig in mir unbändig stolz werden, und mich bis zur Trunkenheit glücklich fühlen, daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebritat zu ersingen“.
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Johann Peter Hebel, 1760 - 1826
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Jetzt hoffe und bitte ich, dass Sie der alten Sprache auch etwas Vergnügen abgewinnen können und nicht der Inhalt und Sinn dabei verloren geht. Daher gleich der passende Einstieg mit einer Geschichte, in der es auch um das (falsch) Verstehen geht.

Titel: Kannitverstan, erschienen: 1808.

Der Mensch hat wohl täglich Gelegenheit, in Emmendingen und Gundelfingen, so gut als in Amsterdam Betrachtungen über den Unbestand aller irdischen Dinge anzustellen, wenn er will, und zufrieden zu werden mit seinem Schicksal, wenn auch nicht viel gebratene Tauben für ihn in der Luft herum fliegen. Aber auf dem seltsamsten Umweg kam ein deutscher Handwerksbursche in Amsterdam durch den Irrthum zur Wahrheit und zu ihrer Erkenntniß. Denn als er in diese große und reiche Handels-Stadt, voll prächtiger Häuser, wogender Schiffe und geschäftiger Menschen, gekommen war, fiel ihm sogleich ein großes und schönes Haus in die Augen, wie er auf seiner ganzen Wanderschaft von Duttlingen bis nach Amsterdam noch keines erlebt hatte. Lange betrachtete er mit Verwunderung dieß kostbare Gebäude, die 6 Camine auf dem Dach, die schönen Gesimse (wenn Sie hier an SMS denken; vergessen Sie es, damals war damit noch der Dachabsatz und -umlauf gemeint, aber keine weiteren Erklärungen und Unterbrechungen mehr. Geniessen Sie einfach!) und die hohen Fenster, größer als an des Vaters Haus daheim die Thür. Endlich konnte er sich nicht entbrechen, einen Vorübergehenden anzureden. „Guter Freund, redete er ihn an, könnt ihr mir nicht sagen, wie der Herr heißt, dem dieses wunderschöne Haus gehört mit den Fenstern voll Tulipanen, Sternenblumen und Levkoien?“ – Der Mann aber, der vermuthlich etwas wichtigeres zu thun hatte, und zum Unglück gerade so viel von der deutschen Sprache verstand, als der Fragende von der holländischen, nemlich Nichts, sagte kurz und schnauzig: Kannitverstan; und schnurrte vorüber. Dieß war ein holländisches Wort, oder drey, wenn mans recht betrachtet, und heißt auf deutsch soviel, als: Ich kann euch nicht verstehn. Aber der gute Fremdling glaubte, es sey der Name des Mannes, nach dem er gefragt hatte. Das muß ein grundreicher Mann seyn, der Herr Kannitverstan, dachte er, und gieng weiter. Gaß aus Gaß ein kam er endlich an den Meerbusen, der da heißt: Het Ey, oder auf deutsch: das Ypsilon. Da stand nun Schiff an Schiff, und Mastbaum an Mastbaum; und er wußte anfänglich nicht, wie er es mit seinen zwey einzigen Augen durchfechten werde, alle diese Merkwürdigkeiten genug zu sehen und zu betrachten, bis endlich ein großes Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, das vor kurzem aus Ostindien angelangt war, und jezt eben ausgeladen wurde. Schon standen ganze Reihen von Kisten und Ballen auf- und nebeneinander am Lande. Noch immer wurden mehrere herausgewälzt, und Fässer voll Zucker und Caffee, voll Reis und Pfeffer, und salveni Mausdreck darunter. Als er aber lange zugesehn hatte, fragte er endlich einen, der eben eine Kiste auf der Achsel heraus trug, wie der glückliche Mann heiße, dem das Meer alle diese Waaren an das Land bringe. „Kannitverstan,“ war die Antwort. Da dachte er: Haha, schauts da heraus? Kein Wunder, wem das Meer solche Reichthümer an das Land schwemmt, der hat gut solche Häuser in die Welt stellen, und solcherley Tulipanen vor die Fenster in vergoldeten Scherben. Jezt gieng er wieder zurück, und stellte eine recht traurige Betrachtung bey sich selbst an, was er für ein armer Mensch sey unter so viel reichen Leuten in der Welt. Aber als er eben dachte: Wenn ichs doch nur auch einmal so gut bekäme, wie dieser Herr Kannitverstan es hat, kam er um eine Ecke, und erblickte einen großen Leichenzug. Vier schwarz vermummte Pferde zogen einen ebenfalls schwarz überzogenen Leichenwagen langsam und traurig, als ob sie wüßten, daß sie einen Todten in seine Ruhe führten. Ein langer Zug von Freunden und Bekannten des Verstorbenen folgte nach, Paar und Paar, verhüllt in schwarze Mäntel, und stumm. In der Ferne läutete ein einsames Glöcklein. Jezt ergriff unsern Fremdling ein wehmüthiges Gefühl, das an keinem guten Menschen vorübergeht, wenn er eine Leiche sieht, und blieb mit dem Hut in den Händen andächtig stehen, bis alles vorüber war. Doch machte er sich an den Lezten vom Zug, der eben in der Stille ausrechnete, was er an seiner Baumwolle gewinnen könnte, wenn der Zentner um 10 Gulden aufschlüge, ergriff ihn sachte am Mantel, und bat ihn treuherzig um Excüse. „Das muß wohl auch ein guter Freund von euch gewesen seyn, sagte er, dem das Glöcklein läutet, daß ihr so betrübt und nachdenklich mitgeht.“ Kannitverstan! war die Antwort. Da fielen unserm guten Duttlinger ein paar große Thränen aus den Augen, und es ward ihm auf einmal schwer und wieder leicht ums Herz. Armer Kannitverstan, rief er aus, was hast du nun von allem deinem Reichthum? Was ich einst von meiner Armuth auch bekomme: ein Todtenkleid und ein Leintuch, und von allen deinen schönen Blumen vielleicht einen Rosmarin auf die kalte Brust, oder eine Raute. Mit diesen Gedanken begleitete er die Leiche, als wenn er dazu gehörte, bis ans Grab, sah den vermeynten Herrn Kannitverstan hinabsenken in seine Ruhestätte, und ward von der holländischen Leichenpredigt, von der er kein Wort verstand, mehr gerührt, als von mancher deutschen, auf die er nicht acht gab. Endlich gieng er leichten Herzens mit den andern wieder fort, verzehrte in einer Herberge, wo man Deutsch verstand, mit gutem Appetit ein Stück Limburger Käse, und, wenn es ihm wieder einmal schwer fallen wollte, daß so viele Leute in der Welt so reich seyen, und er so arm, so dachte er nur an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großes Haus, an sein reiches Schiff, und an sein enges Grab.

Unverhoftes Wiedersehen, 1811.

In Falun in Schweden küßte vor guten fünfzig Jahren und mehr ein junger Bergmann seine junge hübsche Braut und sagte zu ihr: „Auf Sanct Luciä wird unsere Liebe von des Priesters Hand gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ – „Und Friede und Liebe soll darinn wohnen,“ sagte die schöne Braut mit holdem Lächeln, „denn du bist mein Einziges und Alles, und ohne dich möchte ich lieber im Grab seyn, als an einem andern Ort.“ Als sie aber vor St. Luciä der Pfarrer zum zweytenmal in der Kirche ausgerufen hatte: „So nun jemand Hinderniß wüßte anzuzeigen, warum diese Personen nicht möchten ehelich zusammen kommen.“ Da meldete sich der Tod. Denn als der Jüngling den andern Morgen in seiner schwarzen Bergmannskleidung an ihrem Haus vorbey gieng, der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an, da klopfte er zwar noch einmal an ihrem Fenster, und sagte ihr guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr. Er kam nimmer aus dem Bergwerk zurück, und sie saumte vergeblich selbigen Morgen ein schwarzes Halstuch mit rothem Rand für ihn zum Hochzeittag, sondern als er nimmer kam, legte sie es weg, und weinte um ihn und vergaß ihn nie. Unterdessen wurde die Stadt Lissabon in Portugall durch ein Erdbeben zerstört, und der siebenjährige Krieg gieng vorüber, und Kayser Franz der erste starb, und der JesuitenOrden wurde aufgehoben und Polen getheilt, und die Kaiserin Maria Theresia starb, und der Struensee wurde hingerichtet, Amerika wurde frey, und die vereinigte französische und spanische Macht konnte Gibraltar nicht erobern. Die Türken schloßen den General Stein in der Veteraner Höle in Ungarn ein, und der Kayser Joseph starb auch. Der König Gustav von Schweden eroberte russisch Finnland, und die französische Revolution und der lange Krieg fieng an, und der Kaiser Leopold der zweyte gieng auch ins Grab. Napoleon eroberte Preußen, und die Engländer bombardirten Koppenhagen, und die Ackerleute säeten und schnitten. Der Müller mahlte, und die Schmiede hämmerten, und die Bergleute gruben nach den Metalladern in ihrer unterirrdischen Werkstatt. Als aber die Bergleute in Falun im Jahr 1809 etwas vor oder nach Johannis zwischen zwey Schachten eine Oeffnung durchgraben wollten, gute dreyhundert Ehlen tief unter dem Boden gruben sie aus dem Schutt und Vitriolwasser den Leichnam eines Jünglings heraus, der ganz mit Eisenvitriol durchdrungen, sonst aber unverwest und unverändert war; also daß man seine Gesichtszüge und sein Alter noch völlig erkennen konnte, als wenn er erst vor einer Stunde gestorben, oder ein wenig eingeschlafen wäre, an der Arbeit. Als man ihn aber zu Tag ausgefördert hatte, Vater und Mutter, Gefreundte und Bekannte waren schon lange todt, kein Mensch wollte den schlafenden Jüngling kennen oder etwas von seinem Unglück wissen, bis die ehemalige Verlobte des Bergmanns kam, der eines Tages auf die Schicht gegangen war und nimmer zurückkehrte. Grau und Zusammengeschrumpft kam sie an einer Krücke an den Platz und erkannte ihren Bräutigam; und mehr mit freudigem Entzücken als mit Schmerz sank sie auf die geliebte Leiche nieder, und erst als sie sich von einer langen heftigen Bewegung des Gemüths erholt hatte, „es ist mein Verlobter,“ sagte sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte, und den mich Gott noch einmal sehen läßt vor meinem Ende. Acht Tage vor der Hochzeit ist er unter die Erde gegangen und nimmer herauf gekommen.“ Da wurden die Gemüther aller Umstehenden von Wehmuth und Thränen ergriffen, als sie sahen die ehemalige Braut jezt in der Gestalt des hingewelkten kraftlosen Alters und den Bräutigam noch in seiner jugendlichen Schöne, und wie in ihrer Brust nach 50 Jahren die Flamme der jugendlichen Liebe noch einmal erwachte; aber er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln oder die Augen zum Wiedererkennen; und wie sie ihn endlich von den Bergleuten in ihr Stüblein tragen ließ, als die einzige, die ihm angehöre, und ein Recht an ihn habe, bis sein Grab gerüstet sey auf dem Kirchhof. Den andern Tag, als das Grab gerüstet war auf dem Kirchhof und ihn die Bergleute holten, schloß sie ein Kästlein auf legte sie ihm das schwarzseidene Halstuch mit rothen Streifen um, und begleitete ihn alsdann in ihrem Sonntagsgewand, als wenn es ihr Hochzeittag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre. Denn als man ihn auf dem Kirchhof ins Grab legte, sagte sie: „Schlafe nun wohl, noch einen Tag oder zehen im kühlen Hochzeitbett, und laß dir die Zeit nicht lange werden. Ich habe nur noch wenig zu thun, und komme bald, und bald wirds wieder Tag. – Was die Erde einmal wieder gegeben hat, wird sie zum zweytenmal auch nicht behalten,“ sagte sie, als sie fortgieng, und noch einmal umschaute.

Kurze Station, 1813.

Der Postmeister sagte zu einem Juden, der mit zwei Pferden auf die Station anfuhr: „Von hier aus müßt Ihr drei nehmen. Es geht bergauf, und die Straße ist frisch überführt {neu gepflastert oder gestampft}. Dafür seid Ihr in drei Stunden an Ort und Stelle." Der Jude fragte: „Wie bald bin ich an Ort und Stelle, wenn ich vier nehme?" - „In zwei Stunden." - „Und wenn ich sechs nehme?" - „In einer Stunde." - „Wißt Ihr was", sagte endlich der Jude, „spannt acht an, so brauche ich gar nicht erst ab zu fahren!".

Kann *ich aus dem "Juden" auch einen "Christen" machen oder einen "Muslim", oder gar einen "Schwaben", oder ist das kleine Schmankerl dann unstimmig, könnte ja sosein, denn wo fängt die Missachtung an, denn, wo die Missachtung aufhört wissen auch wir deutschen Menschen seit knapp vorGestern sehr genau, Viele von Uns riechen den Rauch noch Heute, denn dieses Ende der Missachtung ist (war?) ein einziges Greuel, aber wo beginnt das Greuel, in welchen Worten und Geschichten ist es gerade noch so zu erkennen, lugt keck und unheimlich hervor. Vielleicht schon dort oben?

Sonntag, 13. Oktober 2013

David Foster Wallace und Heute

Der folgende Beitrag, den ich bereits im Juni 2012 in der SprechLichtung veröffentlichte, war dort ziemlich erfolgreich, zwar weit unter hundert Aufrufen (80), aber somit auch weit über dem Durchschnitt in diesen Blogs, der so um die 20 Klicks pro Beitrag (die Leses-Zahlen liegen etwas höher, solange das Beitrag den Blog einleitet) liegen dürfte; nur sehr wenige Blog-Beiträge erreichen ZugriffsZahlen über 50 oder gar über 100, diese wenigen Beiträge sind unten in der "HitListe" der Blogs zu erlesen.

Warum übertrage *ich den Beitrag Heute? Wie Sie vielleicht im aktuellen Beitrag in der SprechLichtung erlesen haben, spüre *ich ein Band zwischen uns Menschen, ein ganz besonderes Band, das zwischen allen MitGliedern einer Spezies vorhanden ist; egal, wo die MitGlieder in diesem winzigsten kleinen PlanetenSystem - irgendwo im DaSein - gerade herumstehen, herumliegen oder sonstwie erLeben. Und *ich spüre ein ungesundes Zerren an diesem speziesinternen Band, weil die Verschiedenheiten und Unterschiede immer weiter auseinandergehen; weil schon so manches Mensch inzwischen Schwierigkeiten hat, darIn noch dasSelbe Spezies zu erkennen, obwohl Wir nur Eine sind, ohne Konkurrenz oder Unterteilung.

Und, weil *ich hier keinen Ansatz sehe, dieses Auseinandertreiben irgendwie aufzuhalten. An den "Grenzen" der sogenannten "ersten" Welt (schon diese widerliche Unterteilung! Was für eine stumpfsinnige Anmassung?), lassen wir reichen Menschen arme Menschen verrecken, ohne dass das hier ein-Es gross kümmert. Auch wenn die Medien aufgeregt davon berichten. Und wenn diese Menschen dann hier sind, schieben Wir Sie in Container ab, in baufällige Gebäude, oder sperren Sie in Wäldern wegg, ohne auch nur den gesamtgesellschaftlichen Ansatz, diese MitMenschen Willkommen zu heissen und Sie hier an Uns heranzulassen, und Sie freundlich und helfend in unsere ErLebensArt hineinzubegleiten. Und daneben können Wir Uns dabei [selbst]herrlich aufregen, wenn diese Menschen neben uns dann Fremd bleiben und nur herumsitzen. Weil Sie nur das hier dürfen.
Ich bin Heute in zwei Cafés gewesen und habe etwas verschämt anderen Tischen zugehört. Unsere HandlungsArt hier in EU mit den Krisen der umerLebenden Menschheit und der abweisende Umgang im mitEinander, war kein Thema, und dann war *ich in facebook und habe die Kommentare zu den paar Artikeln zu den aktuellen Krisen gelesen, es war beschämend mit welcher Unkenntnis und welchem Sarkasmus oder Ironie da herum schwadroniert wurde. Aber das wissen die Leses ja bereits.

Nein, *ich hier erkenne bis Heute keinen Ansatz unser triebiges Verhalten, unser übersteigertes Konkurrenzgehabe und unseren jeweils die Anderen/Äusseren abwertenden GruppenZwang aufzugeben. Also die ganze - inzwischen - "Last" der Vergangeheit.
Deshalb stelle *ich den folgenden Beitrag heute noch einmal ein, mit leichten Anpassungen an das Heute. Vergnügen finden Sie woanders, aber das ist Ihnen ja schon nach dem obigen Absatz klar.

Ab hier:
Wenn ein-Es etwas vom persönlichen Selbst erfahren möchte, was tut Es dann? Es fragt die Mit-Menschen oder hört diesen intensiv zu, manchmal gelingt diese Selbst-Bespiegelung und Selbst-Bewertung auch auf Umwegen und in Fremden, in eigentlich Fremden, obwohl selbst Fremdeste doch so viel mit ein-Es gemein[sam] haben.
Oliver-August Lützenich tue es hier einmal, indem *ich mein geringes Wissen von einem Menschen nutze, den *ich trotz dieses geringen Wissens mag, und der *mir auch ein wenig Vorbild ist; ein wenig, aber davon unten mehr.
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David Foster Wallace
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David Foster Wallace sagte in einem Fernseh-Gespräch: »Wenn ich etwas lese, das Gut und Wahr ist, gelingt es mir die Mauer meines Selbst zu überwinden und Teil einer anderen Person zu werden, wie ich es sonst nicht kann. Denn, ich habe manchmal Angst, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass Niemand so ist, wie ich. In dieser Art von Gemeinschaft {das Selbst zu überwinden und das DaSein mit Anderen zu teilen -> siehe erster Satz} liegt ein unglaublicher Trost.«
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Das Folgende kreist um diesen Satz, um den Umstand seines frühen Todes und um das, was ich aus seinen Büchern und aus vielen Gesprächen und Artikeln von Ihm weiss, und ganz bescheiden dazu, was *ich inzwischen von mir weiss.
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Dieses Gefühl, diese Gefühle, diesen inneren Umstand (siehe Zitat oben) kenne *ich zur Genüge, auch *mir ist es oft so zumute, das Einzige in diesem Universum zu sein, das so ist, wie *ich, und k[aum]ein-Es versteht oder gar begreift *mich.
Und auch Oliver-August Lützenmir läuft oft genug das Bewusst-Sein über und die Gedanken, die Schlussfolgerungen und Fragen sind nicht mehr zu stoppen, es ist schwer erträglich keine Ruhe, keinen ruhigen Fluss zu finden, ständig wie vom Sturm gepeitscht zu werden, vorangetrieben zu werden, obwohl die Segel längst schlaff am Mast herunterhängen, voller Risse und Löcher, aber weiter, weiter, immer weiter, fordert ein Hintergrund, der nicht greifbar für ein-Es ist (Evolution?), aber ein-Es Selbst voll im Griff hat.

Ein Dauerzustand dabei ist die Angst, die oft genug zur Panik und zur vollen Verzerrung der Wirklichkeit anschwillt. Kein Wunder also, dass der Abstand von - insbesondere - den Mit-Menschen dabei immer grösser wird: Wie können Diese nur so dahinleben, ohne diese Tragik, Verzweiflung und ForschungsWut, die ein-Es Selbst stets in HabAcht-Stellung verweilen lässt?
Und diese Anderen erleben so fröhlich und fraglos dahin, erleben Familie, gehen Freundschaften ein, gehen Beziehungen ein, Arbeiten bestens ein-, unter- und angeordnet, zeugen Kinder, bauen Nester, oder auch Häuser; fahren, gehen, liegen, stehen weitgehend abgeschirmt durch diese gleiche RaumZeit, und auf diesem gleichen kleinen Planeten herum, ohne das wahrzunehmen, was hier passiert, um Sie herum.

ErLeben gut oder gar luxuriös (*ich schreibe hier von *meinem Umfeld) in Ihrem ganz persönlichen Kokon; von Kongo, Bangladesh, Sudan, Syrien, und und ..., schwindenden Wäldern, abnehmender Artenvielfalt, von Armut, Ausbeutung, den "stillen" Massakern in der Ferne oder auch zwei Häuser weiter, von der bildungslosen Dumpfheit ganzer Massen, ist bestenfalls der [Selbst-]Rand berührt; die Überforderung, die ein-Es Selbst oft spürt, angesichts der Tatsachen und des Weltgeschehens, - das in ein-Es Selbst manchmal mehr RaumZeit einnimmt, als dieses einsame Selbst -, fo/ördert von den Meisten gelegentlich ein [be]rührendes Schulterklopfen, "ist ja gut", oder gar ein: "lass Dir mal helfen, geh mal zum Doktor, nimm mal schön ein paar [Beruhigungs-]Pillen", aber: "Normal bist Du nicht, oder?".

Schreien könnte ein-Es manchmal mitten in dieser ich-Abgeschiedenheit der Anderen, in dieser Abgeschiedenheit der Allermeisten im DaSein vom Rest des DaSein.
Ein-Es Selbst nimmt wahr und gibt wahr, aber das will Niemand Ander-Es wissen, was wahr ist und was wahr gibt.
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Erst mal nicht.
Aber *ich will hier nicht einen auf Wichtig machen, dass *ich ja soooo bemüht bin, um das AllEs und All-Es! Nein, das ist nicht wichtig, Oliver-August Lützenich bin es nicht.
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Alles braucht RaumZeit, um zu gedeihen, um zu verzeihen, um zu gesunden und das DaSein zu begreiffen.
Wie lange wurde ein Kopernikus verdrängt, warum ein Galilei zur Rücknahme gezwungen und ein Kepler nicht wahrgenommen? Bis Heute warten die Erkenntnisse der Quantenforschung selbst in den "besten" Köpfen auf Annahme und Erleuchtung.
David Foster Wallace waren diese Einsichten, war diese Forderung und diese Förderung an die Geduld, war eine HilfeStellung während dieser gefühlten Selbst-AbSonderung; und war die nötige RaumZeit zur Heilung der Überforderung des Selbst und der Abgeschiedenheit der Einzel-Egos nicht vergönnt, Er starb viel zu früh und in stiller Verzweiflung, durch Selbst-Erhängung, am 12.09.2008.
Ein grosser Verlust!
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Deutsch-sein:
Ich entstamme aus einem anderen Hintergrund.
Oliver-August Lützenich bin in die totale Niederlage hineingeboren, in die Schande, in die Haltlosigkeit, bin als Kind in den Schmutz geworfen worden, angeschrieen, abgesondert, ausgeschlossen, geohrfeigt und getreten für den Verlust, den ich mitverursacht habe, ohne recht zu wissen, wieso ich getan, was ich getan haben soll, Deutsch zu sein, Deutsch zu leiden, halb Europa verwüstet, Menschenmassen gefoltert, getötet, gemordet, vergast, in all der einfachen Hilflosigkeit, Deutsch-sein ist verkrampft-sein, ist steif-sein, ist hysterisch-sein, ist grössenwahnsinnig-sein ohne grössen zu sein.
Deutsch-sein ist? Deutsch-sein war.
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Aufgenommen an einem Bauzaun am Columbiadamm
in Berlin-Kreuzberg/Tempelhof, am 14.10.2013
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David Foster Wallace ist in die USA hineingeboren worden, mitten hinein, aber neben dem Sieger-sein, ist die USA auch eine fast überbordende Vielfalt, eine Vielstimmigkeit und UnEinheitlichkeit, das andere Ende der vom Deutsch-sein verlangten Reinheit, an beiden Enden ist der Verstand über- oder unterfordert, *ich war/bin total unterfordert.
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DaZwischenRuf!
Dies ist KEIN Psychogramm, KEINE Analyse von zwei Menschen und deren Verflechtungen und Ähnlichkeiten, von Ursachen und Wirkungen, dies ist lediglich ein kurzes  Gedankenspiel mit Fragmenten dessen, was Oliver-August Lützenich vom Selbst fühle und spüre, von Aussen wahrnehme und dem Wenigen, das *ich von und über David Foster Wallace gesehen und vor allem gelesen habe.
Also bitte liebe Leses, keine falschen Schlussfolgerungen ziehen!
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Es ist für *mich ein kleiner weiterer Schritt auf dem Weg der persönlichen Selbst-Findung, der Selbst-Einordnung, der Selbst-Bewertung durch Bespiegelung, durch den Vergleich mit Ähnlichen und ganz Anderen, durch eine möglichst nah- und weitreichende Selbst- und UmweltErForschung und dies hier, dieses Textlein, ist ein kleines Schnippselchen davon.
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Was ergeben-s ich, von Innen eingespürt, aus so völlig verschiedenen Hintergründen - von zwei "gleichen" Menschen -, doch für Ähnlichkeiten!?
Überall so viele Ähnlichkeiten, obschon die Umstände - bildlich beschrieben: der Boden, in den die Wurzeln eines ErLebewesens gesetzt wurden -, so völlig andere sind, die Ausstattung, der Empfang, der pflegliche und förderliche Umgang, oder eben der feindliche Empfang und der oft brutale und zumindest dämpfende Umgang, und doch gelingt aus beider Herkunft eine Annäherung eine AnGleichung?
Von Innen betrachte k[aum]eine Ähnlichkeit, von Aussen betrachtet, also als NICHT-Mensch, sind alle Menschen weitgehend dieSelben.
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Was (Er + Sie + ? = Was) Ameisen - als aussenstehendes Mensch -, betrachtet, sieht oft genug nur Ameisen. Ein-Es, wie das Ander-Es. Nur das AmeisenForsches, das ganz nah hingeht und Einzeln-Es herauspickt und kennzeichnet, z.B. mit einem Farbklecks, bemerkt, welch verschiedene Persönlichkeiten auch Ameisen aufweisen. Jede Ameise EINE Persönlichkeit. 
Auch DAS ist für ALLE Lebewesen dasSelbe, dass JEDES verschieden ist, also Gleich.
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Und doch behandeln Wir das Eine, wie das Andere; und das geht auch weiter mit Uns Selbst. Obwohl bei näherer Betrachtung und weiterer Aufmerksamkeit, das Eine und das Andere ziemliche Verschiedenheit[en] aufweisen.
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David Foster Wallace stellte (wurde gestellt!?) das persönliche Selbst - Einzig und Abseits - und empfand auch Wohligkeit, wenn Er ein anderes Ein-Es erspürte, das Ihm an-gleichte. Ihm gefiel, das Ander-Es anzuerkennen, Er empfand Vergnügen in dieser Übereinstimmung, in diesen kurzen sozialen, gemeinsamen Momenten, als Teil eines grösseren Etwas, der Masse.
Oliver-August Lützenich war nur Masse, war gar kein besonderes persönliches Selbst, und trotzdem stand *ich auch am Rande, seltsam, es war Beides in *mir: die fast vollkommene Übereinstimmung mit dem Durchschnitt der umgebenden Masse - *ich war/bin Durchschnitts-Deutscher mit allen Stimmungen, die den Durchschnitt so auffüllen und umtreiben -; aber *ich bin auch auf Distanz, --> "betrachte" *mich dabei, und mag nicht, was *ich sehe, möchte weiter sein, als "nur" Deutsch-sein.
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Aber *ich möchte dieses Deutsch-sein auch nicht als Last begreiffen, vor allem möchte *ich nicht vor der Geschichte und der Verantwortung, die diese deutsche/europäische Geschichte auch in *mich abgelegt hat, flüchten.
Nur Deutsch-sein, nein, aber auch nicht ablegen oder Anders-sein, ohne abzutragen, was dieses Deutsch-sein an Schuld hat, an Pflichten hat, aber auch an Vorteilen bringt, an Schätzen zu bieten hat.
Soweit erst mal, mehr im weiteren.

PS: Noch die Blog-Zahlen vom 13.10.2013.
Danke.